Hallenturnier im Springreiten

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Janina Schuster | am

Herpes: Aggressiver Virus erschüttert Reiterszene

Sieben Pferde aus deutschen Ställen sind bereits tot und niemand weiß, wie viele den gefährlichen Herpes-Erreger noch in sich tragen. Im spanischen Valencia findet seit Anfang Februar ein mehrwöchiges Springturnier statt. Dort brach das Virus nun aus.

Nun steht der Weltverband FEI in der Kritik, nicht schnell genug gehandelt zu haben. Mehrere Vertreter der Springreitszene haben sich zu dem Ausbruch des gefährlichen Virus geäußert. Viele davon haben Anfang Februar Pferde aus ihren Ställen nach Valencia geschickt. Axel Milkau, Turnierchef des internationalen Hallenturniers Braunschweig Classico, kritisierte das Krisenmanagement dort scharf.

Probleme seien die medizinische Unterversorgung, zu wenig Personal und "eine Lagerhaltung dort, in der das hochinfektiöse Virus grassiert", so Milkau. Auch das Einrichten des Krisenstabs nach erst neun Tagen sei viel zu spät. 

Alle Turniere bis zum 28. März abgesagt

"Der Ausbruch ist wahrscheinlich der schlimmste in Europa seit vielen Jahrzehnten" sagt FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibanez: "Dieser EHV-1-Stamm ist besonders aggressiv und hat bereits Todesfälle bei Pferden und eine sehr große Anzahl von schweren klinischen Fällen verursacht." Bis zum 28. März sagte die FEI alle internationalen Turniere in Deutschland sowie neun weiteren Ländern ab. Die FN (Die Deutsche Reiterliche Vereinigung e. V) folgte dieser Vorsichtsmaßnahme und kündigte die Absage aller nationalen Turniere bis zum selbigen Datum an. 

Virus in drei EU-Ländern und den USA nachgewiesen worden

Nach Angaben der FEI sei das Virus bisher in drei weiteren EU-Ländern nachgewiesen worden - Tendenz steigend. Die Sorge um eine rasche Ausbreitung wächst: "Wir wissen auch, dass eine große Anzahl von Pferden den Veranstaltungsort in Valencia ohne ein offizielles Gesundheitszertifikat verlassen hat, was bedeutet, dass sie einen unbekannten Gesundheitsstatus hatten", erklärt Ibanez: "Einige Pferde waren bereits krank, und das Risiko einer Übertragung durch diese Pferde ist ein großes Problem." So gab es nach Angaben eines Turnierveranstalters auch in Florida einen positiven Test, womit das Virus erstmals seit Ausbruch auch in den USA nachgewiesen wurde. In Deutschland wurden nun ebenfalls erste Fälle der Erkrankung, sowie zwei Todesfälle bestätigt. Die infizierten Pferde seien laut FEI beim Turnier in Valencia am Start gewesen. 

Turnier läuft weiter

Das Turnier läuft nun unter Vorbehalt weiter. Man wolle verhindern, dass sich Hunderte Pferde auf einmal auf die Rückreise begeben. Ohne Genehmigung dürfe kein Tier den Turnierplatz verlassen, eine Anreise sei nicht erlaubt. Dies gilt, solange es keine neuen EHV-1-Fälle gibt. 

Schockemöhle kritisiert fehlende Impfpflicht

Der ehemalige Springreiter Paul Schockemöhle äußerte sich ebenfalls zum Thema. "Ich trete schon seit 15 Jahren dafür ein, aber die Behörden haben Herpes ignoriert und seit zig Jahren verpennt", sagte der Züchter und Pferdehändler: "Das ist unverzeihlich." Es besteht in Deutschland keine Impf- oder Meldepflicht für Herpes. "Wir impfen schon seit 30 Jahren alle unsere Zuchtpferde, die Sportpferde und auch die Jungpferde in der Aufzucht», sagte Schockemöhle, der in seiner aktiven Zeit dreimal Europameister wurde. Es gebe «keinen 100-prozentigen Schutz. Aber wenn man das immer ordnungsgemäß gemacht hat, greift er normalerweise." so Schockemöhle weiter.

Symptome und Behandlung

Bei erkrankten Tieren kann der Tierarzt die Symptome beispielsweise mit Entzündungshemmern, Schmerzmitteln und Antibiotika (gegen Nachfolgeinfektionen) lindern. Das Virus selbst ist nicht bekämpfbar.

EHV1 führt bei Pferden zu einer Vielzahl von Symptomen. Erste Anzeichen für eine Herpesinfektion beim Pferd können folgende sein:

  • Atemwegsprobleme
  • Fieber
  • Lethargie
  • Nasenausfluss
  • geschwollene Lymphknoten
  • nervöse Störungen
  • Lähmungserscheinungen
  • dauerhafte Rückenmarksschädigungen

Vor allem die Nervensystemsymptomatik kann schnell zum Tod oder zu unheilbaren Schäden führen.

Mit Material von NDR, FN, dpa

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