PRRS-Fragen-Landwirteakademie-B1_CDL

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Christine Renken, Johanna Vogels, Unterschleissheim | am

PRRS-Virus: Altes Thema, immer wieder neue Fragen

Bei der jüngsten Veranstaltung der Landwirte-Akademie ging es um das Dauerthema PRRS. Organisiert von MSD Tiergesundheit, wurden im Online-Format Fragen der Teilnehmer beantwortet. Hier eine Zusammenstellung.

Was ist eigentlich das Besondere am PRRS-Virus?

Das PRRS-Virus (Porzines Reproduktives und Respiratorisches Syndrom) gehört zu den RNA-Viren und es sind zwei Spezies bekannt (Spezies 1/EU und Spezies 2/US). Das Virus generell ist sehr mutationsfreudig, wodurch im Feld viele Varianten vorkommen. Die Übertragungswege sind vielfältig. Das Virus kann sowohl intrauterin auf die Feten, von Schwein zu Schwein über Sperma, Nasensekret, Speichel, Gülle und Aerosole, aber auch durch Vektoren wie Transportfahrzeuge oder Kleidung übertragen werden. Dabei reichen schon geringste Mengen Virus aus für eine Infektion.

Eine weitere Eigenschaft des Virus ist die Möglichkeit des Rückzugs in das lymphatische Gewebe nach einer Infektion. Dort kann es unbemerkt vom Immunsystem verbleiben, ohne sichtbare Probleme zu verursachen. Unter besonderer Belastung kann es dann wieder reaktiviert werden, wobei wieder eine Vermehrung und Ausscheidung des Virus stattfinden. Im Bestand sehen wir dann ggf. erneut Krankheitssymptome.

Welche Schäden verursacht das PRRS-Virus im Bestand?

In Sauenbeständen liegt der Schwerpunkt der Klinik auf Spätaborten, Frühgeburten, Geburten lebensschwacher oder toter Ferkel, erhöhter Saugferkelsterblichkeit und auch einer erhöhten Umrauschquote. In der Ferkelaufzucht und in der Mast leiden die Tiere häufig unter Husten, Atemnot oder teilweise Fieber. Eine Folge der Infektion mit PRRSV kann neben reduzierten Tageszunahmen und Kümmern auch eine Immunschwäche der Tiere sein. Diese Immunschwäche kann sie prädisponieren für sekundäre Infektionen etwa durch Streptokokken oder auch APP. Eine aktuelle Studie zeigt, dass ein PRRS-Ausbruch im Sauenbestand bis zu 211 €/Sau/Ausbruch kosten kann.

Wann impfe ich am besten und welche Tiergruppen?

Auch in der Veterinärmedizin gibt es eine Ständige Impfkommission, die Impfempfehlungen ausspricht (https://stiko-vet.fli.de/de/impftabelle/e-schweine). Für Zuchtbestände in PRRSV-endemischen Gebieten gilt die klare Empfehlung, Sauen gegen die PRRSV-Spezies 1 zu impfen, um einen Übertrag des Virus über die Plazenta an die Feten zu verhindern. Weiterhin sollten die Jungsauen während der Eingliederung grundimmunisiert werden. Wiederholungsimpfungen sind alle drei bis vier Monate oder reproduktionsbezogen durchzuführen.

Sollten durch das PRRS-Virus Atemwegsprobleme bei Aufzuchtferkeln oder Mastschweinen auftreten, ist auch hier eine Impfung sinnvoll. Weiterhin sollten Ferkel am Standort der Sauen mit geimpft werden, wenn die Herde dauerhaft infiziert ist und ständig PRRSV-Probleme im Bestand auftreten.

Die Impfung gegen den PRRSV-Spezies 2 wird nur bei einem positiven Nachweis im Bestand und einem ursächlichen Zusammenhang zu klinischen Befunden empfohlen. PRRSV-freie Bestände sollten nicht geimpft werden, um den Status zu erhalten. Vor dem Einstieg in die Impfung sollte für einen bestmöglichen Impferfolg ein individuelles Programm für den Betrieb erarbeitet werden.

Sollte der Impfstoff immer mal wieder gewechselt werden?

Ein Impfstoffwechsel innerhalb eines Betriebes sollte genau überdacht werden. Er ist auch mit dem Risiko verbunden, dass neue krankmachende PRRSV-Varianten entstehen können. Neben den ständigen Mutationen des Virus können aus zwei oder mehr in der Herde vorhandenen PRRS-Viren auch neue PRRSV-Stämme entstehen. An einer solchen „Rekombination“ können auch sich im Bestand vermehrende Impfviren beteiligt sein.

Welche Eigenschaften ein solches neu entstandenes PRRS-Feldvirus hat, kann nicht vorhergesagt werden. Welchen Schaden allerdings eine krankmachende Rekombination verursachen kann, zeigt der jüngste Fall aus Dänemark aus 2019: Hier verursachte eine krankmachende Rekombination einen schweren Krankheitsausbruch in über 38 Betrieben mit Fruchtbarkeitsstörungen und hoher Ferkelsterblichkeit. Es ist anzunehmen, dass die Wahrscheinlichkeit solcher Rekombinationsereignisse mit der Dauer, die ein PRRS-(Impf-)Virus in einer Herde ausgeschieden wird und zirkuliert, erheblich steigt. Schließlich sind dann einfach mehr PRRS-Viren zur selben Zeit am selben Ort. Deshalb ist zum Beispiel eine kurze Ausscheidungsdauer des Impfstammes sehr wichtig. Um Fälle wie den in Dänemark zu vermeiden, empfiehlt die europäische Arzneimittelagentur mittlerweile einen sorgfältigen Umgang mit PRRS-Impfstoffen. Es sollen nicht zeitgleich oder rotierend verschiedene PRRS-Impfstoffe in einem Betrieb eingesetzt werden. Außerdem soll bei dem Wechsel eines Impfstoffs eine Übergangsperiode eingehalten werden.

Muss ich außer impfen noch etwas tun?

Ja, auf jeden Fall! Infiziert ein Feldvirus einen geimpften Bestand, zeigen die Tiere durch die bessere Immunantwort eine abgeschwächte Klinik. Damit reduziert sich im Schnitt zwar der wirtschaftliche Schaden, aber es gibt ihn trotzdem. Daher sollte man auf jeden Fall noch andere Maßnahmen ergreifen, um seinen Bestand zu schützen. Das sind besonders Managementmaßnahmen in Hinblick auf die betriebliche Biosicherheit. Es sollte jeglicher Neueintrag von PRRS-Feldviren in den Bestand verhindert werden. Denn nur weil der Bestand geimpft wurde oder schon eine Virusvariante vorhanden ist, bleiben weitere PRRS-Stämme nicht automatisch draußen.

Auch interne Maßnahmen wie zum Beispiel die Gestaltung des Tierflusses und der Laufwege auf dem Betrieb gehören hier dazu: So soll vermieden werden, dass bei einem Eintrag in die Mast, das Virus nicht in die Sauenherde oder Aufzucht getragen wird. Strenge Rein-Raus-Verfahren, bestandseigene Kleidung, Besucherverkehr, die Einhaltung eines Schwarz- und Weiß-Bereiches, aber auch die fachgemäße Eingliederung von Jungsauen sind weitere Maßnahmen, die die Ansteckungswahrscheinlichkeit im Betrieb senken sollen. Die Umsetzung sollte betriebsindividuell mit dem bestandsbetreuenden Tierarzt beraten werden.

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