Kälber in einem Stall

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Meinung | Laura Schneider | am

Hannes Jaenicke über die Milchviehhaltung: Im Gruselkabinett der Lügen

LAND & FORST-Redakteurin Laura Schneider schockierte der Talkshow-Auftritt von Hannes Jaenicke und Sky du Mont. Nicht nur wegen der infamen Lügen, welche die beiden auftischten.

Es ist gruselig. An diesem Punkt konnte ich Schauspieler Sky du Mont bei der Talkshow „3nach9“ vergangenen Freitag im NDR uneingeschränkt zustimmen. Doch was mir einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt, ist nicht die Vorstellung, dass die deutschen Milchviehhalter ihre Kälber in Container schichten und darin ersticken lassen, wie du Mont es beschreibt. Oder, dass unsere Milchkühe „meistens krank sind und ständig medikamentös behandelt werden“, wie Schauspieler Hannes Jaenicke weiß.

Ich finde es gruselig, dass die beiden im öffentlich-rechtlichen Fernsehen Nutztierhaltung als bestialische Tierquälerei darstellen. Und obwohl sie sich auf völlig falsche Behauptungen stützen, hört die ganze Talkrunde mit betretenen Gesichtern zu und nickt zustimmend mit dem Kopf.

 

Nutztierhaltung - fachliche Argumente will keiner hören

Wenn ich das sehe und höre, möchte ich lautstark widersprechen. Erklären, dass Milchviehhalter keine Kälber töten, Kühe nicht meist krank sind, Milch weder ungesund noch giftig ist und Haltungsstufe 3 mehr bedeutet als im Schweinestall das Fenster einmal auf und wieder zuzumachen.

Aber ich habe das Gefühl, dass meine Argumente niemand hören will. Die Diskussion ist nicht neu. Vieles habe ich – und viele von Ihnen sicher auch – schon einige Male erklärt. Kritische Fragen sind wir in der Tierhaltung gewohnt und gesellschaftliche Kritik ist sicher auch ein Grund dafür, dass Deutschland gerade in puncto Tierwohl oft höhere Standards hat als andere Länder. Doch das hier ist keine Kritik. Das sind Lügen, die Tierhalter als Verbrecher hinstellen. Aber Moderatorin Judith Rakers stellt keine der haltlosen Thesen in Frage, sondern stimmt ihnen zu.

Hannes Jaenicke in einer Talkshow

Den Landwirten und Landwirtinnen wird keine Stimme gegeben

So präsentieren zwei Schauspieler ihre Fakten zur Tierhaltung – so überzeugt und selbstbewusst, dass Menschen ohne landwirtschaftlichen Bezug ihnen wahrscheinlich trotz der Absurdität der Vorwürfe glauben. Jaenicke hat schließlich lange zur Tierhaltung recherchiert und du Mont meldet sich zu den Kälbern zu Wort, weil er da „Bescheid weiß“. Ein Landwirt, der seine Arbeit erklären könnte und wirklich Bescheid weiß, fehlt in der Runde. Fachliche Argumente waren wohl nicht gewollt.

Tierhalterinnen und Tierhalter müssen weiter erklären

Dass Journalisten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen so arbeiten, ist wirklich gruselig. Es zeigt uns aber auch, dass wir in der Tierhaltungsbranche weiter erklären und argumentieren müssen – auch, wenn es manchmal niemand hören will. Sie, liebe Landwirtinnen und Landwirte, können authentisch und ehrlich erklären, wie sie arbeiten und warum. Dabei müssen Sie sich nicht auf Lügen stützen, sondern haben Argumente.

Unsere Tierhaltung kann sich sehen lassen. Auf jedem Betrieb sind die Entwicklungen in Richtung mehr Tierwohl, Tiergesundheit und Nachhaltigkeit zu sehen. Die Wertschätzung dafür bleibt leider viel zu oft aus und das ewige Erklären ist ein langer und mühsamer Weg mit vielen Rückschlägen. Doch davon sollten wir uns nicht entmutigen lassen, denn dieser Weg bleibt unsere Chance, aus dem Gruselkabinett der Lügen und Vorwürfe herauszukommen.

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