Kreuzungskälber lassen sich zu deutlich höheren Preisen vermarkten als reine Holsteinkälber.
Imke Junge, LWK Schleswig-Holstein | am

Kreuzungszucht: Gezielt anpaaren und Erlöse steigern

Gezielte Anpaarung kann eine wirtschaftliche Chance für Milchviehbetriebe sein. Aktuelle Zahlen zeigen, welche Mehrerlöse möglich sind.

Das aktuelle Preisniveau für männliche Holsteinkälber ist von einem kostendeckenden Auszahlungspreis weit entfernt. Zudem bieten die niedrigen Kälberpreise immer wieder Zündstoff für die gesellschaftliche Diskussion um die Milchviehhaltung.

Diese steht vor der Herausforderung, Jungtiere, die nicht zur Remontierung benötigt werden, entsprechend anderweitig zu vermarkten. Es sollten also Kälber sein, für die ein Markt vorhanden ist.

Gesextes Sperma und Kreuzungsbesamungen

Immer mehr Betriebe setzen gesextes Sperma ein. So lässt sich die Remontierung sichern und zielgerichtet anpaaren, was den Zuchtfortschritt des Betriebes erhöht.

In Kombination damit sind Kreuzungsbesamungen mit Fleischrindersperma, das es mittlerweile auch männlich gesext gibt, zunehmend interessant. Kreuzungskälber, zum Beispiel aus Holsteinkuh und Weißblauem Belgier-Bullen, lassen sich zu deutlich besseren Preisen an Mäster verkaufen.

Wichtig ist es natürlich, bei der Anpaarung auf einen möglichst problemfreien Kalbeverlauf zu achten.

Praktische Erfahrungen mit Kreuzungsbesamungen

Das Lehr- und Versuchsgut der LWK Schleswig-Holstein in Futterkamp führt seit rund fünf Jahren erfolgreich Kreuzungsbesamungen durch. Dabei setzt der Betrieb in erster Linie Bullen der Rassen Weißblaue Belgier und Angus ein. Das Anpaarungsschema sieht wie folgt aus:

  • Färsen werden zweimal mit gesextem Holsteinsperma besamt.
  • Haben sie nicht aufgenommen, kommt ein Angusbulle zum Einsatz. Anguskreuzungen bringen in der Regel leichte Kälber hervor und die Färsenkalbungen verlaufen einfach und problemlos.
  • Mehrkalbskühe mit schlechter Fruchtbarkeit, schlechter Melkbarkeit oder Limax werden mit Weißblauen Belgiern besamt. Sie sind für die Remontierung der Herde uninteressant, da sie die schlechten Eigenschaften an ihre Töchter weitergeben könnten.

Kreuzungskälber lassen sich gut vermarkten

Die Kreuzungskälber lassen sich in Futterkamp zu guten Preisen vermarkten. In den Kalenderjahre 2019 und 2018 erzielten sowohl die männlichen als auch die weiblichen Kreuzungskälber (Holstein und Weißblaue Belgier) durchschnittliche Erlöse von 300 Euro. Die Preise für männliche Holsteinkälber lagen dagegen bei rund 100 Euro.

Aktuell sind die Preise für Bullenkälber stark eingebrochen, was die Option mit den Kreuzungstieren noch interessanter macht.

Kälber in den ersten Lebenstagen gut versorgen

In Futterkamp werden alle Kälber in den ersten 14 Lebenstagen ad libitum getränkt. Daher haben sie hohe Gewichtszunahmen und gehen als gesunde, leistungsstarke Kälber in die Mast.

Die Entwicklung der Tiere in den ersten 14 Tagen ist neben der Genetik ein wichtiger Faktor, um ein entsprechendes Erlösniveau zu erzielen.

Höhere Erlöse für Kreuzungskälber

Wie interessant Kreuzungsbesamungen wirtschaftlich sein können, zeigen die Kosten und Erlöse. Sie unterscheiden sich je nach gewählter Anpaarung recht deutlich.

Die Besamungskosten unterscheiden sich bei der Anpaarung mit konventionellem Sperma im Vergleich zur Anpaarung mit gesextem Sperma oder einer Kreuzungsbesamung wegen der unterschiedlichen Portionspreise des Spermas. Die Aufzuchtkosten sind bei allen Kälbern gleich.

Die Erlöse liegen für Holsteinkälber weit unter denen für Kreuzungskälber:

  • Bei aktuellen Marktpreisen bringt ein Holstein-Bullenkalb einen Erlös von rund 45 Euro ein, was nach Abzug der Kosten einem Verlust von 36,85 Euro entspricht.
  • Ein weibliches Holsteinkalb verursacht mit seinem Verkaufserlös von 20 Euro einen Fehlbetrag von 61,85 Euro.
  • Für ein Kreuzungskalb mit Weißblauen Belgiern bleiben dem Landwirt je nach Geschlecht des Kalbes zwischen 41,55 und 161,55 Euro.

Gezielte Anpaarung verbessert Zuchtfortschritt

Diese Rechnung zeigt, dass der Weg der gezielten Kreuzungsbesamung mit Fleischrinderrassen für viele Betriebe lukrativ sein kann.

Außerdem stellen sich durch eine selektive Anpaarung züchterische Nebeneffekte ein: Die weiblichen Nachkommen der besten Tiere beschleunigen den Zuchtfortschritt der Herde. Positive Nebeneffekte sind eine längere Nutzungsdauer, gesteigerte Gesundheit und hohe Leistung bei guter Persistenz.

Die Details zur Berechnungen und eine weitere Beispielrechnung finden Sie im vollständigen Beitrag in der LAND & FORST, Ausgabe 19/2021, und in der digitalen Ausgabe

Fazit

  • Milchviehbetriebe müssen Potenziale aufdecken, um zusätzliche Erlöse zu erzielen.
  • Eine Möglichkeit besteht darin, gezielt zu selektieren und Tiere, die nicht für die weitere Zucht infrage kommen, mit Fleischbullen anzupaaren.
  • Kreuzungskälber mit optimierten Aufzuchtbedingungen lassen sich zu deutlich höheren Preisen vermarkten.
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