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Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Dr. Carolin Holling, LWK Niedersachsen | am

Nottötung: Auf den richtigen Zeitpunkt kommt es an

Kranke und verletzte Schweine, die erhebliche Schmerzen oder Leiden ertragen müssen und für die es keine oder kaum Aussicht auf Heilung gibt, müssen tierschutzgerecht getötet werden. Hier lesen Sie, was dabei zu beachten ist.

Es kommt in jedem Schweinestall immer wieder vor, dass ein Tier sich so stark verletzt hat beziehungsweise so krank oder geschwächt ist, dass es notgetötet werden muss. Diese nicht schöne, aber notwendige Aufgabe kann eine Person mit den notwendigen Kenntnissen und Fähigkeiten beziehungsweise der erforderlichen Sachkunde durchführen. Zum anderen kann aber auch der Tierarzt oder die Tierärztin gerufen werden und das betroffene Tier euthanasieren. Die meisten Landwirte entscheiden sich, im Notfall selbst ihre Tiere notzutöten. 

Für jedes einzelne Tier muss sorgfältig abgewogen werden, welche Behandlungsmöglichkeiten und Heilungsaussichten dem aktuellen Allgemeinzustand des Schweines gegenüberstehen. Folgende Fragen können bei der Entscheidung hilfreich sein:

1. Wie erheblich sind die Schmerzen?

Prinzipiell kann davon ausgegangen werden, dass sich die Empfindung von Schmerzen bei Menschen und Schweinen kaum unterscheiden. Allerdings liegt es in der Natur der Schweine, dass sie versuchen, ihre Schmerzen möglichst nicht zu zeigen. Deshalb ist eine genaue Beobachtung der Tiere in einer stressfreien Atmosphäre erforderlich. Bei einer Lahmheit kann das Ausmaß der Schmerzen von der Belastung der betroffenen Gliedmaße abgeleitet werden. Tritt ein Schwein gar nicht oder kaum auf, handelt es sich um erhebliche Schmerzen, während ein Schwein, dass die Gliedmaße noch nahezu voll belastet mit hoher Wahrscheinlichkeit nur mäßige Schmerzen verspürt. Bei anderen Krankheitsbildern ist die Beurteilung der Schmerzen oftmals schwieriger. Auch Abgeschlagenheit und Fressunlust können Anzeichen für Schmerzen sein.

2. Können die Schmerzen durch Schmerzmittel gelindert werden?

Wenn absehbar ist, dass es dem Schwein durch die getroffenen Maßnahmen innerhalb weniger Tage deutlich besser gehen könnte, sollten stärkere Schmerzen während dieses Zeitraumes durch die Verabreichung von Schmerzmitteln gelindert werden. Bei länger anhaltenden Schmerzen liegt ein vernünftiger Grund für die Nottötung vor, die dann auch umgehend vollzogen werden muss.

3. Wie lange würde es dauern, bis das Tier wieder gesund ist, kann es dann noch als Lebensmittel verwendet werden?

Gerade bei chronischen Erkrankungen kann es mitunter sehr lange dauern, bis das Schwein wieder transport- und schlachtfähig ist. Sobald abzusehen ist, dass es nicht mit den letzten Tieren der Mastgruppe bzw. vor der Neueinstallung einer neuen Mastgruppe der Schlachtung zugeführt werden kann und es keine andere Möglichkeit gibt, das Schwein länger zu halten, sollte eine Nottötung durchgeführt werden.

4. Kann das erkrankte/verletzte Schwein selbstständig Wasser und Futter aufnehmen beziehungsweise laufen?

Bei Tieren, die selbstständig kein Wasser und Futter aufnehmen und/ oder festliegen, bleibt nur ein sehr kurzer Zeitraum für einen Behandlungsversuch. In diesen Fällen muss neben einer intensiven Betreuung und Pflege mindestens täglich der Zustand des Schweines beurteilt werden. Hierbei ist zu hinterfragen, ob eine weitere Behandlung noch zu rechtfertigen ist. Bleibt die Behandlung ohne Erfolg, sollte im Zweifel nochmals der Tierarzt kontaktiert werden. Bei Saugferkeln sollte bei anhaltender Unterkühlung, einem fehlenden Saugreflex oder Missbildungen bzw. Anomalien, mit denen das Ferkel nur mit Schmerzen oder Leiden leben kann, umgehend eine Nottötung erfolgen.

5. Wann erfolgte eine Nottötung zu spät?

Je größer die Schmerzen sind und je schlechter das Allgemeinbefinden des Schweines ist, desto früher muss es notgetötet werden, wenn die Behandlung aussichtslos ist oder ohne Erfolg bleibt. Insbesondere Anzeichen von chronischem Kümmern, wie ein starker Gewichtsverlust, das Hervorstehen von Beckenknochen, Rückenwirbeln und Rippen, ein eingefallener Schwanzansatz, eingefallene Flanken und ein struppiges Haarkleid sind eindeutige Anzeichen für einen längeren Krankheitsverlauf. Auch Druckstellen oder gar offene Druckgeschwüre und ältere Verletzungen weisen auf dauerhaftes oder vermehrtes Liegen über einen längeren Zeitraum und eine nicht geeignete Unterbringung sowie unzureichende Betreuung von kranken und verletzten Tieren hin.

Den ganzen Beitrag zur Nottötung lesen Sie in unsere aktuellen Ausgabe der LAND & FORST 39/21.

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