Poitou-Esel-Ellermann-Reburg-Aufmacher
Johanna Ritter | am

Nienburg: Vom Glück, zottelige Esel zu züchten

Geduldig, gesellig und gefährdet - Familie Ellermann aus Rehburg züchtet die französische Großeselrasse Poitou. Damit auch andere Menschen Freude an den haarigen Sanftmütern haben, bieten sie Esel-Patenschaften an.

Poitou-Esel-Ellermann-Reburg

Vor nahezu fünfzig Jahren waren die Poitou-Esel fast ausgestorben.Sie gehören zu den schwersten Eseln der Welt und können ein Gewicht von bis zu 450 Kilogramm auf die Waage bringen. Durch ihre beeindruckend kräftige Statur, das zottige rot-braune Fell, die großen Ohren und ihre weißsilbrige Augen-Nasen-Mund-Partie sind sie ein echter Hingucker.

Angela und Frank Ellermann aus Rehburg, Landkreis Nienburg, züchten die Esel. Ihre Leidenschaft für diese Großeselrasse erwachte während eines Urlaubs vor vielen Jahren an der Ostsee. „Wir zuckelten eine Stunde mit einer von Großeseln gezogenen Kutsche durch die Gegend und da entstand die Idee, selbst solche Esel zu halten“, sagt der Hobbyzüchter.

Das ist der Speiseplan der Esel

Mittlerweile geht die in Rehburg, im Naturpark Steinhuder Meer gelegene Hobbyzucht der Familie in das dreizehnte Jahr. Aus anfänglichen zwei Eseln ist eine Hobbyzucht von nunmehr vierzehn Eseln geworden.

Von insgesamt sieben Hektar Land nutzen die Hobbyzüchter fünf Hektar ausschließlich zur Futtergewinnung. Stroh, Heu, Gras, Äste - gern auch Weidengrün stehen bei den Eseln auf dem Speiseplan. „Zweimal pro Jahr wird gemäht. Im Winter wird Grassilage verfüttert, Kraftfutter ist nicht unbedingt notwendig“, erklärt Frank Ellermann.

Selbstständiges Putzen

Jeden Tag wird auf den Weiden nach dem Rechten geschaut, Heu nachgelegt und Wasser nachgefüllt. Alle zwölf Wochen werden die Hufe flott gemacht, geschnitten und geraspelt. Mehrmals im Jahr steht eine Entwurmungskur an.

Und damit das Esellächeln auch immer strahlend bleibt, gibt der Tierarzt den Zähnen einmal im Jahr den nötigen Schliff. Für die tägliche Säuberung sorgen die Tiere selbst – wie praktisch, sie putzen sich gegenseitig.

Halb Katze, halb Hund

„Die Poitou-Esel sind halb Katze, halb Hund“, weiß Frank Ellermann aus seiner langjährigen Erfahrung zu berichten. Sie sind nicht stur oder dickköpfig, wie landläufig oft angenommen, sondern eher vorsichtig und überlegt.

„Man sollte immer zwei Esel zusammenstellen“, empfiehlt der Hobbyzüchter, „jedoch sind zwei Hengste nicht miteinander kompatibel. Die machen sich kalt.“

Komisches Kauen und Grimassen schneiden

Im Areal des elfjährigen Großesel „Vulcain du Breuil“ ist derzeit die Stute „Biggy“ zu Gast. „Vulcain“ befindet sich in Lauerstellung und wartet gespannt auf ein sichtbares Zeichen der Stute. Doch diese zeigt bisher wenig Interesse an ihrem männlichen Verehrer, sie wehrt jeden seiner Annäherungsversuche mit beherzten Huftritten ab.

Sicheres Kennzeichen dafür, dass die Stute rossig ist, sind „ihr komisches Kauen, das Grimassenschneiden und das Ausbleiben der Huftritte“, erklärt der Hobbyzüchter. Die Decksaison der Rehburger Esel geht von April bis Ende August, wobei „sie im Frühjahr immer am besten ist“, so der Hobbyzüchter. Denn Fohlen, die im Frühjahr zur Welt kommen, leben das ganze erste halbe Jahr mit frischem Gras und entwickeln sich dadurch einfach optimal.

Pause für die Esel-Stuten

Vier Wochen nach dem Decktermin schaut der Tierarzt mit portablem Ultraschallgerät nach, ob die Stute trächtig ist. Nach etwa 375 Tagen Tragzeit fohlt die Stute ab und das Fohlen bleibt bis zu einem Jahr bei ihr. Erst dann darf die Stute wieder zum Hengst.

Hierbei unterscheidet sich die Rehburger Hobbyzucht von Eselzuchten anderenorts, wo die Stute schon sechs bis sieben Tage nach dem Abfohlen wieder gedeckt wird. „In unserer Hobbyzucht bekommen die Stuten immer ein Jahr Pause gegönnt“, erklärt Frank Ellermann.

Reiten auf Eseln

Ein schönes Event sind auch die alljährlichen Abtriebe der Esel von den Weiden im Frühjahr und Herbst, an denen Interessierte und Paten teilnehmen können.

Für Späße sind die geduldigen Zottel ebenfalls zu haben, so kann man auch mal eine Runde durchs Dorf traben. Allerdings dürfen Esel nur zwanzig Prozent ihres eigenen Gewichts tragen, maximal neunzig Kilogramm.

Maria, Josef und Esel-Stute Ella

Und wenn das Jahr zu Ende geht und die Weihnachtszeit naht, schlüpfen Angela und Frank Ellermann in ihre historischen Gewänder und ziehen als Maria und Josef verkleidet, mit der sechsjährigen Eselstute Ella über verschiedene Weihnachtsmärkte in der Region.

In diesem Jahr werden sie voraussichtlich wieder in Minden und Stadthagen zu sehen sein. So führt die Familie ein Leben mit und für ihre Tiere.

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