Demonstranten auf dem Tönnies-Gelände
Christel Grommel | am

Mehr Tierschutz nach Vorfällen bei Tönnies gefordert

Die Rufe nach mehr Tierwohl werden nach den Vorfällen bei Tönnies von allen Seiten lauter. Die CSU und die Grünen legten ähnliche Vorschläge auf den Tisch.

Die Branche soll sich ändern - nach den Corona-Ausbrüchen bei Tönnies steht sie unter kritischem Dauerbeschuss.

Darin, dass etwas für den Tierschutz getan werden soll, sind sich gar die CSU und die Grünen einig. Beide forderten eine Veränderung in Richtung regionaler, kleinerer Schlachthöfe und Landwirtschaftsbetriebe. 

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder machte sich in einer Videobotschaft für kleinere Landwirtschaftsbetriebe in Deutschland stark. "Agrar-Ökologie statt Agrar-Kapitalismus - das könnte doch ein Weg sein für die Zukunft", sagte er darin. Die Landwirte müssten mehr Möglichkeiten bekommen, ihre Ställe und das Tierwohl zu organisieren und trotzdem wirtschaftlich zu bleiben. Seiner Ansicht nach seien viele Bürger auch bereit, dann mehr Geld auszugeben.

Grünen-Chef Habeck sah das ähnlich. Er forderte ein Ende der Riesenschlachthöfe und dafür mehr regionale Schlachtereien: "Die Transportzeit der Tiere zum Schlachthof darf längstens vier Stunden betragen." Kritik äußerte er am Landwirtschaftsministerium, das sich als Bremsklotz hervortue. 

Klöckner: Kein Recht auf Billigfleisch

Für Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner gibt es kein Recht auf tägliches Billigfleisch. 

Dumpingpreise für Fleisch würden nicht dem Wert der Ware entsprechen, Bauern könnten bei solchen Preisen nicht von ihrer Arbeit leben. "Ich lasse derzeit juristisch prüfen, inwieweit es möglich ist, der Werbung mit Lockangeboten beim Fleisch Einhalt zu gebieten", sagte sie. Klöckner will mehr Tierwohl mit Maßnahmen wie Stallumbauten, einem staatlichen Tierwohlkennzeichen oder Prämien für Landwirte, die ihre Betriebe entsprechend umbauen, erreichen. 

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sprach sich für eine verpflichtende Fleischabgabe aus, um höhere Standards bei der Produktion zu decken. Das Argument, dass Geringverdiener damit mehr belastet würden, ließ er nicht gelten: "Den Preis müssen dann andere zahlen, Menschen und Tiere, und das ist sicher nicht fair."

Nicht nur aus der Politik wurden die Forderungen nach mehr Tierschutz laut. Am Hauptstandort von Tönnies protestierten Aktivisten am Samstag (4. Juli) gegen die Massentierhaltung. Einige von ihnen waren auf das Dach des Betriebs geklettert.

Mit Material von dpa

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