Liegende Kühe in Liegeboxen
Laura Schneider | am

Ratgeber: Wie Sie mit Liegekomfort die Gesundheit Ihrer Kühe fördern

In komfortablen Boxen liegen Kühe länger. Lesen Sie, worauf es bei der Gestaltung der Liegeflächen und den Boxenabmessungen ankommt.

Unter optimalen Bedingungen liegen Kühe zwölf bis 14 Stunden pro Tag. Ausreichend langes Liegen kann die Gesundheit und Leistung der Tiere fördern:

  • Herden mit längeren Liegezeiten zeigen weniger Klauenprobleme.
  • Liegende Kühe machen im Durchschnitt bis zu fünf Kauschläge pro Bissen mehr. Das beeinflusst Futterverwertung und Säurebildung im Pansen positiv.
  • Mit den Liegezeiten steigt die Durchblutung des Euters und damit die Infektionsabwehr im Euter sowie die Milchleistung.

Die Dauer der Liegephasen hängt vor allem vom Komfort der Liegeboxen ab. Daher können Sie die Liegezeiten Ihrer Kühe erhöhen, wenn Sie Liegeflächen und Boxenabtrennungen richtig gestalten.

Liegeboxen und Boxenabtrennungen

  • Pro Kuh sollte eine Liegebox zur Verfügung stehen. Besser ist es, mit einer Unterbelegung zu arbeiten. Wenn es nicht genug Liegeboxen gibt, kann das Nachteile für Leistung und Tiergesundheit haben.
  • Die Liegefläche sollte trittsicher, verformbar, eben und trocken sein. Nach vorne hin sollte sie um zwei Prozent ansteigen.
  • Trennbügel und weitere Rohrelemente dürfen die Kuh beim Aufstehen, Abliegen und Liegen nur steuern, nicht einschränken. Eine Übersicht über die Mindestmaße der Liegeboxengestaltung gibt die Tabelle.

Planungsmaße für Liegeboxen

Empfehlungen und Planungsmaße zur Gestaltung von Liegeboxen nach DLG-Merkblatt 379

Boxenbügel

Liegende Kuh in Liegebox
  • Er soll den Anspruch der Tiere an seitliche Ruhezonen sicherstellen und das gerade Betreten der Box sowie das gerade Abliegen ermöglichen.
  • Der Freiraum unter dem Bügel im hinteren Bereich darf die Tiere weder beim Aufstehen noch beim Abliegen behindern. Stimmen die Maße nicht, zeigen die Tiere das durch abgescheuerte Stellen bis hin zu geschwollenen Beulen an der Wirbelsäule.
  • Flexible Boxenabtrennungen bieten eine Alternative zu starren Systemen. Sie weichen den Tieren beim Abliegen aus, sodass die Kühe deutlich weniger mit den Abtrennungen in Kontakt kommen und weniger Schäden durch die Einrichtung aufweisen.

Nackenrohr

  • Es dient beim Betreten der Box als Begrenzung nach vorn.
  • Es sollte so eingestellt sein, dass bei Berührung von Nackenrohr und Widerrist eine Verschmutzung der Box mit Kot vermieden wird. Die Höhe über der Liegefläche und die Entfernung zur hinteren Boxenschwelle sollten es den Kühen erlauben, mit vier Beinen in der Box zu stehen.
  • Ist es zu niedrig, zeigen die Tiere haarlose Stellen bis hin zu aufgescheuerten Wunden am Widerrist.
  • Als Alternative bieten sich gebogene Rohre, Ketten oder Gurte an. Je nach Flexibilität ermöglichen diese jedoch keine ausreichende Steuerung, sodass Tiere die Box zu zweit betreten oder sie durch Kot verschmutzen.

Bugschwelle

  • Sie hat die Aufgabe, den Ausfallschritt der Kuh beim Abliegen zu begrenzen.
  • Sie sollte mindestens 20 cm vor dem Nackenrohr positioniert werden und nicht höher als 10 cm über der Liegefläche enden. Ist sie höher, können die Kühe das Bein nicht nach vorne strecken und so keine natürliche Liegeposition einnehmen.
  • Die Schwelle sollte oben abgerundet sein und keine Kanten haben.
  • Das Material ist meist Holz oder Plastik. Wichtig ist, dass es nicht splittern kann. Dicke Baumstämme beeinträchtigen den Komfort, da sie die Kühe in verschiedenen Liegepositionen behindern.
  • Bugschwellen können auch weggelassen werden. Sind Bügel und Nackenrohr richtig eingestellt, können die Tiere dann ohne Begrenzung nach vorn wie auf der Weide entspannt liegen.

