Klauenpfleger-Landwirt-Gespräch

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Martina Weber, LBZ Echem | am

Klauenpflege: Tipps für die erfolgreiche Zusammenarbeit

Klauenpfleger sind für viele landwirtschaftliche Betriebe wichtige Partner, um maximale Herdengesundheit und gute Leistungen zu verbinden. Damit die Zusammenarbeit für beide Parteien erfolgreich ist, sollten Sie folgendes beachten.

Klauen- und Gliedmaßenprobleme sind eine der häufigsten Abgangsursachen bei Milchkühen und damit ein zentrales Problem in Milchviehherden. Neben den wirtschaftlichen Folgen der frühzeitigen Abgänge stellt das Lahmheitsaufkommen im Bestand Landwirtinnen und Landwirte vor eine große Aufgabe, denn Lahmheit ist ein Zeichen von Schmerzen. Diese verursachen Stress bei den Kühen, sie fühlen sich unwohl und verändern ihr Sauf-, Fress- und Liegeverhalten, was wiederum zu Stoffwechsel-, Fruchtbarkeits- und weiteren Gesundheitsproblemen führt. Die Folgen sind langfristige Leistungsminderungen und finanzielle Einbußen.

Dienstleister wie Klauenpfleger sind wichtige Partner

Um dem vorzubeugen, beauftragen die meisten Landwirte einen Dienstleister mit dem Klauenmanagement. Der Beruf des Klauenpflegers hat über die vergangenen Jahrzehnte enorm an Bedeutung gewonnen und wird das angesichts des Strukturwandels hin zu größeren Betrieben weiterhin tun. Viele Landwirte nehmen Klauenpfleger nicht mehr nur als Dienstleister wahr, sondern wie bestandsbetreuende Tierärzte oder Futtermittelberater als Partner, um die maximale Gesundheit der Herde mit guten Leistungen zu verknüpfen.

Klauenpflege

Erwartungen beider Seiten aneinander abklären

Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit sollten folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

Wichtig ist es, am Anfang der Zusammenarbeit die gegenseitigen Erwartungen zu klären. Der Landwirt hat meist folgende Vorstellungen:

  • Der Klauenpfleger hat Erfahrungen, Kenntnisse und eine fundierte Ausbildung,
  • er ist freundlich und angenehm im Umgang,
  • die Kühe stehen nach dem Schneiden optimal auf den Klauen, geben mehr Milch, sind gesünder und die Anzahl lahmer Kühe sinkt,
  • die Klauenpflege stört den betrieblichen Ablauf nicht,
  • der Klauenpfleger kann sich mit seinem Stand überall hinstellen und steht nicht im Weg,
  • er liefert alle wesentlichen Informationen
  • und terminliche Absprachen
  • sowie das Preis-Leistungsverhältnis passen.

Der Klauenpfleger hat in der Regel folgende Erwartungen:

  • Der Tierhalter ist freundlich und angenehm im Umgang,
  • er respektiert, akzeptiert und wertschätzt die Leistung des Klauenpflegers, nimmt dessen Informationen auf und setzt seine Empfehlungen um,
  • die Tiere sind ruhig und lassen sich leicht treiben,
  • der Arbeitsplatz liegt witterungsgeschützt, mit kurzen Wegen und optimal zur Herde,
  • die Haltungsbedingungen im Stall stimmen,
  • Terminabsprachen passen
  • und die Leistung wird entsprechend entlohnt.

10 Fragen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit

Es empfiehlt sich, gegenseitigen Erwartungen in einem ersten Gespräch zu klären und folgende Fragen zu beantworten:

  • Welche betrieblichen Ziele stehen hinter der Klauenpflege? Es ist sinnvoll, diese schriftlich festzuhalten. Beide Parteien sollten sicher sein, dass die Vereinbarung realistisch in einer gewissen Zeitspanne umsetzbar ist.
  • Mit welchen Maßnahmen lässt sich dieses Ziel erreichen?
  • Wer trägt die Verantwortung für welche Maßnahme?
  • Wie und über welche Inhalte informieren sich Landwirt und Klauenpfleger gegenseitig (Zeitpunkt und Dauer)?
  • Wer ist für die Gestaltung des betrieblichen Arbeitsplatzes Klauenpflege zuständig?
  • Wer kümmert sich um die vertragliche Ausgestaltung?
  • Wer bestimmt Zeitpunkt und Intervalle?
  • Wer entscheidet, welche Tiere wann Klauenpflege bekommen?
  • Wer dokumentiert und analysiert die Daten?
  • Wer übernimmt die Nachsorge?

