Ein Schwein kaut im Stall auf einem Holzspielzeug, Beschäftugungsmaterial, Initiative Tierwohl

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Christa Diekmann-Lenartz | am

Initiative Tierwohl: Großes Interesse, große Unsicherheit

In wenigen Tagen läuft die erste Frist für die Anmeldung zur 3. Runde der Initiative Tierwohl ab. Sie gilt für Schweinemäster. Insbesondere die Unklarheiten bezüglich der Entgeltauszahlung sorgen für viel Unsicherheit.

Die zweite Runde der Brancheninitiative Tierwohl, die im kommenden Jahr endet, ist zweifelsohne ein Erfolg. Im Bereich Schwein nahmen 4.150 Betriebe mit ca. 26 Mio. Tieren teil, das entspricht ca. 20 % Marktabdeckung. Über 98 % der angemeldeten Betriebe bestanden die Audits. Das heißt: Nur wenige Betriebe, die mitmachen wollten, schafften es nicht in das Programm, bzw. darin zu bleiben.

Ob die 3. Runde, die in Kürze an den Start gehen soll, auch wieder ein Erfolg wird, steht derzeit noch in den Sternen. Das Interesse sei zwar riesengroß, sagt Peter Schwaer vom Bündler IQ agrar, aber es gebe auch sehr viel Unsicherheit. Hauptunsicherheitsfaktor ist die unklare Regelung, wie die Schweinemäster, die in der 3. Runde mitmachen wollen, demnächst an ihr Entgelt für die Teilnahme kommen.

Schon Anmeldephase ist entscheidend

Dabei macht es einen sehr wichtigen Unterschied, ob man sich als Schweinemäster schon in der 1. Anmeldephase (bis 16. Oktober 2020) für die Teilnahme entscheidet, oder erst in der 2. Anmeldephase, die ab dem 1. Januar 2021 läuft:

Wer sich jetzt bis zum 16. Oktober 2020 anmeldet, bekommt sein Entgelt noch bis Mitte nächsten Jahres wie bisher über den ITW-Fonds ausgezahlt, in den der Lebenmitteleinzelhandel einzahlt. Diesen Fonds gibt es ab Mitte nächsten Jahres nicht mehr für die Mäster, sondern dann nur noch für die Ferkelaufzüchter. Diese geben dann einen Teil ihres Entgeltes an die Sauenhalter weiter, von denen sie ihre Ferkel beziehen.

So sollen Mäster an ihr Entgelt kommen

Die Schweinemäster sollen ihr Geld ab Juli 2021 direkt vom Abnehmer ihrer Schlachtschweine, also dem Schlachthof oder dem Viehhändler, bekommen. Wie gesagt, dies gilt für Mäster, die sich schon jetzt in der 1. Anmeldephase bis zum 16. Oktober 2020 anmelden.

Wer sich als Mäster jedoch erst in der 2. Anmeldephase ab dem 1. Januar 2021 anmeldet (Anmeldung dann kontinuierlich weiter möglich), muss sein Entgelt sofort ab Umsetzungszeitpunkt (frei wählbar ab 1. Januar 2021) vom Schlachthof/Viehvermarkter bekommen.

Der Schlachthof als Nahtstelle zum Lebensmittelhandel (LEH) muss sich den Tierwohlaufschlag von derzeit 5,28 €/Schlachtschwein dann von seinen Kunden, dem LEH wiederholen.

Wer als Viehhändler ITW-Schweine abnimmt, muss die 5,28 € an seine Schweinemäster zahlen und sich das Geld wiederum vom Schlachthof zurückholen.

Gewisse Abnahmeregeln vertraglich absichern

Soweit die Theorie. In der Praxis sei aber eben noch vieles unklar, so Peter Schwaer. Die Schlachthöfe warten auf Verträge mit dem LEH, werden sich zur anderen Seite, sprich zu ihren Schlachtschweinelieferanten, aber auch absichern müssen.

„Zumindest sind die großen und viele mittelständische Schlachtunternehmen inzwischen bei ITW gelistet, dass sie in der 3. Runde dabei sind“, informierte Schwaer auf einer der IQ agrar-Infoveranstaltungen vergangene Woche in Hasbergen. Erste „Vertragsideen“ von Schlachthöfen gibt es wohl, aber noch wenig Konkretes.

Auch ITW-Schweinemäster werden künftig wohl kaum ohne Verträge mit ihren Abnehmern auskommen. „Gewisse Abnahmemengen sollte man vertraglich absichern,“ empfahl Schwaer. Es gibt von Seiten ITW jedoch keine Musterverträge oder Ähnliches. Jeder interessierte Schweinemäster solle das Gespräch mit seinem Vermarkter suchen, so der Tenor der Veranstaltung.

Neues Pflichtkriterium "Raufutter"

„Wer sich jetzt in der 1. Anmeldephase anmeldet, hat zumindest die Gewissheit, dass er bis zum kommenden Sommer sein Entgelt bekommt,“ so das Resümee eines Zuhörers in Hasbergen – zumal jeder ITW-Teilnehmer auch während der 3. Runde kündigen kann. Für die Teilnahme in der 3. Runde müssen natürlich auch wieder Tierwohl-Kriterien erfüllt werden – und in der neuen Runde gibt es keine Wahl-Kriterien mehr, sondern nur noch Pflichtkriterien. Einige lassen sich eher unproblematisch umsetzen – wie 10 % mehr Platz oder einmal jährlich Teilnahme an einer Fortbildungsveranstaltung in Sachen Tierwohl/Tierschutz.

Schwieriger wird es schon bei dem neuen Pflichtkriterium „Raufutter“. Raufutter muss zusätzlich und separat zum eigentlichen Futter gegeben werden, es kann in Intervallen gegeben werden, sollte als Orientierungswert jedoch zwölf von 24 Stunden zur freien Aufnahme zur Verfügung stehen. Es gibt zwar keine konkrete Mengenvorgabe beim Raufutter, die pro Schwein zu geben ist, als Orientierungswert sind allerdings 50 g genannt. Heidrun Klockgether vom Unternehmen SGS, das die ITW-Audits durchführt, relativierte diese Zahl. Es gehe nicht um die absolute Menge, so Klockgether, 50 g sei ein Orientierungswert. Klar müsse aber sein, dass das „System Raufuttergabe“ gelebt werde auf den ITW-Betrieben.

Ferkel aus Dänemark und den Niederlanden

In den vergangenen Wochen ist bekanntlich viel diskutiert worden über den Ferkelbezug aus Dänemark und den Niederlanden. Es ging um die Frage, ob ausländische Ferkel auch das QS-Siegel tragen dürfen, wenn sie ab dem kommenden Jahr nach Methoden kastriert werden, die in Deutschland nicht zugelassen sind.

QS erarbeitet derzeit eine Positivliste von Kastrationsmethoden, die für QS-Ferkel zugelassen sind. ITW-Mäster dürfen bis auf Weiteres Ferkel aus den beiden genannten Ländern beziehen, die Positivliste wird laut Schwaer vermutlich im Laufe des kommenden Jahres kommen. Diskutiert wird wohl auch die Höhe der Entgelte für die ITW-Tiere. Sie seien erst mal gesetzt, betonte Schwaer. Ob es später noch Spielraum nach oben gebe, bleibe abzuwarten.

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