Die Eisenversorgung beeinflusst die Entwicklung von Saugferkeln.
Laura Schneider | am

Ratgeber: Saugferkel richtig mit Eisen versorgen

Die Eisenversorgung der Ferkel beeinflusst ihre Entwicklung über die Säugezeit hinaus. Das sollten Sie dazu wissen.

Schon in der Berufsschule lernt jeder Landwirt: Saugferkel haben einen Eisenbedarf von etwa 10 mg täglich. Die eisenarme Milch der Sau kann diesen Bedarf bei weitem nicht decken.

Die Eisenarmut der Sauenmilch ist ein natürlicher Schutzmechanismus des Gesäuges gegen Infektionen. Denn Keime und Krankheitserreger benötigen für ihren Stoffwechsel Eisen und andere Schwermetalle.

Wie viel Eisen braucht ein Ferkel?

Der Eisenbedarf ist unter anderem eine Frage der Zuwachsgeschwindigkeit. Saugferkel wachsen heute schneller als früher. Daher ist ihr Bedarf höher als der, der vor etwa 30 Jahren für Ferkel definiert wurde.

Außerdem hängt der Eisenbedarf von den Reserven ab, mit denen die Ferkel auf die Welt kommen. Nach allgemeiner Auffassung reichen diese knapp bis zum zweiten oder dritten Lebenstag aus, aber trotzdem kann in dieser Zeit bereits ein Defizit entstehen.

Der durchschnittliche Eisenvorrat neugeborener Ferkel kann zwischen den Würfen erheblich schwanken. Ein Teil der Ferkel wird schon mit einem Eisendefizit geboren.

Beseitigt Beifutter den Eisenmangel?

Sobald die Ferkel festes Beifutter aufnehmen, sollte sich das Problem des Eisenmangels entschärfen, weil dessen Eisengehalt ausreicht.

Aber alle Versuche zeigen, dass die Beifutteraufnahme eines einzelnen Saugferkels eine weitgehend unbekannte Größe ist. Zudem hängt sie stark von der Milchversorgung ab.

Gerade gut entwickelte Ferkel nehmen vermutlich bei hohem Milchangebot, konventionellem Beifutter und Konzepten ohne Tassen bis zum Absetzen nur wenig Beifutter auf – bei drei Wochen Säugezeit oft gar keines.

Was bewirkt eine Eiseninjektion?

Bei Ferkeln, die bereits mit einem Eisenmangel geboren werden, kann eine Injektion das Defizit nicht ausgleichen. Denn sie setzt eine ausreichende Menge an antioxidativem Vitamin E oder Selen voraus, die die Ferkel erst über die Milch aufnehmen.

Der praxisübliche Standard einer einmaligen Injektion von 200 mg Eisen in Form von Eisendextran führt zu einem Eisendepot, das nach und nach verbraucht wird und ausreichen soll, bis die Ferkel festes Futter aufnehmen.

Kann eine Eiseninjektion auch schädlich sein?

Zunächst ist dieses Eisendepot eine massive Überversorgung. Nach einer Injektion steigt der Bluteisengehalt innerhalb von sechs Stunden um das 30-fache an.

Das ist eher eine Belastung, besonders für Ferkel, die heute in den großen Würfen mit eher geringem individuellem Geburtsgewicht zur Welt kommen. Sehr frühe Injektionen können Gewebe schädigen und in Einzelfällen ohne ausreichende Milchaufnahme sogar tödlich wirken.

Wie lässt sich diese Belastung reduzieren?

Reduzierte Eisengaben (100 mg) wirken schonender und führen in einzelnen Versuchen nach 14 Lebenstagen zu vergleichbaren Hämoglobinwerten wie eine Injektion von 200 mg pro Ferkel.

Bei hohen Zunahmen von mehr als 230 g kann es sinnvoll sein, die Eisengabe spätestens am 15. Lebenstag zu wiederholen oder eine orale Eisengabe am zweiten Lebenstag mit einer Injektion am zehnten Lebenstag zu kombinieren.

Wie entstehen Gelenkverletzungen bei Saugferkeln?

Vor allem in Betrieben mit hohem Gesundheitsstaus sind die Gelenke der Ferkel ein Risikofaktor: In der ersten Lebenswoche können, vor allem bei Milchmangel, durch Ruderbewegungen beim Säugen Schürfwunden an den Karpalgelenken entstehen.

Diese sogenannten Gelenkarthritiden sind schwer zu behandeln. Daher kommt der Standsicherheit der Ferkel am Gesäuge eine besondere Bedeutung zu.

Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen, lesen Sie im vollständigen Beitrag in der LAND & FORST, Ausgabe 01/2021 und in der digitalen Ausgabe

Fazit

  • Die praxisübliche Injektion von 200 mg Eisendextran führt zu einem Eisendepot. Dieses ist am dritten Lebenstag zunächst eine massive Überversorgung mit gesundheitlichen Risiken.
  • Bei hohen Ferkelzunahmen können 200 mg Eisendextran zu wenig sein für die gesamte Säugezeit.
  • Eine zusätzliche Gabe ab dem zehnten bis 14. Lebenstag kann Vorteile bis über das Absetzen hinaus bringen, weil die Beifutteraufnahme als Eisenlieferant oft nicht ausreicht.
  • Prophylaxe bezüglich Fußbodengestaltung und Milchmengenangebot spielt eine entscheidende Rolle für die Ferkelgesundheit.

Der zweite Teil dieses Beitrags in der kommenden Ausgabe behandelt die verschiedenen Formen der Eisenverabreichung sowie die Ergebnisse einer Untersuchung des LVG Köllitsch zu Art und Wirkungsweise verschiedener Eisengaben bei Saugferkeln.

 

Mit Material von Dr. Eckhard Meyer, LfULG, Lehr- und Versuchsgut Köllitsch

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