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Christa Diekmann-Lenartz | am

Lieferengpässe bei Eiern gerade zu Ostern?

Der Eiermarkt schlägt Kapriolen. Grund ist zum einen die Geflügelpest mit lang andauernden Aufstallgeboten und EU-weiten Produktionsrückgängen. Zum anderen hat aber auch der Ukraine-Krieg Auswirkungen.

Die vom langen Aufstallgebot betroffenen hiesigen Halter von Freilandhennen in konventioneller Haltung können zumindest in Hinblick auf die Vermarktung momentan aufatmen: Nach 16 Wochen Aufstallen dürfen sie ihre Eier, anders als die Öko-Berufskollegen, nicht mehr als Freilandeier verkaufen, sondern nur noch als Bodenhaltungseier. Das bedeutet in „normalen“ Zeiten einen Mindererlös von 3 Cent/Ei, so Dieter Oltmann vom Landesverband Niedersächsische Geflügelwirtschaft, NGW. Ist der Markt für Bodenhaltungseier gesättigt, müssen die Eier der vom Aufstallgebot betroffenen Tiere sogar als Industrieware vermarktet werden, sprich, sie gehen in die Lebensmittelherstellung. Hier beträgt die preisliche Differenz üblicherweise etwa 4 Cent.

Produktionsrückgang

Aktuell ist der Eiermarkt aber nicht „normal“: „Eier, die in die Verarbeitung gehen, erzielen im freien Markt zur Zeit nahezu die gleichen Erlöse wie Freilandeier,“ berichtet Oltmann. Grund dafür ist, dass die Geflügelpest in vielen Ländern der EU wie den Niederlanden, Polen, Italien oder auch Frankreich, zu teils deutlichen Produktionsrückgängen geführt hat. Aber auch aus der Ukraine wurden in der Vergangenheit Eier für die Verarbeitung importiert, was aktuell nicht mehr möglich ist. Das hatte zur Folge, dass der verarbeitenden Industrie Eier fehlen und die Preise demzufolge stark gestiegen sind. Bodenhaltungseier hingegen sind in Deutschland ausreichend vorhanden – zum Beispiel aus den Niederlanden, wo es ein lang andauerndes, landesweites Aufstallgebot gibt.

Futterkosten: Alarmstufe Rot

Doch das Aufatmen bei den Legehennenhaltern über die guten Markterlöse hält sich stark in Grenzen. Auf der anderen Seite herrscht nämlich „Alarmstufe Rot“ wegen der dramatisch gestiegenen Futterkosten bzw. drohender Lieferengpässe beim Futter. So schickte der Bundesverband Ei e.V. (BVEi) vergangene Woche einen eindringlichen Weckruf an Politik und Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Die deutsche Eierwirtschaft könne die Versorgung mit Eiern aus Deutschland spätestens ab Sommer nicht mehr sicherstellen.

Die jüngsten Entwicklungen auf dem globalen Agrarmarkt zwängen die deutsche Eierwirtschaft in die Knie. „Die Preise für Futtermittel haben sich in kürzester Zeit mehr als verdoppelt. Gentechnikfreies Soja ist kaum noch zu bekommen. Viele Halter können deshalb nicht mehr neu einstallen“, beschreibt Henner Schönecke, Vorsitzender des BVEi, die Situation.

Ab August keine Eier aus Deutschland mehr?

Schönecke rechnet damit, dass die Versorgungssicherheit mit deutschen Eiern spätestens ab August nicht mehr gewährleistet ist. Er rief Politik und Handel auf, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten, wie faire Preise hergestellt werden könnten, damit der Standort Deutschland für die Eiererzeugung erhalten bleibe. Den LEH forderte Schönecke auf, die Vertragslaufzeiten anzupassen, um flexibler auf Preisschwankungen reagieren zu können. Es sollte unter anderem eine „Gleitklausel“ zwischen Eierpreis und Futterpreis eingeführt werden. „Die Versorgungssicherheit mit Eiern aus Deutschland steht auf dem Spiel. Dem müssen alle Beteiligte entschlossen entgegentreten!“, unterstrich Schönecke.

Weniger Freilandeier

Einer der größten Eiervermarkter in Niedersachsen ist das Unternehmen „Eifrisch“ aus Lohne im Landkreis Vechta. 2021 lag der Anteil Bodenhaltungseier bei etwa 48 %, die Freilandeier machten 35 % aus, die Bioeier ca. 17 %. Vom Aufstallgebot infolge der Geflügelpest waren 80 liefernde Betriebe betroffen, der Anteil Bodeneier hat sich dadurch auf aktuell etwa 80 % erhöht.

Nach Aussage von Geschäftsführer Oliver Ditsch werden nur bis zu etwa ein Viertel der umzudeklarierenden Freilandeier als „Solidar-Bodenhaltungseier“ verkauft. Für diese zahlt der Lebensmittelhandel den Preis von Freilandware. Die übrigen Eier werden zu einem kleinen Teil als Bodenhaltungseier verkauft, der Großteil geht allerdings in die Verarbeitung. Trotz des knappen Eierangebots gibt es einen finanziellen Schaden durch den Preisunterschied.

Eier werden teurer

Die Futterpreise waren bereits vor Kriegsbeginn in der Ukraine aufgrund der Folgen der Corona-Pandemie auf einem hohen Niveau. Durch den Kriegsbeginn hat sich das noch weiter verschärft, so dass die Kosten für Futtermittel noch mal über 1 bis 2 Cent pro Ei gestiegen sind. Eine Entlastung auf ein Niveau vor Corona ist nach Einschätzung von Ditsch mittelfristig nicht in Sicht.

Perspektivisch werden die Verbraucher seiner Meinung nach kurz- und mittelfristig mehr für Eier und Eiprodukte bezahlen müssen. Wie bei anderen Lebensmitteln auch, werden die höheren Kosten für Futter, Energie, Verpackungen und Logistik Eier aller Haltungsformen verteuern. Hinzu komme das knappe Angebot in der EU durch die Geflügelpest. „Insofern ist da mittelfristig keine große Entlastung in Sicht“, resümiert Ditsch.

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