Eber schaut zwischen Gitter hervor
Christian Wucherpfennig, LWK Nordrhein-Westfalen | am

Probleme und Chancen der Ebermast

Die Ebermast ist eine Alternative zur Ferkelkastration, doch der Ebergeruch erschwert die Vermarktung der Tiere. Was die langjährige Forschung zur Ebermast im Ökolandbau ergeben hat, war nun Inhalt einer Tagung.

Acht Jahre lang forschten Wissenschaftler im Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) zu Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration. Einer der Forschungsschwerpunkte ist die Ebermast. Bei einer Online-Tagung mit über 80 Teilnehmern stellten die Projektpartner vergangene Woche ihre Ergebnisse vor.

Einfluss der Fütterung

Katharina Heidbüchel und Daniela Werner vom Thünen-Institut für Ökologischen Landbau in Trenthorst (Schleswig-Holstein) beschäftigten sich mit dem Einfluss der Fütterung auf den Ebergeruch. Hauptursache für Ebergeruch sind die Stoffe Skatol und Androstenon, die in das Fettgewebe eingelagert werden. Skatol entsteht beim Abbau der Aminosäure Tryptophan durch Darmbakterien. Der Gehalt lässt sich über die Fütterung beeinflussen.

Daher prüfte Heidbüchel Kleegras als Raufutter im Vergleich zu Stroh. In beiden Versuchsvarianten unterschritten 72 Prozent der Schlachtkörper die Androstenon- und Skatolgrenzwerte. "Damit sind die Gehalte niedrig, aber die Auswirkungen der Kleegrasfütterung nicht zuverlässig genug", erklärte die Forscherin. Erfreulich sei das niedrige Niveau problematischer Befunde bei den Bonituren mit 90 Prozent unverletzter Penisspitzen.

Einfluss von Kartoffelstärke

Werner untersuchte den Einfluss von zehn Prozent Kartoffelstärke in der Endmast bei den Endstufenherkünften Pietrain und Dänischer Duroc, jeweils gekreuzt mit DE x DL. "Die Androstenongehalte waren bei der Rasse Duroc höher, was an der früheren Pubertät liegen könnte", vermutet sie. Die Skatolgehalte seien in beiden Gruppen niedrig gewesen, die Stärke habe nur bei den Pietrain-Ebern einen vermindernden Effekt gehabt. Verletzungen seien auch in diesem Versuch selten aufgetreten.

Jeanette Lange, Universität Kiel, bestätigte die verminderte Verletzungsgefahr in ökologischer Haltung. "Wir beobachteten keine Penisverletzungen in Betrieben mit reichlich Einstreu in allen Funktionsbereichen. Ein Betrieb mit geringem Stroheinsatz hatte dagegen 26 Prozent Penisverletzungen." Weibliche Tiere in der Nachbarbucht verdoppelten Kämpfe und Aufreiten mit einem geringen Einfluss auf den Androstenongehalt.

Konzept mit Ökoebern

Ulrike Westenhorst, LWK Nordrhein-Westfalen, war an der Entwicklung eines Konzepts zur Erzeugung, Schlachtung und Verarbeitung von Ökoebern mit fünf Praxisbetrieben und zwei Vermarktern beteiligt. Die Ergebnisse:

  • Bei ökologischer Haltung besteht keine Gefahr für erhöhte Verletzungsraten.
  • Stroheinstreu trägt möglicherweise zum Schutz vor Penisverletzungen bei.
  • Nur 1,44 Prozent der Eber waren geruchsauffällig.
  • Mit betriebseigenem Futter waren die Mastleistungen in der Regel schlechter bei höherem Muskelfleischanteil. Ein Betrieb erzielte nach Umstellung auf ein höherwertiges Futter mit höheren Aminosäurengehalten bessere Leistungen, bei einem anderen Betrieb war das nicht der Fall. Westenhorst begründete das damit, dass auch Haltung und betriebliches Management über die Leistungen entscheiden.

Neue Impfstrategie

Daniela Werner hat sich auch mit einer neuen Impfstrategie gegen Ebergeruch beschäftigt. 55 Ferkel wurden in der dritten und siebten Woche (6,6 kg und 16,4 kg) geimpft. Bei Verletzungen und Kratzern traten keine Unterschiede im Vergleich zur üblichen, späteren Impfung auf. Mast- und Schlachtleistungen sowie Muskelfleischanteil waren ähnlich. Sieben Prozent der Eber wiesen erhöhte An-drostenongehalte im Rückenfett auf. Die Impfung im Ferkelalter könne eine Alternative zur chirurgischen Kastration sein, doch Geruchsabweichungen ließen sich nicht vollständig ausschließen. In europäischen Bio-Betrieben ist die Immunokastration zurzeit nicht zulässig.

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