Schlachtung-mobil-Mobile Schlachtung

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Dr. Katrin Sassen | am

Mobile Schlachtung: Das ist zu beachten

Durch eine Änderung der Rechtslage ist in Niedersachsen nun auch die Schlachtung im Haltungsbetrieb möglich. Die Schlachtung kranker Tiere bleibt verboten. Ein neuer Leitfaden gibt Hilfestellung.

Regionale Produkte, Tierwohl und ein möglichst enger Kontakt zu den Kunden - dies wird bei der Produktion und Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse immer wichtiger. Das ist auch beim Fleisch so.

Seit August 2021 besteht durch Änderung der Verordnung (EU) Nr. 853/2004 unter festgelegten Bedingungen als Ausnahme vom Schlachthofgebot die Möglichkeit, Normalschlachtungen von bis zu drei Rindern, sechs Schweinen oder drei Einhufern (Pferde und Esel) auf dem Gelände des landwirtschaftlichen Betriebes durchzuführen. Dabei müssen verschiedene Abläufe und Bedingungen eingehalten werden. Das LAVES hat zusammen mit dem Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium (ML) einen neuen Leitfaden zur Schlachtung im Herkunftsbetrieb herausgegeben, der das Verfahren beschreibt und Hilfestellungen gibt.

Voraussetzung: Mobile Schlachteinheit

Zwingende Voraussetzung für eine Schlachtung im Herkunftsbetrieb ist die Nutzung einer sogenannten mobilen Schlachteinheit, die Teil eines zugelassenen Schlachtbetriebes sein muss. Für interessierte Schlachtbetriebe hat das LAVES das Merkblatt „Schlachtung im Herkunftsbetrieb – Zulassungsverfahren für die mobile Einheit“ veröffentlicht.

Genehmigung ist notwendig

Für die Schlachtung muss bei dem für den landwirtschaftlichen Betrieb zuständigen Veterinäramt eine Genehmigung beantragt werden.

Die Schlachttieruntersuchung wird von einem amtlichen Tierarzt/einer amtlichen Tierärztin durchgeführt, der/die auch während des gesamtes Schlachtvorganges anwesend sein muss.

Aus diesen EU-rechtlich festgelegten Anforderungen ergibt sich ein hoher betrieblicher, aber auch behördlicher Aufwand, der mit entsprechenden Kosten verbunden ist. Sprechen Sie sich daher bereits frühzeitig mit dem örtlichen Veterinäramt ab, wenn Überlegungen zur Schlachtung auf dem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb beginnen.

#3 Bilanz einer Milchviehhalterin.jpg

Diese Anforderungen gelten für die mobile Schlachtung

Es gilt der Grundsatz, dass bei der Schlachtung im Herkunftsbetrieb alle Anforderungen uneingeschränkt eingehalten werden müssen, die auch bei Schlachtung in einem stationären Schlachtbetrieb gelten. Dieser Grundsatz gilt gleichermaßen für die Anforderungen an die Hygiene des Schlachtprozesses, das Tierschutzschlachtrecht sowie für den Gesundheitszustand der zu schlachtenden Tiere.

Die bisher zulässige Tötung von ganzjährig im Freien gehaltener Rinder mittels Kugelschuss ist weiter möglich. Da es sich um eine Schlachtung im Herkunftsbetrieb handelt, ist nach Rechtsänderung auch für diese Form der Schlachtung eine mobilen Schlachteinheit vorgeschrieben.

Kranke Tiere dürfen nicht geschlachtet werden

Die Entscheidung über die Schlachttauglichkeit liegt beim amtlichen Tierarzt/bei der amtlichen Tierärztin, der/die die Schlachttieruntersuchung durchführt, und sie basiert auf den gleichen Kriterien wie für eine Schlachttieruntersuchung im stationären Schlachtbetrieb.

Das europäische Recht legt fest, dass

  • Tiere, die krank sind in einem Zustand, der durch Kontakt oder Verzehr von Fleisch auf den Menschen oder andere Tiere übertragen werden kann,
  • und allgemein Tiere, die klinische Anzeichen einer systemischen Erkrankung oder von Auszehrung (Kachexie) haben,

nicht für den menschlichen Verzehr geschlachtet werden dürfen. Insofern ist die Schlachtung im Herkunftsbetrieb keine kostengünstige Alternative für die Schlachtung nicht transportfähiger oder gar kranker Tiere.

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Ausnahmen vom Schlachthofgebot

Das EU-weite Schlachthofgebot besagt: Gewerbliche Schlachtungen dürfen nur in einem EU-zugelassenen Schlachtbetrieb durchgeführt werden (Artikel 4 Abs. 1 Verordnung (EG) Nr. 853/2004). Ausnahmen von diesem Grundsatz sind nur in wenigen Fällen zulässig. Diese sind:

  1. Die sogenannte Hausschlachtung. Nach § 2a Tierische-Lebensmittelhygieneverordnung dürfen Tiere zur Gewinnung von Fleisch für den eigenen häuslichen Verbrauch geschlachtet werden. Die Weitergabe von bei Hausschlachtungen erzeugtem Fleisch an Personen außerhalb des eigenen Haushalts ist nicht erlaubt.
  2. Die Notschlachtung: Gesunde Tiere, die verunfallt und dadurch nicht mehr transportfähig sind, dürfen im Haltungsbetrieb notgeschlachtet werden. Der Tierkörper ist anschließend unter Beachtung unter anderem der Hinweise im „Merkblatt Notschlachtung“ zum Schlachtbetrieb zu verbringen.

Mit der Schlachtung im Herkunftsbetrieb unter Verwendung einer mobilen Schlachteinheit ist nun eine weitere Ausnahme von dem Schlachthofgebot eröffnet worden.

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