Die neue Tierschutz-Hundeverordnung bringt auch Änderungen für die Haltung von Hofhunden mit sich.

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Dagmar Deutsch | am

Neue Tierschutz-Hundeverordnung: Das gilt ab dem 1.1.2022 für Hofhunde

Mit Änderungen der Tierschutz-Hundeverordnung will die Bundesregierung wissenschaftlichen Erkenntnissen über die Bedürfnisse von Hunden Rechnung tragen.

Dem besten Freund des Menschen soll es ab Januar 2022 besser gehen. Dafür sorgt die Bundesregierung mit Änderungen an der sogenannten Tierschutz-Hundeverordnung. Um wissenschaftliche Erkenntnisse über die Bedürfnisse von Hunden bei Haltung und Zucht zu berücksichtigen gelten ab dem 1. Januar 2022 neue Regeln in folgenden Bereichen:

Was gilt ab dem 1. Januar 2022?

Die Änderungen halten grundsätzlich fest, dass jedem Hund ausreichend Auslauf im Freien außerhalb eines Zwingers zu gewährend ist. Das sollte auf einem landwirtschaftlichen Betrieb kein Problem sein. Zudem müssen sich Hundehalter mehrmals täglich in ausreichender Dauer mit ihrem Vierbeiner beschäftigen. Nachfolgend fassen wir zusammen, was sich für Landwirte und ihre Hofhunde sonst noch ändert.

Ist die Zwingerhaltung von Hunden noch erlaubt?

Auch nach dem 1. Januar 2022 bleibt es erlaubt, einen Hund in Räumen oder Raumeinrichtungen zu halten, die nach ihrer Zweckbestimmung nicht dem Aufenthalt von Menschen dienen. Dabei gelten einige Regeln:

  • Die benutzbare Bodenoberfläche muss der Mindestgröße entsprechen. Diese beträgt nachwievor bei Hunden bis zu einer Widerristhöhe von bis zu 50 cm 6 m², zwischen 50 und 65 cm 8 m² und über 65 cm 10 m².
  • Der Zwinger muss mit einer Schutzhütte ausgestattet sein oder einem trockenen Liegeplatz, der weich oder elastisch verformbar ist und ausreichend vor Luftzug und Kälte schützt.
  • Die Schutzhütte muss gewährleisten, dass sich der Hund darin ausgestreckt hinlegen kann.
  • Ist eine Schutzhütte vorhanden, müssen Sie Ihrem Hund auch außerhalb der Hütte einen Liegeplatz anbieten, auf dem er sich in Seitenlage ausgestreckt hinlegen kann. Er muss witterungsgeschützt, schattig, wärmegedämmt sowie weich oder elastisch verformbar sein.
  • Der Hund muss einen freien Blick aus dem Gebäude oder der Raumeinheit heraus haben. Es sei denn, dem Hund steht tagsüber ein ständiger Auslauf ins Freie zur Verfügung.
  • Richtet sich der Hund auf, darf er mit seinen Vorderpfoten keine Strom führenden Vorrichtungen erreichen können. Gleiches gilt für Vorrichtungen, die elektrische Impulse aussenden.
Ein Junglandwirt mit einem Ferkel auf dem Arm.

Welche Besonderheiten gelten für Arbeits- oder Herdenhunde?

Landwirte halten ihre Arbeits- und Herdenhunde oft mit der entsprechenden Herde zusammen. Hier betont die Bundesregierung in ihren Änderungen der Tierschutz-Hundeverordnung, dass vor allem bei diesen Hunden ein regelmäßiger Kontakt zu Menschen gewährleistet werden muss. Ist der Hund während seiner Tätigkeit oder seiner Ausbildung im Freien untergebracht, muss der Landwirt sicherstellen, dass das Tier ausreichend vor widriger Witterung geschützt ist. Zu Stromzäunen, die der Abwehr von Beutegreifern dienen, muss der Herdenschutzhund mindestens sechs Meter Abstand halten können. Lassen das die örtlichen Gegebenheiten nicht zu, genügen ausnahmsweise vier Meter.

Welche neuen Regeln gelten für die Ausbildung meines Hofhunds?

Die angepasste Tierschutz-Hundeverordnung verbietet es künftig, bei der Ausbildung von Hunden Stachelhalsbänder zu verwenden. Ebenso sind auch andere Mittel verboten, die für das Tier schmerzhaft sind.

