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Wiebke Herrmann | am

Nachhaltige Welternährung nur mit Nutztieren

Angesichts knapper Nahrungsmittelressourcen hat die tierische Veredelung eine wichtige Bedeutung. Da sind sich auch Wissenschaftler einig.

Bis zum Jahr 2050 wird sich die Nachfrage nach Nahrungsmitteln weltweit verdoppeln. Die Herausforderung dabei ist, den Bedarf mit einer nachhaltigen Lebensmittelerzeugung zu decken, um Ressourcen und Umwelt zu schützen.

Der Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)) fordert daher eine nachhaltige Intensivierung der Landnutzung. Jens Boch, Professor am Institut für Pflanzengenetik an der Leibniz Universität Hannover, machte im Rahmen des InnoPlanta-Forums in Berlin erneut auf diese Zusammenhänge aufmerksam. Boch gehört zu dem Kreis der Wissenschaftler, der angesichts der globalen Klimakrise davor warnt, Innovationen in der Landwirtschaft abzulehnen. Dazu gehören unter anderem neue Züchtungsstrategien, die in den Fachbereich des Pflanzengenetikers aus Hannover fallen.

Er machte zudem deutlich, dass eine weitere Extensivierung der Landwirtschaft nach deutschem Vorbild, eine Ausweitung der Ackerfläche bedeuten könnte. Aufgrund geringerer Erträge werde mehr Ackerfläche für die Nahrungsmittelerzeugung benötigt – zum Nachteil von Naturflächen.

Tierische und pflanzliche Lebensmittel ergänzen sich ideal

Der Wissenschaftler regte zudem an, dass die globale Nahrungsversorgung nicht ausschließlich auf der Grundlage der Produktionsmenge zu bewerten. Vielmehr sollte die Lebensmittel aufgrund der enthaltenen Nährstoffe bewertet werden. Tierische und pflanzliche Lebensmittel würden sich dahingehend ideal ergänzen.

Leider seien einige Länder darauf angewiesen, ihren Nährstoffbedarf zu 80 Prozent aus Importen zu decken. Dazu zählen Länder in Afrika und Asien, aber auch China und Indien sind auf Nahrungsmittelimporte angewiesen. Steigende Nachfragen können aber nur durch effiziente Nahrungsmittelproduzenten in Nordamerika, Europa und Teilen Südamerikas bedient werden – also von Ländern, die Dank vorteilhafter Standortbedingungen und effizienter Produktionssysteme in der Lage sind, hochwertige Nahrungsmittel über den eigenen Bedarf hinaus zu produzieren.

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Studie der FAO: Tierische Veredelung ist wichtiger Bestandteil der Welternährung

Bereits 2017 wies die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) darauf hin, dass die tierische Veredelung keine Nahrungsmittelressourcen aufzehrt, die ansonsten direkt, also über pflanzliche Produkte, zur Sicherung der Ernährung der Weltbevölkerung zur Verfügung stünden. Laut FAO sind Tiere somit keine Nahrungsmittelkonkurrenten, sondern wichtiger Bestandteil der weltweiten menschlichen Nährstoffversorgung. Die Studie widerlegte unter anderem den häufig kritisierten angeblich hohen Getreideverbrauch über den Futtertrog.

Die Nutztierfütterung beansprucht 32 Prozent der globalen Getreideernte. 86 Prozent aller Futtermittel, wie etwa Ernte-Reste und Nebenprodukte, wären für den menschlichen Verzehr aber nicht geeignet. Eine Verwertung über den Tiermagen ist deshalb die einzige sinnvolle Alternative. Im globalen Durchschnitt werden 3 kg Getreide zur Herstellung von einem Kilogramm Fleisch benötigt, die auch für die menschliche Ernährung geeignet wären. Die FAO weist aber auch darauf hin, dass Viehbestände einen Beitrag zur Bioökonomie und Nahrungsmittelproduktion insgesamt leisten, indem sie Nährstoffe für den Pflanzenbau liefert. Ein großer Teil der globalen landwirtschaftlichen Nutzfläche wie Grasland könne laut FOA nur von Nutztieren genutzt werden. Damit können Viehbestände einen wesentlichen Beitrag zur Eiweißversorgung leisten, ohne dass es zu Futtermittelkonkurrenz komme.

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