Aus- und Weiterbildung

Für den Tierhalter ist es schwer, die Fachkenntnisse des Klauenpflegers einzuschätzen, da Klauenpflege kein anerkannter Ausbildungsberuf ist und es keine gesetzliche Grundlage zur Aus- und Fortbildung gibt. Dennoch gibt es für Klauenpfleger Möglichkeiten, sich das notwendige Fachwissen und die praktischen Fertigkeiten anzueignen. In fast jedem Bundesland bieten Landwirtschaftliche Bildungszentren, überbetriebliche Ausbildungsstätten für Tierhaltung oder Zusammenschlüsse von Klauenpflegern zwei- bis fünftägige Grundkurse an. Sie richten sich an Personen, die Grundkenntnisse in der Klauenpflege brauchen, um vereinzelt Tiere auf dem eigenen Betrieb zu pflegen.

Eine regelmäßige Klauenpflege ist die Voraussetzung für gesunde Klauen bei Milchkühen.

Um den Beruf des Klauenpflegers auszuüben, empfiehlt sich die Teilnahme an der staatlich anerkanntenFortbildungsmaßnahme „geprüfter Klauenpfleger/ geprüfte Klauenpflegerin“, die es derzeit in Niedersachsen, Sachsen und Bayern gibt. Das Hauptaugenmerk dieser Ausbildung liegt auf der praktischen Durchführung der funktionellen Klauenpflege unter Anleitung von erfahrenen Lehrklauenpflegern. Theoretische Einheiten zu Anatomie, Fütterung, Tiergesundheit und Arbeitssicherheit ergänzen die praktische Ausbildung. Das Verständnis anatomischer Grundlagen und fundierte Kenntnisse zu Erkennung und Behandlung verschiedener Klauenbefunde sind unabdingbar für einen professionellen Klauenpfleger.

Lehrgänge weisen Fachkompetenz nach

In der Regel dauern die Lehrgänge zum staatlich geprüften Klauenpfleger sechs Monate. Mit der Prüfung weisen die Teilnehmer nach, dass sie das praktische Können, die theoretischen Grundlagen sowie Kenntnisse und Fähigkeiten haben, um eigenverantwortlich als Klauenpfleger tätig zu sein. Auch für Klauenpfleger mit langer Berufserfahrung gibt es eine Vielzahl von Fortbildungen in Form von Schulungen, Seminaren und Tagungen zu aktuellen Themen der Klauengesundheit. Für Personen, die bereits in der Klauenpflege tätig sind und eine Führungstätigkeit in einem Klauenpflegeunternehmen übernehmen oder sich selbstständig machen wollen, bietet sich die Fortbildung zum „Fachagrarwirt Klauenpflege“ mit betriebswirtschaftlichen Unterrichtseinheiten an.

Es spricht für eine gute und professionelle Klauenpflege, wenn der Pfleger

  • mindestens die Ausbildung zum geprüften Klauenpfleger absolviert hat
  • und sich regelmäßig zu Themen der Klauengesundheit und -pflege fortbildet.

Genau dokumentieren

Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Landwirt und Klauenpfleger ist auch, jede Klauenbehandlung zu dokumentieren. Dazu gibt es verschiedene EDV-Programme. So kann der Klauenpfleger seine Arbeit nachweisen und darauf aufbauend Rechnungen erstellen. Zugleich hilft eine lückenlose Dokumentation, den Erfolg verschiedener Maßnahmen zu analysieren und zu bewerten.

Kuhherde, die in Reihe im Stall steht.

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