Darf ich meinen Hund alleine halten? Prinzipiell ist es weiterhin erlaubt, Hunde alleine zu halten. In dem Fall legt die Tierschutz-Hundeverordnung jedoch fest, dass Sie Ihrem Hund einen regelmäßigen Kontakt zu Artgenossen ermöglichen müssen. In Einzelfällen sind Hundehalter von dieser Pflicht ausgenommen:

  • Wenn der Gesundheitszustand des Hunds den Kontakt zu Artgenossen ausschließt, zum Beispiel bei einer infektiösen Erkrankung.
  • Wenn eine generelle Unverträglichkeit mit anderen Hunden besteht.

Wie hängen Pflanzenschutz- und Düngemittel mit der Tierschutz-Hundeverordnung zusammen? Der Auslauf darf die Gesundheit des Hunds laut Tierschutz-Hundeverordnung nicht gefährden. Hierbei weisen die Regeln explizit darauf hin, dass gelagerte oder ausgebrachte Pflanzenschutz- oder Düngemittel abzusichern sind.

Worauf muss ich bei der Zucht mit meinem Hofhund achten?

Hunde mit Qualzuchtmerkmalen dürfen künftig nicht mehr auf Sportveranstaltungen, Messen oder Ausstellungen gezeigt werden. Zu den Qualzuchtmerkmalen zählen zum Beispiel besonders kurze Nasen, Glubschaugen oder Hautfalten. Da Ausstellungs-Möpse eher selten zu den typischen Hofhunden gehören, dürfte diese Regelung nur wenige Landwirte treffen. Wohl aber die Maßnahmen, die künftig für die Zucht gelten.

Hier hat die Bundesregierung Folgendes beschlossen, um Welpen ausreichend an Menschen, Artgenossen und Umweltreize zu gewöhnen:

  • Bis zu einem Alter von 20 Wochen muss sich eine Betreuungsperson täglich mindestens vier Stunden mit dem oder den Welpen beschäftigen. Das gilt für den Züchter sowie für den Halter, der den Welpen in der Regel mit 8 bis 10 Wochen erwirbt.
  • Züchten Landwirte mit ihrem Hund oder ihren Hunden gewerbsmäßig, darf eine Betreuungsperson maximal drei Würfe gleichzeitig betreuen.
  • Hundewelpen, die jünger als acht Wochen sind, dürfen nur in Begleitung ihres Muttertiers mehr als 100 km transportiert werden
Jens im Hühnerauslauf - alles im Blick!

Ausblick: Weitere Änderung der Hundeverordnung ab 1. Januar 2023

Weitere Änderungen, die der Bundesrat bereits beschlossen hat, gelten erst ab dem 1. Januar 2023. So ist die Gruppenhaltung künftig so zu gestalten, dass für jeden Hund der Gruppe ein Liegeplatz zur Verfügung steht. Außerdem muss es möglich sein, die Tiere individuell zu füttern sowie gesundheitlich zu versorgen. Darüber hinaus muss ein Halter mehrer Hunde verhindern, dass diese sich unkontrolliert vermehren. Zusätzlich werden ab diesem Stichtag einige Bestimmungen in Kraft treten, die Wurfboxen betreffen, ebenso wie Regeln zur Anbindehaltung von Hunden.

Ist es noch erlaubt, den Hund im Hof anzubinden?

Nach der geänderten Tierschutz-Hundeverordnung wird die Anbindehaltung von Hunden ab dem 1. Januar 2023 grundsätzlich verboten. Den Hofhund draußen an der Kette zu halten ist ab diesem Zeitpunkt nicht mehr erlaubt. Ausnahmen gibt es nur unter bestimmten Voraussetzungen für Arbeitshunde, wenn:

  • ... eine Betreuungsperson vor Ort ist,
  • ... die Anbindung mindestens drei Meter lang ist und sich nicht aufdrehen kann,
  • ... das Anbindematerial leicht und so beschaffen ist, dass sich der Hund nicht daran verletzen kann
  • ... und zum Anbinden breite Brustgeschirre oder Halsbänder verwendet werden, die nicht einschneiden, sich nicht zuziehen und nicht zu Verletzungen führen können.
Mit Material von Bundesrat, Bundesgesetzblatt, BMEL

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