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Laura Schneider | am

Melkroboter: Das ist bei Auswahl und Umbau zu beachten

Worauf kommt es bei der Auswahl eines neuen Melkroboters an und was ist nötig, damit Einbau und Umstellung stressfrei und erfolgreich ablaufen? Martin Hagemann hat diesen Prozess vor Kurzem erlebt. Wir haben ihn nach seinen Erfahrungen gefragt.

Am Landwirtschaftlichen Bildungszentrum (LBZ) Echem wurde im vergangenen Jahr der Melkroboter ausgetauscht. Wenn Sie zurückblicken: Sind Sie zufrieden mit dem Umbau und dem Ergebnis?

Ja, es verlief fast alles nach Plan. Für die Kühe war es einigermaßen stressfrei. Wir haben sie vorrübergehend im Nachbarstall im Melkstand gemolken. Das hat gut geklappt, auch wenn es ihren Melkrhythmus durcheinandergebracht hat. Die Gewöhnung an den neuen Melkroboter war für die meisten Kühe problemlos. Schon nach vier Wochen hatten wir eine Leistung von 34 kg und 2,9 Melkungen pro Kuh und Tag. Der neue Roboter ist für die Kühe angenehm, weil er leise ist und die Türen langsam öffnen und schließen. Der Untergrund ist trittfest, der Zugang schön hell und wir können flüssiges Glycerin füttern für Tiere mit einem höheren Energiebedarf oder für lauffaule Tiere.

Was ist das Erfolgsrezept für einen gelungenen Umbau?

Eine gute Vorbereitung. Es gibt Vieles zu bedenken, wenn man einen neuen Roboter auswählt und den Umbau plant. Wenn man das im Voraus gut durchdenkt, ist der Umbau stressfreier für alle Beteiligten. Eine Hilfe dabei kann die folgende Checkliste sein.

Checkliste: Auswahl und Umbau eines Melkroboters

on_Melkroboter-Hagemann

1) Örtliche Gegebenheiten

  • Soll der Roboter in einem Altgebäude oder Neubau stehen?
  • Steht am geplanten Standort noch ein Melkstand oder ein alter Melkroboter?
  • Ist eine gute Internet-/Netzwerkverbindung vorhanden?
  • Soll der alte oder ein neuer Milchtank verwendet werden?
  • Können vorhandene Kraftfuttersilos verwendet werden?
  • Sind neue Halsbandsensoren nötig?
  • Passen Roboter und Zahl der Tierplätze zusammen?

2) Auswahl des Roboters

  • Informationen und Angebote von mehreren Firmen einholen
  • Andere Betriebe besuchen, die kürzlich in Melkroboter investiert haben und bei der Stallarbeit mitlaufen
  • Meinung der Mitarbeiter, die mit dem Roboter arbeiten werden, berücksichtigen
  • Servicevertrag
  • Regelmäßige Schulungen
  • Welche technischen Extras soll der Roboter haben (Tierwaage, BCS-Kamera, Progesteron-/ Zellzahlmessung)?
  • Welche Maße darf der Roboter haben, um an die entsprechende Stelle zu passen?
  • Kopplung mit anderen Computerprogrammen

3) Einbau

  • Wann soll der Einbau stattfinden?
  • Wer ist für den Ausbau und Abtransport des alten Roboters zuständig?
  • Wo werden die Kühe während des Umbaus gemolken?
  • Molkerei informieren

 

Was waren am LBZ die Gründe für einen neuen Roboter?

Generell beginnen ja bei einem Melkroboter nach rund 15 Jahren die Überlegungen über den Austausch. Melktechnik und Computerprogramme entwickeln sich weiter und werden immer effizienter. Für den Unterricht in der überbetrieblichen Ausbildung möchten wir unseren Lehrgangsteilnehmern außerdem modernste Melktechnik zeigen können.

