Melken
Meinung | Jan-Gerd Ahlers | am

Milchpreis: Tierhalter lassen nicht locker

Land- und Milchwirtschaft mögen systemrelevant sein, aber das hat dieses Jahr keinen Cent mehr Milchgeld gebracht, im Gegenteil.

Grundsätzlich gab es positive Marktaussichten für 2020, sie wurden (wieder einmal) enttäuscht. Der durchschnittliche Grundpreis dürfte kaum über 32 Cent liegen, voriges Jahr waren es 32,85 Cent.

Wenn der Preis nachgibt und Auflagen, nicht nur zum Tierwohl, die Produktionskosten erhöhen, dann wird es schwierig, kostendeckend zu produzieren. Wer sein Silolager auf Vordermann bringen oder zusätzlichen Lagerraum für Gülle schaffen muss, für den werden schnell sechsstellige Summen fällig, in Beton investiert, die sich nicht rechnen.

Höhere Milchpreise gefordert

Viele Bauernfamilien stoßen an Grenzen, ökonomisch, aber oft auch psychisch. Und dann die Arbeit. So lautete das Motto der Demonstrationen in den vergangenen Wochen vor Molkereien und Schlachtbetrieben passend „Schluss mit lustig“. Allein 500 Trecker fuhren zur DMK-Zentrale. Es gab einen Schulterschluss von Milch- und Fleischerzeugern.

Von den Marktpartnern gab es viel Verständnis für die Forderungen, aber keine Zusagen für bessere Milch- und Fleischpreise. Die Forderung nach 15 Cent mehr Milchgeld hält sogar der Milchindustrieverband für „unrealistisch“. Aber dann hätten wir endlich einen reellen Preis für die Milch.

Milchproduktion wird hinterfragt

Klima, Tierwohl, Nachhaltigkeit, viele, insbesondere junge Menschen, hinterfragen die Milchproduktion. Das darf auch so sein. Wir sollten ehrlich und offen für notwendige Veränderungen sein. Im Fokus steht immer wieder ein faires Miteinander von Erzeugern, Verarbeitern und Handel.

Branchenkommuniktaion: Vorsätze mit Leben füllen

Bei der Milch soll die Sektorstrategie 2030 helfen, die schwache Marktstellung der Milchviehhalter zu stärken, die das Marktrisiko praktisch allein tragen. Kein Wunder, dass der Strukturwandel bei den Milchviehhaltern überproportional ausfällt. Nach dem holprigen Start der Branchenkommunikation müssen Erzeuger und Verarbeiter die guten An- und Vorsätze zügig mit Leben füllen, da können wir nicht warten.

Situation der Schweinehalter ist dramatisch

Die Situation unserer Ferkelerzeuger und Schweinemäster ist dramatisch, vielfach geht es um die nackte Existenz. Zwischen Schweinestau und Preisverfall wird die Luft verdammt dünn, schwarze Zahlen sind in weite Ferne gerückt. Corona und die Afrikanische Schweinepest machen dem Schweinemarkt zu schaffen.

Während die Erzeugerpreise um über ein Drittel nachgegeben haben, blieben im Lebensmitteleinzelhandel die Preise weitgehend stabil. Wer in der Wertschöpfungskette verdient also an und in der Krise? Verlierer sind wie so häufig die Erzeuger.

Intransparente Preisbildung

Und die Verbraucher? Häufig stehen sie ratlos vor dem Kühlregal oder der Fleischtheke. Können sie mit ihrer Kaufentscheidung Einfluss nehmen? Der Blick auf das Preisschild hilft kaum weiter: Hochwertig und teuer einzukaufen bedeutet nicht automatisch, dass mehr Geld tatsächlich auch beim Erzeuger ankommt. Die Preisbildung ist vielfach intransparent und selbst gut informierte Verbraucher sind gar nicht in der Lage, zu ermessen, was ein fairer Preis ist und wie sie einen solchen unterstützen sollen und können.

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