Melkgeschirr
Jan-Gerd Ahlers | am

Ratgeber: Welcher Zitzengummi ist der Richtige?

Zitzengummis spielen beim Melken eine entscheidende Rolle. Die folgenden Punkte sollten Sie darum unbedingt berücksichtigen.

Zitzengummis sind die Schnittstelle zwischen Tier und Technik. Sie entscheiden über ein schonendes, zügiges und vollständiges Ausmelken.

Am Zitzengummi wird unmittelbar Kraft auf das Zitzengewebe übertragen. Ist diese zu groß, kann das zur Bildung von Hyperkeratosen führen. Ist sie aber zu klein, entstehen Kongestionen und Ödeme, die den Milchfluss behindern. Somit ergibt sich für jedes Gummi ein optimaler Einstellbereich für das Vakuum und die Pulsation.

Auch bei der Auswahl und Handhabung der Zitzengummis sollten Sie einiges beachten.

Zitzengummis regelmäßig wechseln

Zitzengummis sind immer in Bewegung: Sie öffnen und schließen sich abwechseln, meist 60 Mal je Minute. Dazu kommt die Bewegung während der Reinigung. Neben dieser enormen mechanischen Belastung tragen weitere Faktoren zu ihrer Alterung bei:

  • chemische Einflüsse wie Milchinhaltsstoffe und Fett
  • Säuren, Laugen und heißes Wasser aus der Melkanlagenreinigung
  • Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung und Ozon

Die Nutzungsdauer liegt laut Hersteller meist bei 2.500 Melkungen bei Zitzengummis aus NBR (Schwarze Gummis) und 5.000 Melkungen bei Siliconzitzengummis.

Werden diese Intervalle überschritten, kann das Melkgeschwindigkeit, Ausmelkgrad, Zitzenkondition und Eutergesundheit negativ beeinflussen.

Zitzen der Herde vermessen

Auch das Zusammenspiel der Zitzengummis mit den technischen Einstellungen und Zitzenmaßen ist entscheidend. Da die Maße variieren, empfiehlt es sich, die Zitzen der jeweiligen Herde zu vermessen. Hierbei sollten Sie die Kuhgruppe berücksichtigen, die am häufigsten vertreten ist – in der Regel Kühe der zweiten Laktation.

Verschiedene Schablonen oder Messlehren erhalten Sie bei den Melktechnikherstellern. Messen sollten Sie bei melkbereiten (angerüsteten) Kühen.

Die richtigen Zitzengummis zum Melken finden

Drei- oder viereckige sowie kleeblattförmige Zitzengummis können Untersuchungen zufolge die Ausbildung von Hyperkeratosen vermindern. Gleichzeitig ist es allerdings möglich, dass sie Melkgeschwindigkeit und Ausmelkgrad verringern. Andere Studien konnten keine nennenswerten Veränderungen feststellen.

Auch in der Praxis treten diese Effekte in sehr unterschiedlichem Maße auf. Wer für das Melken verantwortlich ist, muss entscheiden, ob er in einem „Versuch“ prüfen will, ob andere Zitzengummis gewünschte Veränderungen bringen.

Eine Hilfe bieten dabei die Programme zur Auswertung der Melkparameter. Auch eine Bewertung der Melkanlage und des Melkvorgangs durch einen unabhängigen Berater ist empfehlenswert. Er kann durch Messungen und Beobachtungen Entscheidungshilfen geben.

Genaue Dokumentation beim Melken

Die Auswirkungen verschiedener Zitzengummis können Sie nur mit einer genauen Dokumentation und Auswertung feststellen. Eine Bewertung „nach Bauchgefühl“ ist nicht zielführend. Der Melker muss darum nach wie vor Ausmelkgrad und Zitzenkondition erfassen.

Tägliche Überprüfung

Auf folgende Warnsignale sollten Sie im täglichen Betrieb achten:

  • verdrehte Zitzengummis (Markierung am oberen und unteren Ende müssen übereinstimmen)
  • gerissene Zitzengummis (Milch tritt in den Pulsraum ein)
  • passende und saubere Spülaufnahmen
  • Anzeichen von Gummierosion

Den gesamten Artikel lesen Sie in der LAND & FORST, Ausgabe 22/2020 und in der digitalen Ausgabe.

Mit Material von Dr. Michael Hubal, LWK Niedersachsen

Inhalte der Ausgabe

  • Thema der Woche: Vom Klimawandel überrollt: Waldbrandgefahr im Harz
  • Geld und Recht: Haftpflichtversicherung zahlt nur bei genehmigten Anlagen
  • Pflanzenbau: Mikronährstoffe für das Getreide
  • Technik: Güllestickstoff nicht verschleudern
  • Tierhaltung: Ausstieg aus Kastenstand ist entschieden
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