Schweine in einem Schweinestall.
Ellen Hartmann | am

ISN-Umfrage zeigt: Hälfte der deutschen Schweinehalter will aufhören

Eine neue Umfrage der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) zeigt: rund die Hälfte der deutschen Schweinehalterinnen und Schweinehalter will in den kommenden zehn Jahren aussteigen. Kleinere Betriebe planen bereits eher ihren Ausstieg.

Die ISN hat im Juli und August 2021 insgesamt 1.048 Schweinehalter in Deutschland befragt, darunter 350 Sauenhalter und 698 Schweinemäster. Im Durchschnitt halten die befragten Sauenhalter 463 Sauen, die Mäster 2.017 Mastschweine. Laut ISN seien die befragten Betriebe bei dieser Umfrage größer gewesen als der Durchschnitt aller deutschen Betriebe, der bei 252 Sauen und 940 Mastplätzen liege. Die Umfrage umfasse 10 Prozent der deutschen Schweinehaltung. 

Löwenanteil der Befragten aus Niedersachsen

Weiter heißt es von der ISN, dass der Löwenanteil der befragten Schweinebetriebe aus Niedersachsen komme (162 Sauenhalter und 369 Mäster), gefolgt von Nordrhein-Westfalen (90 beziehungsweise 162 Betriebe). Aus dem Süden hätten 59 beziehungsweise 102 schweinehaltende Betriebe an der Befragung teilgenommen. Laut ISN sei die Belastbarkeit der Ergebnisse gegeben, da alle Ferkelerzeuger und Mäster ihre Namen und Kontaktdaten angegeben hätten. 

Das sind die wichtigsten Ergebnisse:

  • In den kommenden zehn Jahren wollen 60 Prozent der Sauenhalter und 40 Prozent der Schweinemäster aussteigen
  • Bei rund jedem sechsten Betrieb ist der Ausstieg sehr konkret und bereits eingeleitet oder steht innerhalb der nächsten zwei Jahre bevor
  • Insbesondere kleinere Betriebe planen einen zeitnahen Ausstieg innerhalb der nächsten zwei bis fünf Jahre.
  • Größte Ausstiegsraten in Süddeutschland: Mehr als 70 Prozent der Sauenhalter und 55 Prozent der Schweinemäster im Süden planen in den nächsten zehn Jahren auszusteigen
  • Tierzahlen schrumpfen: Aufgrund der hohen Zahl der aussteigenden Ferkelerzeuger und Schweinemäster werden wahrscheinlich 25 bis 30 Prozent weniger Sauen und Mastschweine in den Betrieben gehalten werden
  • Hauptgründe der Betriebsaufgabe: Summe der Auflagen, fehlende Perspektive und Planungssicherheit und mangelnder politischer Rückhalt. Trotz der aktuellen Marktlage liegt die Ökonomie als Ausstiegsgrund nicht auf den ersten Plätzen.

"Es brennt lichterloh in der Schweinehaltung"

„Es brennt lichterloh in der Schweinehaltung, natürlich macht uns Schweinehalter die aktuell katastrophal schlechte Marktsituation arg zu schaffen", erklärt Heinrich Dierkes, ISN-Vorsitzender. "Aber dass so viele von uns aufhören, ist besonders auch eine Folge der fehlenden Perspektive und des fehlenden Rückhalts von Seiten der Politik." In der letzten Legislaturperiode sei viel über die Umgestaltung der Schweinehaltung diskutiert worden – "mit durchaus richtigen Ansätzen im Rahmen der Borchert-Kommission", so Dierkes weiter. "Doch die verschiedenen Parteien und Ministerien haben sich, wo es nur ging, gegenseitig Sand ins Getriebe gestreut. Geblieben sind viele Baustellen und noch mehr Fragen. Den Schaden haben wir Bauern.“

"Der gesellschaftspolitische Wunschzettel ist lang", sagt auch ISN-Geschäftsführer Dr. Torsten Staack. "Faktisch werden die schweinehaltenden Betriebe aber derzeit aufgerieben. Denn zwischen Wunsch und Realität, die sich in weiterhin mangelnder Preisbereitschaft der Konsumenten bei gleichzeitig immer höheren Produktionskosten durch strengere Haltungsvorgaben darstellt, besteht noch immer eine riesige Kluft“.

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