Kühe in einem Kuhstall

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Janina Schuster | am

Kommunikation landwirtschaftliche Tierhaltung: der Ton ist rau

Die Tierhaltung in der Landwirtschaft wird zunehmend gesellschaftlich kritisiert. Wie die Akteure miteinander kommunizieren, untersucht nun ein Forschungsteam der Universität Göttingen.

Das Team stellte dabei fest, dass insbesondere in Fragen der landwirtschaftlichen Tierhaltung der Ton rau ist und die Diskussionen oft kontrovers geführt werden. Bislang existieren kaum Untersuchungen darüber, welche Kommunikationsstrategien existieren und wie kommuniziert werden müsste, um von der Gegenseite gehört zu werden. Die Forscherinnen und Forscher haben deshalb die verschiedenen Arten der Kommunikation untersucht und mit Praxisbeispielen aus der Debatte um die Tierhaltung in der Landwirtschaft veranschaulicht. So wollen sie vor allen Dingen Akteuren der Öffentlichkeitsarbeit und Politik im Agrarbereich Hilfestellung bieten. Die Studie erschien im German Journal of Agricultural Economics.

Kommunikation kann einen und entzweien

"Kommunikation kann – richtig eingesetzt – ein starkes Werkzeug sein, um Verständnis beim Gegenüber zu erreichen. Sie führt aber auch schnell dazu, dass sich Fronten verhärten, wie das momentan in der Debatte um die Tierhaltung zu beobachten ist", erklärt Erstautorin Dr. Winnie Sonntag aus der Arbeitsgruppe Marketing für Lebensmittel und Agrarprodukte der Universität Göttingen. Bei der Untersuchung bedient sich das Team der Kommunikationsstrategien aus der Kommunikationsforschung. Diese hat vier Typen festgelegt: reaktiv-passiv, reaktiv-offensiv, aktiv-symmetrisch und aktiv-dialogisch. Der erste Typ ist dabei am wenigsten flexibel, der letzte Typ hat eine hohe Bereitschaft das eigene Kommunikationsverhalten zu verändern, um sich für die Tiere einzusetzen.

Vier Strategietypen

Die einzelnen Typen lassen sich wie folgt beschreiben:

  • Reaktiv-passiv: Aussitzen von Themen, Ignorieren, Schweigen, sowie Leugnen des Problems oder Schuldzuweisung an andere
  • Reaktiv-offensiv: beschreibt den Gegenangriffsmodus, bei dem Medien, Verbraucher oder NGOs die Schuld zugeschoben wird, aber auch aktive Entschuldigung als Strategie
  • Aktiv-symmetrisch: aufklärende Informationsstrategien, Inszenierung durch Selbstdarstellung
  • Aktiv-dialogisch: vertrauensbildende Maßnahmen wie Schaffung von Transparenz oder Kollaboration, sowie den Dialog zu suchen

Es gibt nicht "den einen" Weg

Das Ergebnis der Untersuchung: es gibt keinen allgemeingültigen Weg. Jede Situation benötigt den individuellen Einsatz der jeweiligen Strategie. So seien die aufgezählten Strategien als Werkzeugkasten zu verstehen, die bewusste und kreative Anwendung finden müssen. Das Forschungsteam glaubt, dass besonders der aktiv-dialogischen Strategie in Zukunft besondere Bedeutung beigemessen wird, da sie über einen konstruktiven Umgang mit Zielkonflikten ermöglichen.

Zielkonflikte aus der Welt schaffen

Diese Zielkonflikten sind derzeit in der Debatte um die Tierhaltung zu finden. Seit geraumer Zeit wird ein neuer Gesellschaftsvertrag für die Tierhaltung gefordert. Für eine Aushandlung eines solchen Vertrages müssen jedoch Zielkonflikte mit möglichst allen betroffenen Gruppen gelöst werden. Das kann nur mit Hilfe von konstruktiv angewandten Kommunikationsstrategien geschehen.

Mit Material von Georg-August-Universität Göttingen
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