Unser alter Roboter wurde erst 2015 eingebaut, war aber technisch auf dem Stand von rund zehn Jahren vorher. Er war veraltet und nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Zuletzt hatten wir fast wöchentlich Störungen und immer wieder längere Standzeiten. Wir hatten hohe Reparaturkosten und die Milchleistung war mit 30 kg und 2,5 Melkungen pro Kuh und Tag schlechter als gewünscht. Durch eine Förderung des Bundesinstituts für Berufliche Bildung konnten wir dann in einen neuen Roboter investieren.

Wie sind sie bei der Auswahl des neuen Roboters vorgegangen?

Zuerst haben wir Informationen und Angebote von vier Firmen eingeholt. Dann haben wir pro Firma einen Betrieb besucht, die vor Kurzem einen neuen Melkroboter angeschafft hatte. Mit Anfahrt haben wir da jeweils einen ganzen Tag investiert, aber das hat sich gelohnt. Man bekommt einen guten Überblick, was in Sachen Roboter möglich ist und was die Vor- und Nachteile der verschiedenen Modelle und Firmen sind. Ich würde jedem empfehlen, mehrere Anbieter anzuschauen und Berufskollegen zu besuchen, um sich mit ihnen auszutauschen und sich möglichst viel zeigen zu lassen. Es lohnt sich, bei der Stallarbeit mitlaufen, um einen praktischen Überblick zu bekommen. Wir haben viel von den Kollegen gelernt.

Wichtig ist auch, die Mitarbeiter, die mit dem Roboter arbeiten sollen, bei der Auswahl zu berücksichtigen. Bei uns gab es dazu eine Arbeitsgruppe mit drei Mitarbeitern aus unserem Rinderstallteam.

Wie ging es nach der Auswahl des Roboters weiter?

Im April stand fest, dass wir die Kühe in der Woche vom 23. bis 27. August am neuen Melkroboter einmelken wollen. Drei Monate vorher hatten wir ein Planungsgespräch mit allen Beteiligten: unseren Mitarbeitern, der Servicefirma, den Beratern und IT-Experten der Roboterfirma und der Wasserinstallationsfirma. Da haben wir besprochen, wer sich wann um was kümmert, und haben das in einem Protokoll festgehalten. So konnten sich alle kennen lernen und sich absprechen und es lief später alles angenehm und strukturiert.

Wichtig ist auch, die Molkerei zu informieren. Wir mussten die Zeitfenster für die Milchabholung absprechen, weil während des Umbaus alle Kühe im Melkstand gemolken wurden und im dazugehörigen Milchtank die doppelte Menge Milch anfiel. Außerdem änderte sich die Bedienung des Milchtanks, weshalb der Milchwagenfahrer eine Einweisung bekam. Und wir haben die Milchkontrolle verschoben, damit sie nicht in die Umstellungswoche fiel.

Wie lief der Einbau des Roboters ab?

Einen Monat vor dem Einbau kamen die ersten Teile und die Servicefirma begann, Leitungen und Kabel vorzubereiten. Der neue Roboter kam zwei Wochen vor dem Termin und die Firma hat ihn in der Maschinenhalle zusammengebaut und vorbereitet.

In der Woche vor dem Umbau haben wir den Abbau des alten Roboters vorbereitet. Das neue Computerprogramm wurde installiert und es gab die erste Schulung. Dabei hatte die Firma Laptops mit Demoversionen dabei, sodass wir grundlegende Sachen lernen und probieren konnten – wie man Tiere neu anlegt oder Kraftfutterkurven einstellt. Wir haben dann auch schon die Daten eingegeben und Einstellungen vorbereitet.

Am ersten Tag der Umbauwoche wurde der alte Roboter abmontiert, mit dem Radlader aus dem Stall transportiert und der Standort gereinigt. Dann wurde der neue Roboter montiert und angeschlossen. Am nächsten Tag hat die Firma Milchtank und Kraftfutterstationen angeschlossen, wir haben den Kühen die neuen Halsbänder angelegt und abends mit der ersten Kuh eine „Generalprobe“ gemacht. Am nächsten Morgen haben wir gemeinsam mit der Servicefirma die ersten Kühe im neuen Roboter gemolken.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 22/2022 und in der digitalen Ausgabe

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