Hochboxen

Kühe in Hochboxen

Die Hochbox hat eine hochverlegte betonierte Liegefläche mit einem weich-elastischen Belag. Eine organische Einstreu nimmt Flüssigkeitseinträgen auf.

Folgendes sollten Sie bei Hochboxen beachten:

  • Die verwendeten Einstreumaterialien wie Häckselstroh oder Sägespäne halten bei den meisten Belägen schlecht und ein zweimal tägliches Einstreuen ist nötig. Inzwischen gibt es aber auch kombinierte Hochboxen, die mehr Einstreu halten können und bei richtigem Management Arbeitszeit in der Boxenpflege einsparen.
  • Wird nicht genug Flüssigkeit gebunden, kann das zu Haarausfall und aufgeweichter Haut an den Gelenken führen.
  • Späne können Fell und Gelenke aufscheuern. Daher eignen sich nur Späne aus Weichhölzern.
  • Reinen Kalk sollten Sie nicht als Flüssigkeitsbinder einsetzen, da Kalk die Haut stark austrocknet und es zu Haarausfall kommen kann. Zudem verschmutzen die Kühe sehr stark.

Tiefboxen

In Tiefboxen bildet eine organische Matratze die Liegefläche. Die Einstreu bindet Feuchtigkeit und bietet den Tieren einen keimarmen Untergrund zum Liegen sowie ein Wärmepolster.

  • Reine Strohmatratzen lassen sich sehr schwer verdichten und die Tiere wühlen viel Material aus der Box heraus. Der Aufwand des Nachstreuens ist daher sehr hoch.
  • Lose Schüttungen mit Sägespänen bilden keine Matratze und die Tiere tragen einen hohen Anteil aus den Boxen aus. Es ist darauf zu achten, dass immer eine mindestens zehn Zentimeter dicke Tragschicht in der Box bleibt. Außerdem sollten Sie nur Späne von Weichhölzern verwenden. Der Vorteil von Sägespänen ist ihre gute Wasserbindung und die hohe Saugfähigkeit. Sie nehmen Schwitzwasser sehr gut auf und die Tiere sind sehr sauber. Nachteilig sind die intensive Pflege und die hohen Materialkosten.
  • Bei einer Kalk-Strohmatratze wird die Matratzenschicht mit einem Mischungsverhältnis von je einem Teil Stroh und Wasser sowie drei Teilen Kalk hergestellt und in die Boxen eingebracht. Durch eine Deckschicht aus Stroh kommen die Tiere nicht mit dem Kalk in Berührung und verschmutzen deutlich weniger.

Besonderheiten von Tiefboxen

Die eingesetzten Komponenten sind meist hygienisch unbedenklich und die Materialbeschaffung in der Regel unproblematisch. Bei richtiger Pflege sind die Tiere sehr sauber und nehmen die Boxen gut an. Schwachstellen entstehen durch mangelnde Pflege und zu geringes Nachfüllen der Matratzenmaterialien:

  • Die Liegeboxen werden uneben und hart.
  • Der Liegekomfort leidet.
  • Tiere stehen vermehrt länger in den Boxen stehen, bevor sie sich hinlegen und zeigen insgesamt kürzere Liegephasen.
  • Häufig treten Schäden an den Karpalgelenken auf. Auf diesen lastet beim Aufstehen und Abliegen punktuell das gesamte Gewicht der Kuh. Befindet sich zu wenig Einstreu in den Boxen, stützen sich die Kühe auf Beton.

Die Deckschicht in den Boxen sollte wöchentlich erneuert und die Basismatratze alle sechs Wochen ergänzt werden. Beim Aufbau der organischen Matratze sollten Sie eine Rüttelplatte verwenden, um diese ausreichend zu verdichten. 

Schwachstellen prüfen

Stehende Kühe in Liegeboxen

Sie sollten Ihren Stall, vor allem im Liegebereich, regelmäßig gezielt auf Schwachstellen überprüfen. So können Sie diese abstellen und den Komfort weiter verbessern.

Ob die Akzeptanz der Liegeboxen ausreicht, können Sie mit einer einfachen Faustformel prüfen: Drei Stunden nach der Fütterung sollten mehr als 80 Prozent der Kühe, die in Kontakt mit den Liegeboxen sind, in der Box liegen.

Mit Material von Sabrina Diestelow, LWK Schleswig-Holstein

Inhalte der Ausgabe

  • Agrarpolitik: Klöckner fordert bessere Tierhaltung
  • Betrieb: Initiative Tierwohl - Anmeldung für die dritte Runde
  • Technik: Gut abwägen - Gründe für den Traktorkauf
  • Tierhaltung: Vorgaben für den Sauen-Deckstall
  • Pflanzenbau: Silphieanbau als Biotopvernetzung
  • Leben auf dem Land: Borreliose als Berufskrankheit

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