Jörn Ehlers, Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen
Ellen Hartmann | am

Landvolk fordert Kurswechsel der Schlachtunternehmen

Dass die Schlachtunternehmen Tönnies, Vion und Westfleisch den Preis der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG-Preis) unterlaufen haben, ist für das Landvolk Niedersachsen nicht hinnehmbar. Jetzt sei ein Umdenken gefordert.

In der vergangenen Woche hätten die Unternehmen mit Hauspreisen von 1,54 Euro je Kilogramm Schlachtgewicht den etablierten Referenzwert um drei Cent unterschritten, so das Landvolk. Diese Preispolitik wollen Jörn Ehlers, Vizepräsident des Landvolk Niedersachsen, und Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV) und Sprecher für den Bereich der Schweinehaltung im Deutschen Bauernverband, nicht hinnehmen.

Hauspreise seien ein "Unding"

Nach Angaben der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschland (ISN) habe der Durchschnitt der der wöchentlichen Schweineschlachtungen in den vergangenen Wochen lediglich bei 825.000 Tieren gelegen. Das seien rund 7 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum von 2019. Dass die großen Schlachtunternehmen nun Schweine mit unveränderten Hauspreisen abrechnen wollen würden, sei ein "Unding", so die ISN. 

Steigende Erzeugerpreise?

"Das Angebot an Schlachtschweinen in Deutschland ist aufgrund der vielen Betriebsaufgaben der zurückliegenden Monate spürbar knapper geworden", so Ehlers und Beringmeier. "Die logische Folge wären daher deutlich steigende Erzeugerpreise – und keine Hauspreise.“ Laut Ehlers und Beringmeier habe Deutschland als großer Verbraucher von Schweinefleisch jahrzehntelang Spitzenpositionen im europäischen Preisvergleich erzielt. Jetzt würden die deutschen Schweinepreise jedoch im Vergleich eher das Schlusslicht bilden. Zusätzlich würde das steigende Interesse der Schlachtunternehmen an Schlachtschweinen aus dem Ausland diese Aussage stützen.

Appell von Landvolk und WLV

"Wir fordern Tönnies, Westfleisch und Vion auf, die Kosten, die ihnen durch die Abschaffung der Werkverträge und höhere Lohnabschlüsse entstanden sind, an den Lebensmittelhandel weiterzugeben statt die Erzeugerpreise zu drücken" appellieren Beringmeier und Ehlers. "Die anlaufende Grillsaison gibt wichtige Impulse und die coronabedingten Schließungen der Gastronomie sind vielerorts gelockert. Hauspreise sind dagegen ein fatales Signal an die Erzeuger und treffen auf keinerlei Verständnis."

Erzeuger sollen verunsichert werden

"Wir sehen Corona-Lockerungen kombiniert mit besserem Wetter und einem sehr übersichtlichen Angebot an Schlachtschweinen", sagt Klaus Kessing, ISN-Marktanalyst. "Da muss der eher moderate Notierungsanstieg von gerade einmal 3 Cent doch wohl wenigstens machbar sein." Matthias Quaing, Geschäftsführer der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Wirtschafts-GmbH (ISW), vermutet, dass insbesondere die Erzeuger mit den Hauspreisen verunsichert werden sollen, um "den zu erwartenden Preissteigerungen vorsorglich den Wind aus den Segeln zu nehmen". So könne ein neues Druckmittel aufgebaut werden, damit nicht gebundene freie Schweine in Lieferverträge gedrängt werden könnten. "Denn genau die werden mit den Hauspreisen getroffen und nicht die Schweine, deren Abrechnungsbasis im Rahmen der Lieferverträge der VEZG-Preis ist", sagt Quaing. 

Mit Material von LPD, AgE, isn
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