Puten
Laura Schneider | am

Ratgeber: Beschäftigung und Struktur für Puten

Beschäftigungsmaterial und Raumstrukturierung sind wichtige Stellschrauben, um Federpicken und Kannibalismus bei Puten zu vermeiden oder gegenzusteuern. Diese Optionen können Putenhalterinnen und -halter nutzen.

Federpicken und Kannibalismus bei Puten sind ernstzunehmende Tierwohlprobleme und können zu hohen ökonomischen Verlusten führen. Beschäftigungsmaterial und Raumstruktur sind Ansatzpunkte, um die Verhaltensstörungen zu vermeiden oder gegenzusteuern. Das war kürzlich Thema eines OnlineSeminars des Netzwerks Fokus Tierwohl. Inhalt waren unter anderem die Anforderungen an Beschäftigungsmaterial.

Anforderungen für das Beschäftigungsmaterial

  • Es muss veränderbar,
  • langanhaltend interessant
  • und möglichst fressbar sein,
  • die richtige Struktur und Härte haben (je nachdem, ob Puten schnabelkupiert sind oder nicht),
  • es darf die Tiergesundheit nicht gefährden
  • und sollte sich ohne allzu hohen Arbeits- oder Kostenaufwand in das Management integrieren lassen.

Das kann als Beschäftigungsmaterial genutzt werden

Als Beispiele nannten Dr. Jutta Berk vom Friedrich-Loeffler-Institut und Geflügelfachtierarzt Dr. Ronald Günther:

  • Pickblöcke,
  • Strohballen/ frische Einstreu,
  • Körbe oder Netze mit Heu, Stroh oder Silage,
  • pendelnde Strohbänder (auf Knoten am Ende achten, damit die Tiere die Enden nicht aufspleißen und sich erhängen),
  • Plastik- oder Metallobjekte (Kabelbinder, Ketten),
  • Futterspender,
  • oder alte Bekleidungsstücke.

Alternative Beschäftigung

Jennifer Gonzalez vom Landesamt für ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung Brandenburg ging zudem auf verschiedene alternative Beschäftigungsmöglichkeiten ein, die in Versuchen getestet wurden:

  • Automatische Pickaktivitätserfassung: Mithilfe eines metallischen Pickobjekts mit integriertem Mikrophon wird die Pickaktivität einer Herde erfasst, um eine erhöhte Pickaktivität zur Früherkennung von Kannibalismus zu nutzen.
  • Automatische Einstreu- und Beschäftigungsanlagen: In einem Projekt wurden verschiedene Anlagen entwickelt und getestet, die Getreide, Leguminosen oder Silage in den Stall transportieren. Das senke zugleich das Eintragsrisiko für Krankheitserreger. Allerdings müsse das Material die richtige Struktur haben, damit die Puten es akzeptieren, es aber mit den Anlagen kompatibel ist.
  • Larven der Schwarzen Soldantenfliege in der Einstreu: Die Verwendung lebender Larven fällt nicht unter das Futtermittelgesetz, erfordert aber eine Genehmigung durch die untere Naturschutzbehörde. Die Akzeptanz war in einer Studie gut, doch die Puten waren meist nur 20 bis 45 Minuten mit Scharren und Suchen beschäftigt und ab der 15. Lebenswoche ebbte ihr Interesse ab. Als weiterer Nachteil erwies sich der Arbeitsaufwand für das Verteilen der Larven sowie hohe Kosten durch Lagerung, Kühlung und Transport.

Was tun, wenn das Interesse sinkt?

Gonzalez sieht in allen Ansätzen Potenzial, doch alle müssten noch optimiert werden. Zudem seien alternative Beschäftigungsmöglichkeiten meist kostspielig, erforderten eine Kombination mit traditionellen Materialien und brächten trotz Automatisierung einen gewissen Arbeitsaufwand mit.

Hinsichtlich des größten Problems bei Beschäftigungsmaterial für Puten waren sich die Referenten einig: Die Materialien seien meist nur für eine begrenzte Zeit interessant für die Tiere. Gerade, wenn Puten ab der 15. Lebenswoche die Geschlechtsreife erreichen, sinke die Akzeptanz. "Beschäftigungsmaterial allein kann Federpicken und Kannibalismus langfristig nicht verhindern", betonte Günther. Gute Möglichkeiten sieht er aber in einem "Notfallkoffer" mit besonders attraktiven Materialien, die nur in kritischen Phasen zum Einsatz kommen. Eine gute Möglichkeit sieht er in der Kombination von Beschäftigung und Stallstrukturierung.

Ställe strukturieren

Berk zufolge bietet Strukturierung verschiedene Vorteile:

  • Die Puten können Rückzugs- und Unterschlupfmöglichkeiten für ihr Ruheverhalten nutzen sowie Flucht- und Ausweichmöglichkeiten,
  • möglicherweise treten weniger aggressive Auseinandersetzungen auf,
  • Sitzstangen, erhöhte Ebenen oder Strohballen ermöglichen Puten mit dem Aufbaumen ein Grundbedürfnis,
  • sie können ihr Erkundungsverhalten ausleben,
  • Aktivität und Fitness steigen
  • und der Stall wird in Aktivitäts- und Ruhebereiche gegliedert. Das ist laut Berk gerade in großen Beständen wichtig, da einzelne Tiere immer aktiv seien und die übrigen stören würden.

Außenreize anbieten

Günther hob die Stimulation durch eingezäunte Volieren oder Außenklimabereiche hervor. Neben Struktur biete das den Tieren alternative Temperatur- und Lichtbereiche sowie Außenreize durch die optische Wahrnehmung. Wichtig sei eine feste Bodenplatte, gleichmäßig über den Stall verteilte Ausgänge, eine Abschirmung gegen Vögel und Raubtiere sowie ausreichend Dachüberstand und Windschutzvorrichtungen. Eine Herausforderung seien die Konflikte zwischen Tierschutz sowie Bau- und Emissionsschutzrecht: Bestehende Anlagen müssten für den Anbau eines Außenbereichs komplett neu bewertet werden und würden nicht ohne Weiteres genehmigt.
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