Fahrer Detlef Kansy liefert mit einem der zehn „Milchautos“ frische Milch bis zur Haustür.

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Friederike Husmann | am

Wenn der Milchmann kommt

Die Landwirtsbrüder Diers aus Oldenburg haben sich ein besonderes Geschäftsmodell für ihre Milch aufgebaut. Sie liefern ihre Produkte bis vor die Haustür.

Schon im Morgengrauen steht die frische Milch vor der Haustür – gebracht hat sie der Milchmann. Seit Jahrzehnten hat er in Großbritannien Tradition. Grund genug, sich von ihm inspirieren zu lassen, findet Familie Diers aus Oldenburg. Die Brüder Jürn und Hanke Diers arbeiten auf ihren beiden Betrieben Hand in Hand, um den Bürgern aus Oldenburg und umzu einen besonderen Service bieten zu können. „Die Direktvermarktung gehört auf unserem Betrieb schon seit 1949 dazu. In den Neunzigern haben wir dann in der LAND & FORST einen Artikel über den Milchmann in Syke gelesen und uns an seinem Konzept orientiert“, erinnert sich Jürn Diers.

Mit Beginn des neuen Jahres sind Mehrwegalternativen im To Go-Bereich Pflicht, so sieht es die Novelle des Verpackungsgesetzes vor.

Zwei getrennte Betriebe

Die Route, die das Navigationssystem vorschlägt, um zum „Diershof“ zu gelangen, macht stutzig. Große Kreuzungen mit Ampeln, städtische Siedlungen und viel Verkehr liegen auf dem Weg, kurz bevor plötzlich ein Schild auf den landwirtschaftlichen Betrieb hinweist. Vor allem diese zentrale Lage des Milchviehbetriebs in der Stadt Oldenburg habe sie davon überzeugt, das „Konzept Milchmann“ auszuprobieren, sagt Jürn Diers.

Die Brüder Hanke und Jürn Diers (re.) arbeiten auf ihren beiden Betrieben Hand in Hand.

Zehn "Milchautos" liefern die Produkte aus

Der Betrieb, den die beiden Brüder von ihren Eltern übernommen haben, wurde umgewandelt in eine GbR mit zwei Betriebszweigen. Einer davon ist die Landwirtschaft mit Ackerbau, Grünland und 340 Kühen, geleitet von Agraringenieur Jürn Diers. Der andere Betriebszweig ist die Direktvermarktung, wiederum unterteilt in Produktion und Molkerei sowie Vermarktung. Das Sagen hat hier Hanke Diers, der, wie sein Bruder, ebenfalls erst eine landwirtschaftliche Ausbildung gemacht und anschließend in Osnabrück Agrarwissenschaften studiert hat.

„Anfangs hatte ich woanders einen Betrieb gepachtet, bin dann aber nach Hause zurückgekommen und ganz klein auf der Diele angefangen. Damals hatten wir nur einen Lieferwagen, den wir jeden Tag vollgeladen haben“, erzählt der Vater von drei Kindern. Heute beliefert der Milchhof Diers seine Kunden mit mehr als zehn „Milchautos“.

Es ist allerdings nicht nur bei der Milch geblieben. Im Jahr 2009 baute Hanke Diers auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Hofstelle eine moderne Molkerei. Die Produktpalette reicht von Milch, mittlerweile nicht nur abgefüllt in Mehrwegflaschen aus Kunststoff, sondern auch im Tetrapack, über Joghurt und Quark bis zu Milchmischgetränken. Von Lieferanten aus der Region bezieht der Milchhof außerdem Eier und Käse für seine Kunden.

Weidegang ist für die Kühe garantiert

Während in der Hofmolkerei geschäftiges Treiben herrscht und die Mitarbeiter Joghurt ansetzen und Milch pasteurisieren, lassen es die Kühe im Boxenlaufstall gegenüber ruhig angehen. Einige genießen die ersten zaghaften Sonnenstrahlen des neuen Tages auf dem Laufhof, andere ruhen in den dick eingestreuten Liegeboxen und kauen wieder. Trotz der Nähe zur Stadt liegt der Großteil der Flächen arrondiert. „Das ist ein Vorteil, den wir gerne nutzen, indem wir einer Gruppe Weidegang ermöglichen“, so Jürn Diers.

Auf dem landwirtschaftlichen Betrieb beschäftigt der 44-jährige Vater von zwei Töchtern drei feste Mitarbeiter. Die Außenwirtschaft hat er nahezu komplett ausgelagert. Seine Kälber vermarktet er über den Zuchtverband und verteilt die, die dem Betrieb erhalten bleiben sollen, auf zwei Aufzuchtbetriebe. Die Milch des Betriebes geht an die Hofmolkerei seines Bruders und an die Molkerei Ammerland. 

Die Produktpalette von Milchof Diers aus Oldenburg reicht von Milch über Joghurt und Quark bis zu Milchmischgetränken.

Besucherpavillon zeigt woher Milch kommt

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite an der Hofmolkerei füllt sich indessen der Parkplatz. Ute Diers, die Mutter von Hanke und Jürn und gute Seele des Hofes, war es die vor mehr als 20 Jahren die Auslieferung der Milch an Privatkunden ins Leben gerufen hat. Heute kümmert sie sich federführend um die Öffentlichkeitsarbeit auf dem Hof. Im Jahr 2019 wurde extra zu diesem Zweck ein Besucherpavillon gebaut. 

Viele Besucher- und vor allem Kindergruppen nutzen die Möglichkeit, in die Landwirtschaft herein zu schnuppern und zu lernen, woher Milch, Joghurt und Co. kommen. Ein großer Teil der Besucher sind selbst Kunden des Diershofes. „Zu unserer Kundschaft gehören Oldenburger Krankenhäuser, mehr als 100 Schulen und Kindergärten, außerdem Cafés und Restaurants, Einzelshandelsmärkte und rund 5000 Privathaushalte in der Umgebung“, erläutert Hanke Diers, nicht ohne Stolz.

Zweimal wöchentlich können die sich ihre online bestellten Diers-Produkte nach Hause liefern lassen. Bezahlt wird monatlich per Überweisung. Damit alles läuft, von der Molkerei über die Kundenbetreuung, die Verpackung bis zur Auslieferung, beschäftigt Hanke Diers mehr als 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Direktvermarktung_Milchtankstelle

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