Ferkel in einem Stall
Christel Grommel | am

ISN fordert Corona-Hilfen für Schweinehalter

Die Schweinehalter sind ohne eigenes Verschulden in eine existenzbedrohende Krise geraten: Corona und der Verfall der Schweinepreise treffen die Betriebe mit voller Härte.

Den deutschen Schweinehaltern sei bereits ein Schaden von ca. 1,3 Milliarden Euro entstanden aufgrund der coronabedingten Einschrän­kungen - sei es in der Gastronomie und Veranstaltungsbranche, beim Export oder in den Schlachthöfen, so die ISN. Die derzeit diskutierte Bezuschussung der privaten Lagerhaltung (PLH) von Schweinefleisch sei zudem nicht zielführend, weil das Geld nicht bei den Bauern ankomme. Daher fordert der Verband schnelle und unbürokratische Corona-Nothilfen analog zur Gastronomie. 

Schweinehalter könnten ihren Betrieb nicht einfach so anhalten, so ISN-Geschäftsführer Staack. "Es werden weiter Ferkel geboren und die Tiere im Stall wachsen weiter und müssen auch weiter versorgt werden. Die Maßnahmen zur Auflösung des Schweinestaus und zur Öffnung der Exportmärkte müssen daher weiter konsequent umgesetzt werden."

Er fordere die Politik dringend zum Handeln auf. Geschehe dies nicht, so nähme die Politik "sehenden Auges in Kauf, dass viele Familien­betriebe ihre Schweinehaltung aufgeben müssen. Dies hätte nicht nur weitreichende Folgen für ganze Landstriche, es bringt sogar die Selbstversorgung mit heimischem Schweinefleisch in Gefahr."

Die Mast­schweine­preise sind seit Anfang März von über 2 Euro je kg Schlachtgewicht auf inzwischen 1,19 Euro je kg Schlachtgewicht gefallen, die Ferkelpreise im gleichen Zeitraum von ca. 80 Euro auf 27 Euro. Die Schweinehalter machen aktuell einen Verlust von ca. 60 Euro an jedem einzelnen Schwein. Es droht ein erheblicher Strukturbruch in der Schweinehaltung.

Schweinestau: Weihnachts-Überhänge möglich

Durch die Inbetriebnahme der Zerlegelinie bei Tönnies könne sich ein Wendepunkt beim Schweinestau andeuten. "Damit wird zumindest das Wachstum des Überhangs von aktuell etwa 600.000 Schlachtschweinen gestoppt", erklärte Staack. Die Notlage der Schweinehalter sei dadurch aber längst noch nicht gelöst und es gelte, in Rheda und auch an den anderen Standorten bundesweit die Schlachtungen schnell weiter hochzufahren, damit der Schweinestau bis Weihnachten ein gutes Stück abgebaut werden könne.

Nach Kalkulationen von ISN-Marktanalyst Kessing könnten unter der Voraussetzung, dass keine weiteren coronabedingten Einschränkungen auftreten, bis Weihnachten bis zu 100.000 Tiere vom Schweinestau abgebaut werden. Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, sei dies auch dringend nötig: von Weihnachten bis zum Jahreswechsel kämen durch fehlende Schlachttage wieder mehr als 300.000 Schweine hinzu. Erst ab dem neuen Jahr sei mit einem einem deutlichen Angebotsrückgang an Schweinen zu rechnen.

Maßnahmen wie zeitlich befristete Flexibilisierung der Arbeitszeiten, die Lösung des Mitarbeitermangels und die Umsetzung der Leitlinien zum Umgang mit Corona-Befunden unter Schlachthofmitarbeitern müssten zügig weiter vorangetrieben werden, betonte Staack. Erst wenn das Absatzproblem gelöst sei, werde sich auch das massive Preisproblem lösen.

Mit Material von ISN, AgE
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