Milchkühe-Futtertisch

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Laura Schneider | am

„Klimakiller“ Kuh: was ist dran?

Rinder verursachen Methanemissionen und stehen in der Debatte um Klimaschutz und Tierhaltung immer wieder in der Kritik. Prof. Frank Mitloehner erklärt, warum sie trotzdem keine „Klimakiller“, sondern Teil der Lösung sind.

Kühe produzieren Methan und damit ein starkes Treibhausgas. Doch sind sie „Klimakiller“? Im Gegenteil – sie können sogar Teil der Lösung sein. Wie, erklärte Prof. Frank Mitloehner von der kalifornischen Universität Davis kürzlich beim Milchtalk von Agravis, Zoetis und dsp-Agrosoft.

Methan wird laut Mitloehner oft mit CO2 verglichen, um seinen Einfluss auf das Klima zu bewerten. Allerdings sei die Wirkung unterschiedlich. Methan sei „fast and furious“, also stark, aber schnell mit einer vergleichsweise kurzen Lebensdauer: Es bleibe zirka zehn Jahre in der Atmosphäre und werden dann zerstört, während CO2 mit einer Lebensdauer von 1.000 Jahren weit länger zur Erwärmung beitrage.

Der Unterschied zwischen Methan und CO2

CO2 entsteht vor allem durch Verbrennung fossiler Brennstoffe. Seit die Menschen diese nutzen, „blasen sie in einer Einbahnstraße CO2 in die Luft“, schilderte Mitloehner. Es akkumuliere sich in der Atmosphäre und trage immer weiter zur Erderwärmung bei. Methan dagegen werde in einem Kreislauf immer ungefähr in gleichem Maße produziert und zerstört:

  • Rinder nehmen Kohlenstoff mit der Nahrung auf.
  • Sie geben ihn teilweise als Methan an die Umwelt ab.
  • Methan wird nach zirka zehn Jahren zu CO2 abgebaut.
  • Pflanzen nehmen CO2 auf, wandeln es bei der Photosynthese um und Rinder nehmen die Pflanzen wiederum als Nahrung auf.
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Methanproduktion und ihr Abbau

Eine gleichbleibende Rinderherde produziere damit nur so viel Methan, wie im gleichen Zeitraum zerstört wird. Die Konzentration in der Atmosphäre bleibe konstant. Eine zunehmende Erwärmung trete nur ein, wenn die Herde wächst und zusätzliches Methan entsteht. Mitloehner verdeutlichte das mit dem Bild einer Badewanne:

  • Die CO2-Badewanne hat einen Wasserhahn, aber keinen Abfluss. Dreht man den Hahn auf, egal wie weit, fließt Wasser und der Wasserstand steigt.
  • Die Methan-Wanne dagegen hat einen Wasserhahn und einen Abfluss, der immer offensteht. Dreht man den Hahn bis zu einem gewissen Maß auf, fließt Wasser in die Wanne und die gleiche Menge läuft durch den Abfluss ab. Dreht man den Hahn weiter auf, steigt der Wasserstand, dreht man ihn weniger weit auf, sinkt er.

Beitrag zur Erderwärmung niedriger als gedacht

Bisherige Berechnungen zur Bewertung von Methan berücksichtigen laut Mitloehner keine Methansenken. Dadurch sei der Beitrag von Methan zur Erderwärmung aktuellen Studien zufolge um den Faktor Vier überschätzt worden. Er betonte, dass die Rinderhaltung in den vergangenen Jahrzehnten immer produktiver geworden ist und Tierzahlen und Emissionen in vielen Ländern bei gleicher oder höherer Leistung gesunken sind durch

  • höhere Fruchtbarkeit,
  • gute Veterinärsysteme,
  • gute Genetik von Futterpflanzen und Tieren sowie
  • optimierte Tierernährung.
Kuehe-Weidejpg.jpg

Verzicht auf tierische Produkte hilft nicht

Großen Handlungsbedarf gebe es diesbezüglich noch in den Schwellen- und Entwicklungsländern, wo 70 bis 80 Prozent der weltweiten Emissionen aus der Tierproduktion entstehen und die Herden weiter wachsen. Doch mit der Reduktion der Emissionen biete die Rinderhaltung sogar die Chance, andere Klimagase zu kompensieren und den Klimawandel zu bremsen. Verzicht auf tierische Produkte ist laut Mitloehner nicht der richtige Weg, um Emissionen zu senken – schon, weil sich 70 Prozent unserer Nutzfläche ohne Wiederkäuer nicht zur Lebensmittelversorgung nutzen ließen.

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