Klauenpflege

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Alexandra Koch | am

Klauengesundheit beim Milchvieh

Milchviehhalterinnen und -halter haben eine Vielzahl von Möglichkeiten, die Klauengesundheit ihrer Herde zu verbessern. Wie das konkret aussehen kann, verdeutlichten zwei Seminare an der LWK Niedersachsen.

Die Klauengesundheit spielt eine entscheidende Rolle für Wohlbefinden und Leistung unserer Rinder. Klauenkrankheiten sind nach wie vor die dritthäufigste Abgangsursache von Milchkühen. Zudem ist jeder Lahmheitsfall ein nicht zu unterschätzendes finanzielles Problem durch eine reduzierte Milchleistung, erhöhte Remontierungsraten, Mehrarbeit durch den Behandlungsaufwand, Tierarztkosten bis hin zu verlängerten Zwischenkalbezeiten.

Mit Fütterung, Klauenpflege und richtiger Haltung optimieren

Durch Fütterung, Klauenpflege und tiergerechte Haltung haben Milchviehhalterinnen und -halter viele Möglichkeiten, um die Klauengesundheit ihrer Herde zu optimieren. Um darauf aufmerksam zu machen, veranstaltete das Netzwerk Fokus Tierwohl im Sommer zwei Webseminare an der LWK Niedersachsen. Im ersten Seminar ging es um die Organisation der funktionellen Klauenpflege und das Vorgehen bei Klauenerkrankungen.

Fünf-Punkte-Schema

Klaus Hermann Haß, Klauenpfleger aus Schleswig-Holstein, verdeutlichte zunächst das Ziel der funktionellen Klauenpflege: langfristig gesunde, schmerzfreie, tragfähige und funktionierende Klauen. Danach gab der Klauenpfleger den Teilnehmern einen Einblick in das Fünf-Punkte-Schema der Klauenpflege:

  • Ausgangspunkt ist die Maßklaue. Sie befindet sich an den Vordergliedmaßen außen und an den Hintergliedmaßen innen. Sie wird gemessen und beim Holsteinrind auf zirka 7,5 cm gekürzt. Anschließend wird die Auftrittsfläche bearbeitet (Sohlendicke mindestens 5 mm).
  • Danach wird, wenn möglich, die Belastungsklaue der Maßklaue angeglichen.
  • Im nächsten Schritt wird Modell geschnitten, auch Hohlkehlung genannt. Hierbei wird das Horn um den Klauenzwischenspalt entfernt, um diesen unter anderem besser zu belüften.
  • Der vierte Schritt sieht die Versorgung von Farbabweichungen und Defekten vor.
  • Abschlussarbeiten wie das Kürzen der Afterklauen oder das Entfernen von losem Horn im hinteren Klauenbereich runden das Ganze ab.
Bei der Klauenpflege unterscheidet man laut Haß zwischen präventiver Arbeit, die spätestens alle sechs Monate stattfinden sollte, und kurativer Arbeit, die immer im Bedarfsfall nötig ist. Entscheidend seien dabei Kontrolle und Nachsorge nach vier bis sechs Wochen. Bestehe durch die Klauenpflege allein keine Aussicht auf Heilung, müsse ein Tierarzt hinzugezogen werden.
imago0105078064h.jpg

Mortellaro`sche Krankheit mit 5-Punkte-Plan kontrollieren

Willig erläuterte einen Fünf-Punkte-Plan zur Kontrolle der Mortellaro`schen Krankheit mit

  • externer Biosicherheit,
  • interner Biosicherheit,
  • früher Erkennung und Behandlung,
  • Reduktion des Keimdrucks an der Klaue
  • und Festlegen und Überwachen von Zielen.

Richtiges Management

Die wichtigsten Voraussetzungen für ein erfolgreiches Klauengesundheitsmanagement sind laut Willig:

  • Lahmheiten immer als Notfall ansehen,
  • funktionelle Klauenpflege durch einen ausgebildeten Fachmann ausführen lassen,
  • Befunde dokumentieren und auswerten
  • und Problemzonen identifizieren und bekämpfen.

Emissionen reduzieren

Im zweiten Seminar referierte Prof. Barbara Benz von der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen zu den Synergieeffekten zwischen Emissionsminderung und Klauengesundheit. Sie erläuterte, dass Ammoniakemissionen zum Beispiel auf verschmutzten Laufflächen aus Harn und Kot entstehen. Diese würden zugleich das Klauenhorn angreifen, wodurch das Risiko für Klauenerkrankungen steige. Die logische Konsequenz laut Benz: Emissionsminderungsmaßnahmen, die trockene Laufflächen fördern, verbessern auch die Klauengesundheit.

Als praktische Maßnahmen, die beim Stallbau beachtet, aber auch später noch nachgerüstet werden können, nannte sie harnableitende Laufflächen mit einer angepassten Entmistungstechnik, zum Beispiel einer hohen Schieberfrequenz. Eine besondere Maßnahme sei die Einrichtung von erhöhten Fressständen. Sie würden Risikofaktoren für Klauenerkrankungen reduzieren und die Schieberfrequenz lasse sich weiter erhöhen, ohne fressende Kühe zu stören oder gar zu verletzen.

Die Rolle der Liegeboxen

Darüber hinaus ging Benz auf die besondere Rolle der Liegeboxengestaltung für die Klauengesundheit ein. Wenn die Steuerelemente die Kuh behindern, führe das zu verkürzten Liegezeiten, was die Klauen zusätzlich belastet. Auch der Stehkomfort in den Boxen sei nicht außer Acht zu lassen: Wenn das Nackenrohr die Kuh nicht daran hindert, könne sie mit allen vier Füßen in der Box damit weich und trocken stehen. Laut Benz koten die Tiere zudem weniger im Liegebereich, wenn die Boxenmaße angepasst sind und keine Gefahr besteht, dass sich die Tiere beim Hinlegen oder Aufstehen durch die Bügel verletzen oder mit Trennbügeln in schmerzhaften Kontakt kommen. Auch unbequeme Bugbegrenzungen würden Kühe bei entspannten Liegepositionen mit ausgestrecktem Vorderbein stören und falsch eingestellte Nackenrohre den Kopfschwung beim Aufstehen behindern.

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel suchen und merken

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
Produkte entdecken
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Ziegenmast als Nische
  • Gestiegene Betriebskosten abfedern
  • Wir findet man Mitarbeiter?
  • Kettensägenlehrgänge für Frauen
  • Grunddüngung im Herbst

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen