Protest von Tierrechtlern vor Wiesenhof
Meinung | Christa Diekmann-Lenartz | am

Protestcamp: Viel Lärm um nichts?

Für mich war es kein Termin wie jeder andere, als ich vergangene Woche zum Protestcamp vom "Bündnis gegen die Tierindustrie" in Goldenstedt gefahren bin.

Schließlich wäre auch ich als Redakteurin für Schweine- und Geflügelhaltung arbeitslos, wenn die zentrale Forderung der Camper umgesetzt würde: Sie wollen eine Abschaffung der Nutztierhaltung. Als Gründe führen sie den Umwelt-, Klima- und Tierschutz an. Außerdem kritisieren sie die hiesigen Strukturen der "Tierindustrie", von denen ihrer Meinung nach nur die Großunternehmen wie Wiesenhof oder Tönnies profitieren.

Lohnt das Gespräch mit Aktivisten?

Angesichts der für Tierhalter sehr extremen Forderung des Camps hatte ich mich vorher gefragt: "Soll ich da wirklich hinfahren, bringt es was, sich mit ‘denen‘ zu unterhalten, die aus ganz anderen Lebenswelten kommen?"

Diese Frage stellten wir auch auf der LAND & FORST-Facebook-Seite. Es gab viele Rückmeldungen. Viele Antworten gingen in die Richtung: "Nein, das ist Zeitverschwendung! Das bringt nichts! Das sind ein paar Spinner!"

Landwirtschaft muss im Gespräch bleiben

Es gab aber auch nachdenkliche Stimmen bei Facebook und in Gesprächen mit Zuschauern am Rand der Protestaktion bei Wiesenhof in Rechterfeld. Dort blockierten gut 100 Aktivisten des Camps die Zufahrt für ca. zehn Stunden - im Großen und Ganzen friedlich.

Die nachdenklichen Stimmen besagten, dass die Landwirtschaft diskutieren sollte, allein schon, damit sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird mit ihren Herausforderungen, und das Feld nicht allein den Tierhaltungsgegnern überlässt. Oder dass man die Proteste versteht, weil die Politik bisher nichts erreicht hat in Sachen mehr Tierwohl.

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Reden bringt nichts?

Ich habe mir bei Wiesenhof und auch im Camp die Argumente der Aktivisten angehört und ich habe meine Sichtweise erklärt. Das Ergebnis: Ich bin nach wie vor gegen einen Ausstieg aus der Tierhaltung, ich bin nach wie vor für eine Weiterentwicklung mit geringeren Tierzahlen, wirtschaftlich machbar. Und ich werde weiter Fleisch essen.

Die Aktivisten werden weiter fordern, dass es einen Ausstieg aus der Tierhaltung geben muss. Und sie werden weiter vegetarisch oder vegan leben. Also doch nur vertane Zeit und miteinander reden bringt nichts?

Nicht nur Spinner

Ein paar Dinge haben mich nachdenklich gemacht: In der Woche des Protestcamps ging der VEZG-Schweinepreis um sechs Cent runter, obwohl auch die 1,48 Euro vorher schon nicht kostendeckend waren - und das nach dem für Schweinehalter ruinösen Corona-Winter. Und es gab Meldungen, dass Schlachthöfe die vereinbarten 5,28 Euro Aufschlag für Schweine der Initiative Tierwohl nicht zahlen wollen.

Und: Angesichts der verheerenden Starkregen im Westen und Süden reden jetzt alle vom Klimawandel und dass viel mehr für den Klimaschutz zu tun ist. Das sagen nicht mehr nur einige "Spinner".

Ein kleiner gemeinsamer Nenner

Gibt es - solange die "rote Linie" Stalleinbrüche etc. nicht überschritten wird - vielleicht doch einen kleinen gemeinsamen Nenner? Gute und umsetzbare Ideen, wie es hierzulande weitergehen soll, sind für alle Bereiche gefragt. Es ist egal, von wem sie kommen.

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