Kommt eine neue Welle der Vogelgrippe? Fragen und Antworten zur Seuche.

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Christel Grommel | am

Nach heftiger Vogelgrippe-Sommerwelle: Kommt schon die nächste Welle?

Die Vogelgrippe hat in diesem Sommer nicht wie sonst eine Pause gemacht. Experten sehen ein Risiko für eine weitere Welle.

Der Vogelzug hat eingesetzt und geht seinem Höhepunkt entgegen. Daher steigt auch das Risiko für die nächste Welle, prognostiziert Timm Harder vom Friedrich-Loeffler-Institut (FLI). Weil im Vogelzug viele Tiere aus unterschiedlichen Regionen auf engem Raum zusammenkommen, kann das Virus leicht weitere Wirte finden. Es drohe eine Ausbreitung über Gesamtdeutschland. Das FLI werde die Risikoeinschätzung für deutsche Betriebe entsprechend aktualisieren.

Vogelgrippe im letzten Jahr beispiellos

In den zurückliegenden Jahren häuften sich die Fälle von Vogelgrippe vor allem zwischen Oktober und April. 2021 gab es erstmals Fälle im Sommer, hauptsächlich im nördlichen Europa. 2022 war jedoch bisher beispiellos. In Niedersachsen mussten 2022 von Juli bis Anfang September schon mehr Tiere getötet werden als im gesamten Herbst und Winter 2021/2022. An den Küsten in Deutschland hat es vor allem koloniebrütende Seevögel getroffen. Allein für die Nordsee geht Experte Harder von Zehntausenden toten Wildvögeln aus.

Warum war die Vogelgrippe 2022 so extrem?

Laut Harder gibt es dafür mehrere Erklärungsversuche. Ein genannter Grund ist der Klimawandel und infolge das veränderte Wildvogelverhalten. Auch die große Menge des zirkulierenden Virus wird genannt. Man vermutet auch, dass die Viren, die sich über diesen Sommer ausgebreitet haben, widerstandsfähiger sind. Beweise gibt es aber für keine dieser Vermutungen.

Geflügelpest-Interview-Gerdes-B1_CDL

Wie stark sind Betriebe in Deutschland gefährdet?

In der Risikoeinschätzung von Anfang Juli ging das FLI noch von einem hohen Risiko für Betriebe an den Küsten aus, für andere Betriebe von einem geringen Risiko. Nun erwartet man aber ein steigendes Risiko für Betriebe auch abseits der Küsten und damit eine Änderung der Risikoeinschätzung. Es gebe Anzeichen, dass sich das Infektionsgeschehen von den Küsten aus auf Deutschland erstrecken wird, wie auch in den zurückliegenden saisonalen Seuchenzügen.

Könnten neue Varianten kommen?

Timm Harder sieht ein über ganz Europa verteilt relativ einheitliches Virus, das sich im Vorfeld durchgesetzt habe. Mit dem Vogelzug könnten aber theoretisch auch neue Varianten eingeschleppt werden, so der Experte. Klassischerweise kämen diese aus dem eurasischen Raum. Man könne aber noch nicht wissen, ob die Vögel etwas Neues mitbringen.

Wie hat sich das Virus verbreiten können?

Der Vorläufer der Vogelgrippeviren ist 1996 in Südchina festgestellt worden und sich in Südostasien gehalten. Einen ersten großen Ausbruch gab es 2003 bei Wildvögeln in Nordchina und der Mongolei. In Deutschland gab es im Februar 2006 einen ersten Nachweis bei einem Schwan. 2014 kam es zu einer weiteren schweren Welle, die sich über Russland nach Westen bis Europa und Afrika und im Osten erstmals über die Beringstraße bis nach Nordamerika ausgebreitet hat. Seit 2016 gibt es die Vogelgrippe regelmäßig in Deutschland.

Mit Material von dpa
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