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Laura Schneider | am

Ratgeber: So verbessern Sie die Fruchtbarkeit von Kühen

Mit dem richtigen Management lässt sich die Fruchtbarkeit von Kühen verbessern. Das LBZ Echem gibt dazu Praxisempfehlungen.

Unfruchtbarkeit ist nach wie vor einer der Hauptabgangsgründe im Milchviehbetrieb. Landwirte beschließen nach einigen erfolglosen Besamungen, eine Kuh abzugeben, stellen sich aber die Frage, ob dies nicht doch zu verhindern gewesen wäre.

Das Landwirtschaftliche Bildungszentrum (LBZ) Echem hat sich in den vergangenen Jahren genau dieser Frage gewidmet und das Fruchtbarkeitsmanagement optimiert. Daraus lassen sich die folgenden Empfehlungen ableiten.

1. Nach der Kalbung an die nächste Trächtigkeit denken

Notieren und kontrollieren Sie bei der täglichen Stallarbeit und bei gezielten Stallrundgängen Kühe mit eitrigem Scheidenausfluss.

Am LBZ Echem werden im 14-tägigen Rhythmus routinemäßig alle abgekalbten Kühe im Zeitraum vom 10. bis 30. Tag nach der Kalbung kontrolliert.

Kühe mit Gebärmutterentzündungen werden dem Hoftierarzt vorgestellt, der über die Art der Behandlung entscheidet. Zwei Wochen später folgt eine weitere Kontrolle, bis die Kühe komplett unauffällig sind.

 

2. Zeitpunkt der ersten Besamung individuell bestimmen

Viele Kühe zeigen schon ab dem 40. Tag nach der Kalbung deutliche Brunstanzeichen, doch vor dem 60. Laktationstag kommt es nicht zur Besamung. Der Zeitpunkt der ersten Besamung hängt von den folgenden Faktoren ab:

  • Milchleistung der letzten Tage,
  • Körperkondition,
  • allgemeiner Gesundheitszustand,
  • Gebärmuttergesundheit
  • und Deutlichkeit der Brunst.

Auch Wetterverhältnisse, Fütterung und Gesundheitszustand der Kuh während und nach der Befruchtung spielen eine wichtige Rolle.

Noch vor kurzem galt eine ZKZ von unter 380 Tagen als erstrebenswert, doch inzwischen ist diese Zahl umstritten. Auch aus wirtschaftlichen Gründen ist es nicht unbedingt empfehlenswert, dass Kühe mit einer hohen Milchleistung jedes Jahr ein Kalb bekommen. 

3. Möglichst viele Kühe in der Brunst auch finden

Eine weitere Stellschraube des Fruchtbarkeitsmanagements ist die Brunstbeobachtung. Ein Brunsterkennungssystem bietet sich hier als technisches Hilfsmittel an.

Ein Sender am Halsband kann die Bewegungsdaten jedes einzelnen Tieres sammeln. Bei deutlicher Aktivitätsveränderung zeigt der Computer die Kuh mit einer prozentualen Brunstintensivität an und ermittelt den optimalen Besamungszeitpunkt. Zudem lassen sich die letzten Brunstzyklen zurückverfolgen.

Aber auch das beste Programm kann die visuelle Brunstbeobachtung nicht ersetzen. Achten Sie bei der Stallarbeit und auch während der Kontroll-Rundgänge auf brünstige Kühe und Jungrinder.

4. Nicht „auf gut Glück“ besamen

Nicht jede Kuh, die bullt, ist besamungsfähig. Vor der Besamung empfiehlt sich eine rektale Untersuchung.

Der Besamungszeitpunkt lässt sich nach Brunstverhalten, Zustand des Follikels am Eierstock und Empfehlung des Brunsterkennungsprogramms wählen. Ist eines dieser Kriterien nicht erfüllt, ist davon abzuraten, die Kuh zu besamen.

5. Mit Bedacht die Bullen auswählen und anpaaren

Bei einer Remontierungsrate von unter 30 Prozent benötigt ein Betrieb im Jahr nicht mehr als 40 Prozent weibliche Kälber.

Das LBZ Echem wählt bei züchterisch wertvollen Milchkühen und Jungrindern zur ersten Besamung weiblich gesextes Sperma aus. Kühe, die nicht mehr für die weitere Zucht vorgesehen sind sowie Kühe ab der vierten Besamung werden mit Fleischrinderrassen wie Fleckvieh (fleischbetont) und Limousin angepaart. Die Kälber gehen in die Mast und erzielen dort höhere Preise.

Für die erste Fleischrinder-Anpaarung wird männlich gesext besamt, für die durchschnittlichen Kühe sowie für Nachbesamungen mit ungesextem HF-Sperma.

6. Trächtigkeit kontrollieren

Im LBZ Echem werden Kühe und Jungrinder ab 40 Tagen nach der letzten Besamung auf Trächtigkeit untersucht. Es empfiehlt sich, nichtragende Kühe, die auch ein paar Tage nach der Untersuchung keine Brunst zeigen, dem Hoftierarzt vorzustellen.

Ab dem 70. Tag und bei Auffälligkeiten folgt eine weitere Trächtigkeitskontrolle. So lassen sich Kühe finden, die nach der ersten Untersuchung ihre Frucht verloren haben.

Den vollständigen Artikel lesen Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 32/2020 und in der digitalen Ausgabe.

Mit Material von Martin Hagemann und Susan Wohlmuth-Meinicke

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