Eintagsküken
Cornelia Krieg | am

Kükentöten: Ein Verbot verlangt nach Ersatz

Kükentöten bleibt vorerst erlaubt. Doch wie werden diese Tiere verwertet – und was, wenn die Quelle nach einem Verbot versiegt?

Vergangene Woche hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig geurteilt, dass das Töten der männlichen Eintagsküken aus der Legehennenzucht grundsätzlich nicht mit dem Tierschutz vereinbar ist. Dennoch bleibt es voererst erlaubt, bis andere Verfahren, wie die Früherkennung des Geschlechts im befruchteten Ei, eingeführt sind. 

Bereits 2011 hat das Land Niedersachsen entschieden, dass das Töten der männlichen Küken nur dann toleriert wird, wenn sie als ganzes Tier beispielsweise in Zoos und Falknereien verwertet werden - nachdem sie tierschutzgerecht betäubt wurden.

Wildtiere verlangen nach Ganzkörperfütterung

Der Zoo Hannover erklärt auf Nachfrage von LAND & Forst, Eintagsküken aus einer Brüterei zu verfüttern, hauptsächlich an Greifvögel und einige Kleinsäuger. Sebastian Scholze, Pressesprecher des Verbands der Zoologischen Gärten (VDZ) geht weiter in Detail: "Auch an Mähnenwölfe, Marabus und Hornraben verfüttern die Zoos Küken. Bei Eisbären, Füchsen und Erdmännchen sind sie als Futterbeigabe willkommen."

2.500 Kilogramm Küken verfüttert der Zoo Hannover pro Jahr. Eine Stichprobe des VDZ unter seinen Verbandsmitgliedern ergab, dass die Zoos jährlich zirka 70.000 bis 100.000 Eintagsküken verbrauchen.

Eintagsküken müssten ersetzt werden

Sollten diese Nahrungsquelle für die Tiere wegen eines Verbot des Kükentötens wegfallen, müsste eine Alternative her, erklärt Dr. Simone Hegenmeyer vom Zoo Hannover. "Die artgerechte Versorgung unserer Tiere verlangt nach Ganzkörperfütterung wie bei Küken mit Federn und Knochen."

Die Eintagsküken seien aber „relativ einfach durch eigenes Futter zu ersetzen“, sagt Scholze. Statt ihrer würden Zoos den Wildtieren stattdessen Mäuse, Ratten oder kleine Vögel anbieten. Diese würden dann jedoch extra gezüchtet, um sie zu verfüttern.

Nachhaltige Verwertung der Küken

Können die Zoos zukünftig nicht mehr auf die Küken zurückgreifen, werde das zu einem gewissen finanziellen Mehraufwand führen, prognostiziert der Verbandssprecher, denn sie seien recht preiswert.

Allzu stark fällt das Scholz zufolge allerdings nicht ins Gewicht, denn Eintagsküken haben nur einen „relativ geringen Anteil am tierischen Futter“. Dieser betrage – je nachdem welche Tiere in den Zoos gehalten würden – knapp fünf Prozent, beim Zoo Hannover sind es acht Prozent.  

Scholz weist aber noch auf einen anderen Aspekt hin: Das Verfüttern an Wildtiere ist aus seiner Sicht eine nachhaltige Verwendung der toten Tiere, die, sollte diese Quelle wegfallen, eben durch andere Kleintiere ersetzt werden.

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