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Jan Hempler, LBZ Echem | am

Ratgeber: Ausläufe richtig planen und verstehen

Im Hinblick auf Tierwohl, Tiergesundheit und Arbeitserleichterung ist es wichtig, Auslaufsysteme für Schweine vor dem Bau gut zu durchdenken. Auf diese acht Punkte sollten Sie bei Planung und Gestaltung eines Auslaufs achten.

Die gesellschaftliche Diskussion zum "Umbau der Tierhaltung" und die geplante Einführung des staatlichen Tierwohllabels mit verpflichtenden Ausläufen in Stufe 3 ist Auslöser dafür, dass viele Schweinehalterinnen und Schweinehalter derzeit Ausläufe für ihre Tiere schaffen. Gut geplante und geführte Ausläufe ermöglichen neben einer stabilen Tiergesundheit eine Arbeitserleichterung. Wenn Sie beim Stallbau bestimmte Verhaltensmuster der Schweine beachten, fallen 95 Prozent der Ausscheidungen und somit der gesamte Mist im Auslauf an. Daher lohnt es sich, Auslaufsysteme vor dem Bau gut zu durchdenken.

1. Die Planung

Ausläufe sind wasserrechtlich genehmigungsfrei. Der Beton muss aber wasser- und säurefest sein und es darf keine Jauche austreten. Für eine Überdachung ist eine Baugenehmigung nötig. Bisher gab es für Ausläufe und Offenfrontställe keine generelle immissionsschutzrechtliche Beurteilung, sodass sie bei der Umweltverträglichkeitsprüfung wegen ihrer diffusen Emissionen schlechter abschnitten als gekapselte Systeme mit Zwangsentlüftung. Mit der neuen TA Luft soll aber bei Genehmigungsverfahren das Tierwohl im Vordergrund stehen, sodass weniger Probleme zu erwarten sind. Kreisveterinärämter können eine Auslauf- oder Freilandhaltung untersagen, sie sollten daher bei der Planung mit einbezogen werden. 

2. Ausläufe am Stall richtig anordnen

Durch Anordnung der Ausläufe an der Längsseite des Stalles entsteht eine lange Mistachse, die das Entmisten und Einstreuen erleichtert. Wichtig ist eine Ausrichtung in Südrichtung. Ist das nicht möglich, weil zum Beispiel auf jeder Stallseite ein Auslauf geplant wird, ist bei Neubauten darauf zu achten, dass der Giebel in Hauptwindrichtung (Ost-West) steht. Das verhindert Zugluft im Stall und die Ausläufe sind immer gut mit Frischluft durchspült. Das fördert trockene Ausläufe und vermindert den Fliegenbesatz. An der Südseite sollten Sie einen Sonnenschutz einplanen, um die Hitzebelastung an heißen Tagen zu reduzieren.

3. Geeignete Bodengestaltung

Der Auslauf liegt zehn bis 15 Zentimeter unter dem Stallinnenniveau. Durch ein vom Stall fortführendes Gefälle des planbefestigten Bodens von drei bis fünf Prozent laufen Niederschlags- und Tränkewasser sowie Jauche schnell ab. Eine Betonstufe entlang der Stallaußenwand dient als Abschiebekante für die Frontladerschaufel beim Entmisten und verhindert, dass Schweine beim Rein- und Rauslaufen Mist in den Stall ziehen. An der Außenseite des Auslaufs verhindert eine 50 Zentimeter hohe Aufmauerung, dass Mist und Jauche austreten. Schweine aus Auslaufhaltung reagieren beim Transport wesentlich stressfreier. Bei ferkelführenden Sauen und Ferkeln, die empfindlich auf Zugluft und Wind reagieren, bietet sich eine höhere Mauer an. Spaltenboden hat sich im Auslauf nicht bewährt.

