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Laura Schneider | am

Insektenprotein – Larven im Futtertrog?

Seit der BSE-Krise dürfen Tierhalter in der EU keine tierischen Proteine mehr an Nutztiere verfüttern. Das soll sich nun wieder ändern. Damit könnten künftig auch Insekten im Trog von Schweinen und Geflügel landen.

Für viele von uns sind Insekten auf dem Teller nach wie vor ein abstoßender Gedanke. Aber könnten sie eine Möglichkeit sein, Geflügel und Schweine ressourcenschonender und nachhaltiger zu füttern?

Zurzeit dürfen Insekten nur an Heimtiere und in Aquakultur verfüttert werden. Einem aktuellen Gesetzesentwurf der europäischen Kommission zufolge will die EU aber das Verfütterungsverbot von tierischem Protein an Geflügel und Schweine lockern und auch die Verfütterung von Insektenmehl erlauben.

Geringe Marktbedeutung

Der Deutschen Verband Tiernahrung (DVT) schätzt die mögliche Marktbedeutung von Insekten als eher gering ein. "Insekten werden pflanzliche Proteinquellen in der Tierernährung vermutlich auch mittelfristig nicht ablösen", betonte Sprecher Dr. Hermann-Josef Baaken kürzlich bei der DVT-Jahrespressekonferenz. Sie müssten bewertet werden wie jedes andere Futtermittel, weitere Forschungsarbeit und entsprechende Standards seien nötig und die Produktion müsse wirtschaftlich sein.

Grundsätzlich als Sojaalternative geeignet

Dass sich Insekten grundsätzlich als Sojaalternative in der Nutztierfütterung eignen, zeigen verschiedene wissenschaftliche Studien. So ergab eine Untersuchung der Universität Göttingen, dass sich Masthähnchen und Schweine, die mit Mehl aus Larven der Schwarzen Soldatenfliege gefüttert wurden, in Wachstum und Fleischbeschaffenheit nicht maßgeblich von konventionell gefütterten Tieren unterscheiden.

Nachhaltigkeit umstritten

Im Hinblick auf die Nachhaltigkeit sind Insekten als Futtermittel allerdings umstritten. Als Nutztiere dürfen sie nur zertifiziertes Futter erhalten, keine Reststoffe wie Küchen- und Speiseabfälle. "Als Nahrungsmittel haben Insekten in puncto Nachhaltigkeit definitiv Vorteile gegenüber anderen Nutztieren, denn sie brauchen weniger Futter, Wasser und Fläche", erklärt Harald Wedwitschka vom Deutschen Biomasseforschungszentrum (DBFZ) in Leipzig.

Noch Forschungsarbeit nötig

"Beim Nutztierfutter ist die Frage, ob sich das rechnet: Ist es sinnvoll, Futter erst an Insekten zu verfüttern oder sollte man es eher direkt an die Nutztiere verfüttern? Für Futter mit begrenzter Lagerfähigkeit oder geringer Transportwürdigkeit könnte die Rechnung aufgehen. Ein Futter minderer Qualität ließe sich in ein hochwertiges tierisches Eiweißfutter umwandeln. Aber wenn Insekten erst in Tierfutter kommen, müssen wir schon genau schauen, wie wir sie nachhaltig füttern können und nicht nur das Insektenprotein, sondern auch alle Nebenprodukte verarbeiten. Dazu ist noch Forschungsarbeit nötig."

Wedwitschka beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Reststoffe durch die Schwarze Soldatenfliege möglichst effizient in Insektenbiomasse umwandeln und vollumfänglich nutzen lassen. Dazu arbeitet das DBFZ mit der Hermetia Baruth GmbH in Brandenburg zusammen, die seit 2006 eine Zuchtanlage für die Schwarze Soldatenfliege betreibt, eines der meist untersuchtesten Futterinsekten.

Neue Kreislaufwirtschaft

Besonderes Potenzial sieht Wedwitschka in der Kreislaufwirtschaft bei Kombination von Insektenzucht und landwirtschaftlichen Biogasanlagen: Abwärme aus Biogasanlagen ließe sich für die Insektenzucht nutzen, Reststoffe aus der Zucht könnten wiederum in der Biogasanlage verwertet werden.

Der Forscher ist überzeugt, dass es bezüglich Insekten in der Nutztierfütterung in den kommenden Jahren noch einige Entwicklungen geben wird.

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