Kuhherde, die in Reihe im Stall steht.

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Ellen Hartmann | am

Klima- und klauenfreundliche Stallböden für Kühe

Auf Gut Dummerstorf im Landkreis Rostock werden nicht nur emissionsmindernde Bodenbeläge getestet, sondern auch der Einsatz eines neuen Entmistungssystems. So sollen Stallböden für Kühe klima- und klauenfreundlicher werden.

Dr. Jörg Burgstaler, Kommissarischer Leiter der Professur Agrartechnologie und Verfahrenstechnik an der Universität Rostock, entwickelte den neuen Stallboden in seinem Verfahrenslabor weiter und kommt zu dem Ergebnis: der Boden könnte klimaschädliche Ammoniak-Emissionen in Kuhställen bald um rund 45 Prozent reduzieren. Bis 2030 sollen die Emissionen in der Landwirtschaft um 30 Prozent gesenkt werden. 

Für Umweltschutz und mehr Tierwohl

"Es soll nicht nur dem Umweltschutz, sondern auch dem Tierwohl dienen", so Lucas Pieper, Betriebsleiter des Gutes Dummerstorf. "Die Kühe haben es durch den neuen Boden trockener und viel mehr Trittsicherheit. Das verbessert auch die Klauengesundheit." Diese Weiterentwicklung sei an der Professur im sogenannten Energie Campus gebündelt worden. Hier seien Lösungen entwickelt worden, die der Umwelt und dem Klimaschutz dienen sollen. "Wir wollen dem Zielkonflikt zwischen Umwelt- und Tierschutz gerecht werden", so Burgstaler. 

Quer- und Längsrillen sorgen für schnellen Harntransport

Im entwickelten Stallboden sorgen neben den Quer- und Längsrillen weitere patentrechtlich geschützte Teile dafür, dass der Harn der Tiere schnell abtransportiert und somit weniger Ammoniak in die Umgebungsluft gelangen kann. Laut Burgstaler zeige bereits das Geruchsempfinden, dass im Stall weniger Ammoniak in der Luft sei. Wie viel Ammoniak das genau sei, würden derzeit mehrere Studentinnen und Studenten im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeiten analysieren. "Es ist ein praxisnahes und brandaktuelles Thema, das für die Landwirtschaft interessant ist", so die Studentin Franziska Marie Wieneke, die ihre Masterarbeit über das Thema schreibt. 

Ampelsystem händelt Emissionsgeschehen

Zukünftig soll die Messtechnik aktiv per Regelungsschema eingreifen. "Das ist wie ein Ampelsystem", erklärt Burgstaler weiter. Zeige die Ampel auf Grün, seien die Emissionen niedrig, bei Gelb seien sie ansteigend und bei Rot zu hoch. So werde aktiv in das Emissionsgeschehen eingegriffen. Mit dem Einsatz von Gasmesssensoren könne beispielsweise die aktive Ammoniakemissionsbelastung im Stall sowie in Bodennähe gemessen werden. Mittels definierter Grenzwerte in Kombination mit emissionsbestimmenden Faktoren würden durch die Messung der Temperatur und Verdunstungsrate die flüssigen Ammoniak-Hemmstoffe über den Stallfußboden in die Urinablaufrinnen gebracht werden. Zukünftig solle dies per App gesteuert werden können. 

Die Forschung geht weiter

Mecklenburg-Vorpommern unterstützt die Untersuchungen des Energie Campus der Universität Rostock mit rund 180.000 Euro. "Das versetzt uns in die Lage durch geeignete Aktivitäten, wie den Transfer von aktuellen Forschungsergebnissen in den Bereich der Aus- und Erwachsenenbildung an Schulen sowie Hochschulen, die Attraktivität der Agrar- und Umweltingenieurwissenschaften in Mecklenburg-Vorpommern zu stärken", so Burgstaler. "Weiterhin sollen auf Basis der Förderung vermarktungsfähige Produkte für aktuelle gesellschaftspolitische Themen, wie die Verbesserung des Tierwohls und der damit einhergehenden Emissionsreduktion von Wirtschaftsdüngern aus der Tierhaltung, etabliert werden." 

Mit Material von idw
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