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Anne-Maria Revermann | am

Lüneburg: Bauernhofferien mit einer Kuh zum Kuscheln

Kuhkuscheln bietet Familie Voß aus dem niedersächsischen Laave im Landkreis Lüneburg an. Die Urlaubsgäste des Hofes genießen das Angebot - genauso wie unsere Autorin Christiane Hüneke-Thielemann, die Kuschelkuh Laura besucht hat.

Milchkuh "Laura" vom Milchviehbetrieb Voß in Laave (Amt Neuhaus) teilt gelassen und geduldig ihr Strohbett mit Gästen. Schließt genüsslich die Augen, wenn sie gekrault wird, bildet mit ihrem Körper ein sanftes und warmes Ruhekissen zum Runterkommen. Kuhstallduft und ein freundlicher Stupser mit der nasswarmen Schnauze gibt es inklusive.

Entschleunigungsprogramm mit Kühen

Das ungewöhnliche Entschleunigungsprogramm mit Kühen hat sich im Laufe der Jahre zu einem festen Bestandteil auf dem Hof im äußersten Nordosten Niedersachsens entwickelt. Was auch am großen Medieninteresse lag: "Der NDR war zur Filmaufnahmen da, eine ganze Seite im Hamburger Abendblatt erschien über uns, und nachdem die ‘Bild der Frau‘ eine Reporterin zum "Probekuscheln" gesandt hatte, kamen auch viele Anfragen“, berichtet Bauer Jürgen Voß. Kürzlich war er gerade in Süddeutschland zum SWR-Format „Sag die Wahrheit“ eingeladen.

Neue Existenz und Milchwirtschaft aufgebaut

Wer Familie Voß besucht, bekommt schon bei der Anreise eine Ahnung von Ruhe. Amt Neuhaus, östlichster Zipfel des Landkreises Lüneburg und einzige Region Niedersachsens jenseits der Elbe, besticht mit der Weite der Wiesen, Felder und Gräben der Elbtalaue. Ein paar Kilometer entfernt vom Dörfchen Laave liegt der Hof von Bauer Voß.

Bald nach der Wende, 1991, hat er das alte Anwesen gekauft, um eine neue Existenz und Milchwirtschaft aufzubauen. Zu DDR-Zeiten hatte das Amt Neuhaus zum Osten gehört, jetzt ist es wieder dem Landkreis Lüneburg zugeordnet.

Hauptgebäude zu drei Wohnungen umgebaut

Voß, gelernter Landwirt und zugleich ausgebildeter Schlosser, stammt aus einer kleinen Landwirtschaft in Penkefitz, Dannenberg. Auch Eltern und Tante siedelten damals auf den neuen Hof auf die andere Elbseite über. "Wir haben das Hauptgebäude zu drei Wohnungen umgebaut, außerdem wurde ein neuer Milchviehstall gebaut", erzählt der 61-Jährige.

Mit 100 Milchkühen und Nachzucht werden 250 bis 280 Tiere versorgt, gewirtschaftet wird auf rund 250 Hektar, davon 110 Hektar Grünland.

Homöopathische Behandlung der Milchkühe

Zwei Zufälle sorgten dafür, dass sich Hof und Milchwirtschaft in eine eher unkonventionelle Richtung entwickelten: "Nachdem eine unserer absolut handzahmen Kühe plötzlich unnahbar wurde, sprach ich mit einer Heilpraktikerin darüber", sagt Jürgen Voß.

Deren spontane Diagnose und ihr Behandlungsvorschlag waren goldrichtig und die Kuh bald wieder die alte. Diese Erfahrung legte den Grundstein für eine heute überwiegend homöopathische Behandlung der Milchkühe im Voß‘schen Stall.

Entspannungszeit mit Kühen für den Stressabbau

Die besonders tiefenentspannten Kühe brachten den Landwirt, der nach dem Tod der Eltern die frei gewordenen Räume gerade zu Wohnungen für Bauernhofgäste umbaute, dann auf eine Idee: "Kuhkuscheln, das hatte ich mal in einer holländischen Fachzeitung gesehen". Wer mit den massigen, gut 600 Kilogramm schweren und an die 39 Grad warmen Körpern der Wiederkäuer auf enge Tuchfühlung geht, kommt zur Ruhe.

Stressabbau, der bei vielbeschäftigten Managern aus Hamburg ebenso wirken soll, wie bei ADHS-verdächtigen Kindern aus Berlin. Gebucht werden kann die Entspannungszeit während eines Ferienaufenthaltes, aber auch als Tages- oder Wochenend-Paket mit Kaffee und frisch gebackenem Kuchen.

Kuhkuscheln: Medien-Aufmerksamkeit für Ferienbauernhof

"Reich wird man durch das Kuhkuscheln zwar nicht“, räumt der Landwirt ein. Aber die Medien-Aufmerksamkeit sei auch eine Hilfe, um als Ferienbauernhof bekannt zu werden – nach jeder Veröffentlichung werde man in den Suchmaschinen ein bisschen besser gefunden.

"Doch man muss sich genau anschauen, mit wem man da zusammenarbeitet, vor allem beim TV", weiß Voß, "da gibt es einige Privatsender, die würde ich nie auf den Hof lassen –  die gehen sonst auch nicht gut mit unserem Berufsstand um."

Feriengäste helfen beim Versorgen der Kälber

Apropos Zusammenarbeit: Wenn Feriengäste auf dem Hof sind, freuen sie sich besonders, dass sie beim Füttern in der Stallgasse oder beim Versorgen der Kälber mithelfen können. "Bei uns läuft nicht viel automatisiert ab – da können die Kinder beim Tränken der Kälber mithelfen und die Erwachsenen mit der Karre das Futter auseinanderbringen im großen Stall", erzählt Heidi Voß.

Mit Material von Christiane Hüneke-Thielemann

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