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Christa Diekmann-Lenartz | am

Initiative Tierwohl: Wie sieht es vertraglich aus?

Bis heute haben sich 4.700 Schweinemäster für die 3. Runde der Initiative Tierwohl angemeldet. Das Geld kommt künftig von den Schlachthöfen, vertragliche Anbindungen sind gefragt. Wie sieht es damit in Niedersachsen aus?

Bis Anfang dieser Woche haben sich deutschlandweit 4.700 Schweinemastbetriebe für die 3. Runde der Brancheninitiative Tierwohl (ITW) angemeldet. Dahinter stehen rund 18 Millionen Schlachtschweine. In Niedersachsen sind es aktuell 1.900 Mäster, die rund 6,8 Millionen Mastschweine liefern wollen. Bekanntlich wird es ab dem Sommer keinen Fonds mehr geben, aus dem die ITW-Mäster wie bisher ihre Bonuszahlungen erhalten. Das Geld - mindestens 5,28 Euro je Schlachtschwein – soll künftig direkt über die Schlachthöfe ausgezahlt werden. Die Schlachthöfe haben sich verpflichtet, bei Abnahme von ITW-Schweinen den Bonus auszuzahlen. Wir sprachen mit einigen Vermarktern in Niedersachsen, wie sie mit den neuen ITW-Modalitäten umgehen.

Großes Interesse an ITW-Teilnahme

Bernd Terhalle ist Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsvieh Hümmling e. G., Sitz ist das emsländische Lorup. Vermarktet werden jährlich ca. 1 Millionen Schlachtschweine – an derzeit neun Schlachthöfe. An keinen Schlachthof gehen dabei mehr als 25 Prozent — Risikostreuung. Von den Mitgliedern der EZG Hümmling sind bislang 430.000 Schlachtschweine für die 3. Runde ITW angemeldet. Laut Terhalle ist das Thema Lieferverträge seit letztem November intensiv mit Vorstand und Aufsichtsrat diskutiert worden: "Unser Standpunkt ist heute ganz eindeutig: Wir wollen keine Lieferverträge mit Landwirten und/oder Schlachthof." Terhalle sieht in eng gezurrten Lieferverträgen die große Gefahr, dass die Position der Grünen Seite noch weiter geschwächt wird. Auch das aktuelle System der Preisfindung mit Einbeziehung der EZG’s würde damit auf Dauer ausgehebelt.

Ziel sei, maximale Erlöse für mehr Tierwohl zu erzielen.

Dass es nicht ohne Absprachen geht für die Vermarktung der ITW-Schweine vom Stall bis in die Ladentheke, sei klar. Entsprechende Mengenabsprachen hat seine EZG mit allen Schlachthöfen getroffen, die beliefert werden. "Diese Absprachen lassen jedoch einen gewissen Spielraum, der nötig ist, damit wir unseren Job, nämlich die bestmögliche Vermarktung der Tiere, gut machen können", sagt Terhalle. Ziel sei, maximale Erlöse für mehr Tierwohl zu erzielen. Der Spielraum werde aber auch gebraucht, weil es auf Seiten der Mäster ebenso Mengenschwankungen gebe: "Wenn die voraussichtlichen direktkostenfreien Leistungen nicht passen, wird auch mal mal nicht eingestallt", weiß er aus Erfahrung. Theoretisch müssten 430.000 ITW-Schweine über das Jahr gesehen angeboten werden, ob sie dann auch praktisch da sind, sei nicht sicher. Die EZG garantiert die 5,28 Euro Mindestaufschlag für ITW-Schweine, ob er höher werden kann, müsse der Markt zeigen.

Marktaussichten ITW-Fleisch unsicher

Eine ähnliche Markteinschätzung gibt es bei der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsvieh im Oldenburger Münsterland e.G. (EG im OM), Bakum (Landkreis Vechta). Geschäftsführer Christoph Hüsing sieht auch ein großes Fragezeichen: "Man weiß nicht wirklich, wie stark das ITW-Fleisch künftig gekauft wird im Laden. Das wird u. a. davon abhängen, wie stark der Lebensmittelhandel (LEH) es bewirbt." Die EG im OM vermarktet aktuell ca. 700.000 Schlachtschweine pro Jahr, 40 bis 45 Prozent davon sind für die 3. Runde ITW angemeldet. Die EG im OM hat sich ebenfalls gegen Lieferverträge mit Landwirten und Schlachthof ausgesprochen: "Unsere Strategie ist höchstmögliche Sicherheit bei größtmöglicher Flexibilität".

In diesem Sinne gebe es Vereinbarungen mit den Schlachthöfen. Auch für die Mitglieder seiner EZG sind die 5,28 Euro Aufschlag je ITW-Schwein garantiert, ebenso wie der VEZG-Preis. Die Vermarktung und Mengensteuerung bei den Schlachtschweinen müsse im Sinne der Mäster so weit wie möglich auf landwirtschaftlicher Seite gebündelt bleiben, sagt Hüsing. Deshalb hat er auch keine Sorge, dass die EZG‘s durch immer mehr direkte Verträge zwischen Landwirt und Schlachthof überflüssig werden. Spannend ist für ihn die Frage, wie es weitergeht, wenn ITW-Mäster nur noch ITW-Ferkel einstallen dürfen.

Große Resonanz bei RVV-Mästern auf 3. Runde

Der Raiffeisen Viehverbund (RVV) mit Hauptsitz Twistringen hat gerade eine "enge Kooperation" mit der Erzeugergemeinschaft für Qualitätsvieh im Raum Osnabrück (EGO) bekanntgegeben. Damit werden aktuell rund 1,8 Mio. Schlachtschweine pro Jahr vermarktet, davon 400.000 Tiere der EGO, so RVV-Geschäftsführer Patrick Wilkens. Sie gehen, breit gestreut, an die Schlachthöfe der Region. Bei den RVV-Mästern gab es eine große Resonanz auf die 3. Runde ITW. Knapp 40 Prozent der Betriebe mit einem etwas größeren Anteil der Schlachtschweine sind dabei beziehungsweise angemeldet. 

Auch Wilkens macht seit zwei, drei Jahren verstärkt Bemühungen der Schlachthöfe aus, sich ihren Rohstoff Schweinefleisch zu sichern und Verträge zu schließen. "Für uns spielen Dreiecksverträge aber keine Rolle. Wir sind die Bündler, unsere Landwirte sind die Eigentümer unserer Genossenschaft. Wir würden dann Verträge quasi mit uns selbst machen, das brauchen wir nicht", benennt Wilkens die Haltung des RVV. 

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