Verpacktes Wildfleisch
Christel Grommel | am

Jäger bleiben auf Wildbret sitzen

Die Jäger werden aufgrund der Corona-Krise ihr Wildbret nicht los, denn die Gastronomie fällt als Hauptabnehmer weg. Damit stecken sie in der Klemme, denn jagen sollen sie trotzdem.

Damit in den Wäldern die jungen Bäume wachsen können, sollen die Jäger Rehe und Hirsche schießen. Auch die drohende Afrikanische Schweinepest (ASP) trägt ihren Teil bei, weil die Wildschweine geschossen werden müssen. 

"Die Gastronomie ist der Hauptabnehmer in Deutschland", sagt Präsident des Deutschen Jagdverbands (DJV), Volker Böhning. Nun ist diese aber geschlossen.

Die Wildhändler nehmen bundesweit kaum noch etwas ab. Die Kühlhäuser sind voll oder ihnen fehlt schlicht das Geld, um Wildfleisch anzukaufen. Der Absatz auf Messen fällt ebenfalls weg: "Ich kann kaum noch etwas verkaufen, weil es keine Messen mehr gibt", klagt Torsten Klar, der Wild im Ein-Mann-Betrieb verarbeitet. Er kauft den Jägern das Fleisch teils für den halben Preis ab. 

Die Preise, die derzeit für Wild erzielt werden können, sind einem anderen Händler zufolge generell auf die Hälfte oder ein Drittel des üblichen gesunken. Je Kilogramm Reh oder Rotwild erhalte der Jäger einen statt drei Euro, für Wildschwein 50 Cent.

Wege aus der Misere

Bundesweit überlegen die Jäger, wie sie dieses Dilemma lösen können. 

DJV-Präsident Böhning hält es für möglich, die Abschusspläne zu verschieben: "Ich muss jetzt nicht Rehwild schießen." Nur dort, wo gerade aufgeforstet wurde oder die Seuchenprävention das Schießen von Schwarzwild erfordert, ginge das nicht. 

Zudem könnte Direktvermarktung den Jägern helfen. Denn ironischerweise gibt es zwar Absatzschwierigkeiten, Nachfrage und Beliebtheit von Wildfleisch steigen aber gerade. Das ergab eine Image-Befragung des Jagdverbandes. 

In Baden-Württemberg dürfen Jäger aufgrund einer Ausnahmegenehmigung des Landwirtschaftsministeriums das eigene Wild von einem Metzger zerlegen, verarbeiten und - vor allem - verkaufen lassen. Bisher war dies nur für den Eigenbedarf zugelassen. Außerdem unterstützt das Bundesland Jäger, die sich eine mobile Wildkammer anschaffen, mit bis zu 40 Prozent. In dem Container können sie Wild selbst zerlegen und kühlen.

Eines ist für Böhning in Bezug auf die 388.000 Jagdscheininhaber in Deutschland klar: "Auf keinen Fall dürfen sie für die Mülltonne jagen."

Mit Material von dpa
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