Interner Zitzenversiegler
Laura Schneider | am

Ratgeber: Antibiotikareduktion Teil 1 – Trockenstellen

In der Milchviehhaltung besteht noch Einsparpotenzial für Antibiotika. Eine Möglichkeit ist ein selektives Trockenstellprogramm.

Der Milchsektor ist bisher vom staatlichen Antibiotikamonitoring weitestgehend unberührt geblieben. Die bisherigen Maßnahmen gelten nur für den Mastbereich, aber eine Ausweitung auf die Milchproduktion ist durchaus möglich.

Noch stärker wird sich auswirken, dass Verbraucher immer mehr einen verantwortungsvollen und gezielten Einsatz von Antibiotika fordern. Die Einzelhandelsunternehmen geben diese Forderung über die Molkereien an die Milchviehhaltern weiter.

Selektives Trockenstellprogramm

Vor diesem Hintergrund ist es zukünftig nicht mehr realistisch, alle Tiere antibiotisch trockenzustellen. Das war über viele Jahre eine effektive Methode, um bestehende Infektionen der Milchdrüse während der Trockenstehzeit ausheilen zu lassen und vor Neuinfektionen zu schützen.

Allerdings werden dabei viele Tiere mit Antibiotika behandelt, obwohl keine Infektion vorliegt. Mit den richtigen Auswahlkriterien und betrieblichen Rahmenbedingungen können Sie mit einem selektiven Trockenstellprogramm antibiotische Trockensteller einsparen und gleichzeitig einer Gefährdung der Eutergesundheit effektiv entgegenwirken.

Das sind die Voraussetzung für den erfolgreichen Umstieg auf ein selektives Trockenstellprogramm:

1. Hygiene

Hygiene spielt bei der Anwendung von Eutertuben zum Trockenstellen eine äußerst wichtige Rolle, aber auch in den Boxen, im Laufgang und im Abkalbestall.

2. Interne Zitzenversiegler

Zusammen mit guten hygienischen Haltungsbedingungen ist ein interner Zitzenversiegler in der Lage, den Schutz vor Neuinfektionen durch einen antibiotischen Trockensteller zu ersetzen.

Wichtig ist, dass Sie den Zitzenversiegler korrekt anwenden (Abdrücken der Zitzen an der Zitzenbasis). Worauf Sie dabei achten müssen, kann Ihnen Ihr Haustierarzt erläutern und demonstrieren.

​​​​​​​3. Effektives Monitoring der Eutergesundheit

Um den Erfolg des Programms zu prüfen, müssen Sie die Mastitiserreger kennen, die am Mastitisgeschehen im Betrieb beteiligt sind. Diese können Sie mit bakteriologischen Untersuchungen von Milchproben in Erfahrung bringen.

Außerdem sollten Sie regelmäßig die Eutergesundheitskennzahlen kontrollieren.

4. Kriterien für die richtige Therapie definieren

Ein erfolgreiches selektives Trockenstellprogramm setzt sinnvolle Kriterien voraus, anhand derer Sie infizierte Tiere möglichst sicher finden und entscheiden, welches Tier eine antibiotische Therapie benötigt.

Eine Möglichkeit ist die Kombination der folgenden Kriterien:

  • Zellzahl der MLP der letzten ein bis drei Monate (Grenzwert 100.000)
  • Mastitisvorgeschichte des Tieres
  • Ein kurz vor dem Trockenstellen durchgeführter Schalmtest

Einen Entscheidungsbaum mit Kriterien zum selektiven Trockenstellen finden Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 26/2020 und in der digitalen Ausgabe.

Daneben gibt es Konzepte mit bakteriologischen Milchprobenuntersuchungen oder Schnelltestsystemen.

5. Chronisch euterkranke Tiere aus der Herde nehmen

Die Therapie während der Trockenstehzeit hat ihre Grenzen: Bei Tieren, die mit 700.000 Zellen/ml in den letzten drei MLP als chronisch euterkrank ausgewiesen wurden, erhöht auch ein antibiotischer Trockensteller die Heilungsrate nicht.

Ein interner Zitzenversiegler kann vor Neuinfektionen während der Trockenstehzeit schützen, aber die Tiere stellen ein Infektionsrisiko für andere Tiere dar und sollten die Herde möglichst bald verlassen.

6. Den Tierarzt zurate ziehen

Ihr Tierarzt ist der richtige Ansprechpartner, um ein selektives Trockenstellprogramm erfolgreich zu etablieren.

Den gesamten Artikel lesen Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 26/2020 und in der digitalen Ausgabe.

Mit Material von ​​​​​​​Dr. Martin tho Seeth, Anne Schmenger, Prof. Volker Krömke

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