4. Abfluss von Flüssigkeiten sicherstellen

Bei zehn Masttieren in einer Bucht fallen täglich bis zu 60 Liter Harn an, dazu kommt das Niederschlagswasser. Um gute Hygiene zu gewährleisten und Emissionen weitmöglichst zu vermeiden, müssen Ausläufe so trocken wie möglich sein. In der Praxis sind verschiedene Entwässerungssysteme beziehungsweise Jaucherinnen im Einsatz, die alle Vor- und Nachteile haben:

  • Die Wiedmannrinne ist eine offene Schlitzrinne. Sie nimmt gut Flüssigkeit auf, muss aber oft gereinigt werde, damit sie nicht verstopft.
  • Jauchekanäle mit Spaltenelementen verstopfen oft, sind Brutstätten für Fliegen und auch Nagetiere fühlen sich hier wohl.
  • Die Grüne Rinne ist geschlossen und mit Löchern versehen. Flüssigkeit wird nicht so schnell abgeleitet. Zur Verstopfung kommt es meist bei falscher Verlegung mit zu hohem Gefälle.

5. Zugänge zum Auslauf

Den Zugang zu den Ausläufen bilden Schlupflöcher, deren Maße sich nach dem Alter der Tiere richten. Sie werden in einer Ecke der Bucht geplant, um die Ruhezone im Stall zu vergrößern. Frostunempfindliche Kunststoffvorhänge vermeiden Zugluft. Schweine lernen schnell, wie sogenannte Rüsseltüren mit Griff funktionieren. Wegen ihrer Lautstärke beim Öffnen und Schließen haben sich diese aber zumindest in Mast und Ferkelaufzucht nicht durchgesetzt. Zum Verschließen der Durchgänge dient in der Regel ein Fallschott.

6. Trenngitter ermöglichen Kontakt zur Nachbarbucht

Da die Trennwände im Stall geschlossen sind, können die Schweine getrennter Buchten nur im Auslauf Kontakt aufnehmen. So kommt es am Außengitter zu Revierkämpfen und -markierungen durch Absetzen von Kot und Harn. Hier fällt der Großteil des Mists an. Zum Entmisten werden die als Schwenktore gestalteten Trenngitter geöffnet und die Schweine im Stall eingeschlossen. Danach lässt sich der Mist mit einem Schlepper durch den Auslauf schieben. Andere Lösungen wie Mistschieber haben sich nicht bewährt. Überdachte Ausläufe werden ein- bis zweimal pro Woche entmistet. Die Entmistungsintervalle richten sich nach Niederschlagsmenge, Tierbesatz, Einstreuintensität und Strohqualität.

7. Tränken nur im Auslauf

Schweine misten gerne dort ab, wo es nass ist. Deshalb befinden sich die Tränken im Auslauf. Sie werden frostfrei verlegt beziehungsweise mit einer Heizkreislaufwasserpumpe betrieben. Hersteller von frostsicheren Tränkesystemen garantieren Frostsicherheit für isolierte Leitungslängen von bis zu 200 Metern. Allerdings ist der Energieaufwand dafür nicht zu unterschätzen. Als Tränkemöglichkeit gibt es Zapfen- oder Beckentränken. Letztere sind schwerer sauber zu halten, aber artgerechter, da Schweine lieber Wasser von einer offenen Oberfläche aufnehmen.

8. Ausläufe überdachen

Eine Überdachung verringert Emissionen durch nassen Mist und schützt die Tiere vor Sonne, Regen und Wind. Bei einem Strohverbrauch von rund einer Dezitonne je Mastschwein und drei Dezitonnen je Sau ist die Einstreu ein erheblicher Kostenfaktor. In unüberdachten Ausläufen kann sich der Bedarf schnell verdoppeln bis verdreifachen. Bei Biobetrieben ist allerdings nur eine Teilüberdachung erlaubt, um den Tieren Klimareize zu bieten. Kontrollbehörden empfehlen eine Überdachung von maximal 50 Prozent. Die Überdachung sollte keine Lichtplatten enthalten, da es darunter zu enormer Hitzentwicklung kommen kann. Die Traufhöhe sollte mindestens 3,20 Meter betragen, damit das Entmisten auch mit einem größeren Schlepper möglich ist. 
 

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