Immunokastration mit Improvac
Laura Schneider | am

Praxiserfahrungen mit der Immunokastration: Dem Tierwohl näherkommen

Reinhard Hüsing hat mit seinem Mastbetrieb am Projekt „100.000 Improvac-Tiere“ teilgenommen. Die Ergebnisse haben ihn überzeugt.

Ab Januar 2021 ist es nicht mehr erlaubt, Ferkel ohne Betäubung zu kastrieren. Neben der Kastration unter Betäubung und der Jungebermast stellt auch die Immunokastration eine Alternative dar. Dabei handelt es sich Impfung gegen Ebergeruch mit dem Impfstoff Improvac.

Für Reinhard Hüsing bedeutet diese Impfung vor allem ein Mehr an Tierwohl, was sich auch in den Tageszunahmen widerspiegelt. Der Mäster aus Suttrup (Freren) im Landkreis Emsland hat am Projekt „100.000 Improvac-Tiere“ teilgenommen.

Dieses Projekt haben die Landesbauernverbände in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern und das Netzwerk Sauenhaltung Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr ins Leben gerufen. Ziel war es, praktische Erfahrungen beim Einsatz von Improvac zu sammeln, die Praktikabilität der Impfung zu demonstrieren und die Improvac-Kastraten am Markt zu etablieren.

140 Tiere pro Stunde impfen

Hüsings Betrieb umfasst 900 Mastplätze und er bewirtschaftet ihn gemeinsam mit ein bis zwei Lehrlingen, seiner Frau und drei Söhnen. Die Ferkel bezieht er schon seit Jahren von einem festen Sauenbetrieb. Als dieser vor drei Jahren beschloss, die Ferkel künftig nicht mehr zu kastrieren, stellte Hüsing auf Ebermast um.

Anfang Dezember 2019 wurden dann die ersten Tiere auf Hüsings Betrieb mit Improvac geimpft. In den ersten drei Monaten kamen dazu Mitarbeiter von Improvac-Hersteller Zoetis auf den Betrieb. Seit März impft Hüsing die Schweine selbst. Dazu musste er eine Online-Schulung absolvieren.

Das Impfen beschreibt er als reine Übungssache: „Man muss sich da rantasten und braucht eine gewisse Zeit, bis es gut läuft.“ Um möglichst wenig Unruhe zu verursachen, geht eine Person allein zum Impfen in die Bucht – in einer Hand die Impfpistole, in der anderen Hand Farbspray, um geimpfte Tiere zu markieren. Laut Hüsing lassen sich so 140 Tiere in der Stunde impfen, dazu kommen im Anschluss circa zehn Minuten für die Reinigung.

Impfung bisher bei allen Tieren erfolgreich

Schweinemäster Reinhard Hüsing

Bezüglich der Arbeitssicherheit hat Hüsing keine Bedenken: „Respekt vor dem Impfstoff ist sicher nötig und es ist auch wichtig, die Sicherheitsvorschriften einzuhalten und zum Beispiel beim Impfen Handschuhe zu tragen, aber damit ist das machbar“, schildert er seine Erfahrungen.

Geschlachtet werden die Schweine am Schlachthof Tummel in Schöppingen, auch nach Projektende. Tiere, bei denen die Impfung nicht gewirkt hat, habe der Schlachthof bisher nicht gemeldet. 

Ruhigeres Verhalten und mehr Tierwohl

Den großen Vorteil der Impfung sieht der Mäster im Verhalten der Tiere. Sie seien deutlich ruhiger als Eber und es würden weniger Rangkämpfe und Beißereien oder Verletzungen auftreten, gerade nach dem Umstallen. „Die Tiere verhalten sich gleichmäßiger und dadurch fressen und wachsen sie auch gleichmäßiger“, beschreibt Hüsing das Verhalten der Improvac-Tiere. Auch im Vergleich zu chirurgisch kastrierten Ebern seien sie bedeutend ruhiger.

Durch diese Verhaltensänderung war für ihn schnell klar, dass er bei der Impfung bleiben wird. Ende Dezember mästete er neben den Improvac-Tieren noch eine letzte Gruppe mit Ebern. „In dieser Gruppe kam es wieder zu Beißereien, genau wie vorher in der Ebermast. Durch den direkten Vergleich stand ab diesem Punkt die Entscheidung fest: Wir impfen weiter. Damit kommen wir Tierwohl deutlich näher“, erklärt Hüsing.

Den vollständigen Artikel und einen Beitrag zu den Ergebnissen des Projekts "100.000 Improvac-Tiere" lesen Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 44/2020 und in der digitalen Ausgabe

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