Küken in einem Stall
Christel Grommel | am

Kükentöten: Ist das Verbot umsetzbar?

Ab Januar soll ein Verbot des Kükentötens in Kraft treten. Experten bewerten den Gesetzesentwurf jedoch teilweise als kritisch.

Im Bundestag gab es gestern eine Anhörung zur geplanten Änderung im Tierschutzgesetz, nach der ab 1. Januar 2022 keine männlichen Eintagsküken mehr routinemäßig getötet werden dürfen.

Bis zum 31. Dezember 2023 soll zunächst die sogenannte Geschlechtsfrüherkennung im Ei noch nicht zeitlich begrenzt sein. Ab 1. Januar 2024 jedoch verlangt der Gesetzesentwurf der Bundesregierung zwingend die Geschlechtsbestimmung vor dem 7. Bruttag, weil danach eine Schmerzunempfindlichkeit des Embryos nicht mehr zu garantieren sei.

Experten befürworten die Stoßrichtung des Gesetzentwurfs. Mehrheitlich kritisch allerdings beurteilten sie die Umsetzung des ab 2024 ebenfalls geplanten Verbots von Eingriffen an einem Hühnerei und des Abbruchs des Brutvorgangs ab dem siebten Bebrütungstag. Es fehle an praxistauglichen technischen Lösungen.

Die Zeit wird knapp

Dr. Ludger Breloh, Geschäftsführer von respeggt GmbH und Seleggt GmbH, plädierte in seiner Stellungnahme für eine Änderung der geplanten Regelung. Es gebe aktuell kein "praxis- und massentaugliches" Verfahren für eine Geschlechtsbestimmung im Brutei vor dem siebten Tag. Er selbst habe mit seinem Unternehmen zwar eine solche Technologie entwickelt. Bislang sei eine Geschlechtsbestimmung damit aber frühestens erst ab dem neunten Tag möglich.

Bis zum geplanten Inkrafttreten der Regelung ab 2024 sei nicht mit einer früheren Bestimmungsmöglichkeit – auch nicht von anderen Anbietern – zu rechnen. Zudem sei fraglich, ob die vorgesehene Regelung überhaupt "sinnvoll und zielführend" sei, so der Agrarökonom: "Es gibt es keinen wissenschaftlichen Beleg für ein Schmerzempfinden eines Hühnerembryos am siebten Bruttag."

Dr. Thomas Bartels vom Friedrich-Löffler-Institut erklärte, es sei nach gegenwärtigem Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht eindeutig zu bestimmen, an welchem Bebrütungstag bei Hühnerembryonen die Fähigkeit zum Empfinden von Schmerz vorhanden sei.

Sicher sei nur, dass der Hühnerembryo vor dem siebten Tag noch nicht zur Nozizeption befähigt sei, so der Experte.

Erkennung ab Bruttag drei?

Prof. Dr. Edmund Koch, Hochschullehrer an der Technischen Universität Dresden, informierte über aktuell laufende Forschungen zur spektroskopischen In-Ovo-Geschlechtsbestimmung. Dieses von ihm mitentwickelte Verfahren zeige, dass das Geschlecht von Küken durch optische Methoden bereits ab dem dritten Tag ermittelt werden könne. Mit einer spektroskopischen Geschlechtsbestimmung am stumpfen Eipol sei im Labor eine zu 95 Prozent sichere Geschlechtsbestimmung gelungen.

Automatisierung und großtechnische Umsetzung des Verfahrens jedoch hätten sich in der Vergangenheit als schwierig erwiesen, räumte Koch ein.

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Folgenabschätzung fehlt

Henner Schönecke, Vizepräsident des Zentralverbands der deutschen Geflügelwirtschaft (ZDG), plädierte insbesondere für eine EU-weite Regelung für ein Verbot des Kükentötens. Ein rein nationales Verbot werde gerade kleinere Brütereien hart treffen, warnte er. Für große, international agierende Betriebe schaffe die geplante Regelung hingegen den Anreiz, ihr Brutgeschäft ins Ausland zu verlagern.

Der ZDG-Vertreter kritisierte zudem, dass eine Folgenabschätzung zu den Auswirkungen der Gesetzesinitiative auf die deutschen Brütereien bislang nicht vorliege. 

Die Alternativen Bruderhahnaufzucht und Zweinutzungsrassen stellt der ZDG aus Gründen der Wirtschaftlichkeit und der Nachhaltigkeit in Frage. Beide Verfahren beanspruchen weit mehr Ressourcen als die Spezialhybridenhaltung. "Die schlechtere Futterverwertung in Verbindung mit der längeren Mastdauer und der geringeren Mastleistung der Hahnenküken wirkt negativ auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz aus. Dieser wichtige Aspekt wird von der Bundesregierung in keiner Weise mit einer angemessenen Folgenabschätzung gewürdigt", heißt es in der Stellungnahme.

Zudem stünden dem benötigten Neu- oder Umbau von Ställen zur Aufzucht der zusätzlichen Tiere das deutsche Bau- und das Immissionsschutzgesetz entgegen.

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