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Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Christa Diekmann-Lenartz | am

Zum richtigen Zeitpunkt in die Legehennenhaltung eingestiegen

Familie Schmitz war vor Jahren auf der Suche nach einem weiteren Standbein und wurde fündig bei der Legehennenhaltung. Das war eine sehr gute Entscheidung, sagen sie. Heute wäre es schwieriger.

Jürgen Schmitz zweites Zuhause ist der Legehennenstall, der sich in 500 m Entfernung von der Hofstelle und in Sichtweite der Papenburger Meyer-Werft befindet: „Das muss man wollen“, lacht der junge Landwirtschaftsmeister. Schon während seiner Lehre stellte er fest, dass ihm Geflügel mehr liegt als die Schweine, die es zu der Zeit auf dem elterlichen Betrieb gab. Der Plan war, nach der Ausbildung zu Hause mit einzusteigen. Eine Überlegung dabei: Die bestehende Schweinemast weiter ausbauen: „Wir waren größenmäßig vor zehn Jahren nicht zukunftsfähig aufgestellt“.

Betriebsanalyse gibt wichtigen Impuls

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Eine Betriebsanalyse durch Uwe Bintz, Ökonomie-Berater der LWK, brachte die Familie dann ebenfalls auf das Geflügel als Alternative zum Ausbau der Schweinemast. Für die Hähnchenmast, die in den Jahren vorher in der Region rasant gewachsen war und wirtschaftlich Potenzial bot, gab es schon damals die Problematik der fehlenden Standorte.

Die Wirtschaftlichkeitsberechnungen von Bintz sprachen für die Legehennenhaltung, mit der sich der Hofnachfolger sehr gut anfreunden konnte. Aber auch seine Familie stand immer hinter den Plänen: „Ohne Einigkeit und Zusammenhalt geht es im Familienbetrieb nicht“, betont Schmitz.

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Das Interesse an den Legehennen blieb auch nach verschiedenen Praktika bei Eiererzeugern und vielen Besuchen von neu gebauten Ställen, aber auch von solchen, die schon länger in Betrieb waren. Er und sein Vater Hans unterhielten sich mit vielen Berufskollegen und Beratern. Vor zehn Jahren wurde der Bauantrag für einen Stall mit knapp 15.000 Legehennen in Ökohaltung gestellt und genehmigt.

Zu dieser Zeit ging Familie Schmitz davon aus, dass sie ohne großen Aufwand einen Vermarktungspartner finden würden: „Bis dahin war die Marktlage sehr gut, die Eiervermarkter gaben sich quasi die Klinke in die Hand, wenn jemand einen neuen Stall baute.“ Das war aber 2012 auf einmal nicht mehr so.

Schmitz bauten ihren Stall tatsächlich erst zwei Jahre später, 2014, als sich der Markt wieder erholt hatte. Seit 2016 haben Schmitz' auf 21.000 Tiere aufgestockt.

Gegen Ringel auf der Schale Sprühkühlung eingebaut

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2017 wurde im Legehennenstall eine Sprühkühlung nachgerüstet und ein Betonsockel rund um den Stall gezogen. Der Betonsockel verbessert die Hygiene am Stall. Der Grund für die Sprühkühlung: Bei den frisch gelegten weißen Eier bildeten sich, bedingt durch die Staubentwicklung im Stall, beim Rollen auf dem Eierband Ringel auf der Schale. Diese Eier wurden als Schmutzeier abgerechnet, das war nicht im Sinne einer möglichst wirtschaftlichen Produktion.

Durch die Sprühkühlung, die bei Bedarf läuft, ist die Staubbelastung im Stall deutlich geringer geworden, was natürlich auch für die Tiere und den Tierbetreuer angenehm ist. Außerdem dreht das Eierband vor Legebeginn heute jeden Tag automatisiert eine „Extrarunde“, was zusätzlich für weniger Staub sorgt.

Vor einem halben Jahr wurde im Stall das Licht ausgetauscht gegen eine LED-Beleuchtung. Neben den geringeren Stromkosten ist der Vorteil, dass bei den LED-Leuchten die Farbanteile variabel sind. So kann bei Bedarf ein höherer Rotanteil eingestellt werden. Dieser sorgt für mehr Ruhe im Stall, hierüber kann Pickerei vorgebeugt werden.

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Anfangs zwölf Stunden im Stall

Spätestens nach dem Einstallen der ersten Tiere war Jürgen Schmitz klar, dass es mit „ein paar lockeren Stunden“ im Stall nicht getan ist, wenn man sich ordentlich um die Tiere kümmern will – auch wenn der ein oder andere „Experte“ einen das zuvor hatte glauben lassen wollen.

Schmitz gibt anderen den Tipp: „Vor allem in den ersten Wochen nach dem Einstallen ist man bis zu zwölf Stunden pro Tag im Stall, es gibt viel zu tun. Die Tiere sollen sich auch an Menschen gewöhnen, daran, dass jemand durch den Stall geht. Das zahlt sich später aus, weil die Hennen dann eben auch nicht schreckhaft sind und nicht schnell Stress haben.“

Das gilt noch stärker für weiße Hennen, die von Natur aus beweglicher und aktiver sind, aber eben auch schreckhafter und nervöser. Familie Schmitz hatte im ersten Durchgang braune Hennen im Stall, inzwischen haben sie auf weiße gewechselt – auch weil die Legeleistung besser ist.

Selbst verpacken hilft, Probleme im Stall zu erkennen

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Familie Schmitz sortiert und verpackt die Eier selbst, ca. zwei Stunden pro Tag sind dafür eingeplant: „Gerade als Neueinsteiger finde ich es wichtig, die Eier selbst zu sehen, das ist eine wichtige Produktionskontrolle. Gibt es vermehrt Schmutzeier? Ist die Schale in Ordnung? Mögliche Probleme im Stall können auch an den Eiern sichtbar werden“, sagt Jürgen Schmitz.

Leistungsmäßig liegt seine aktuelle Herde auf hohem Niveau, die Legeleistung pro Henne ist der wesentliche Faktor bei der Wirtschaftlichkeit. Schmitz strebt denn auch eine lange Lebensdauer seiner Herde an. „Das ist ehrgeizig, aber das kann ich schaffen“, so Schmitz.

Schitz hat Tipps für diejenigen, die es in Zukunft wagen wollen:

Tipps für künftige Neueinsteiger

 

  • Vorher so viele Betriebe wie möglich anschauen und mit vielen Berufskollegen und Beratern sprechen.

  • Immer fragen, fragen, fragen.

  • Wenn möglich, Praktika in verschiedenen Betrieben machen, nicht nur einen Tag, sondern ein paar Tage länger.

  • Am Anfang sehr viel Zeit für die Tierbetreuung einplanen, das zahlt sich später aus.

  • Am Anfang auch viel Zeit zum Erlernen der Stalltechnik einplanen.

  • Bei der wirtschaftlichen Kalkulation einen deutlichen finanziellen Puffer für Fehler in der Anfangszeit einplanen.

  • Die Eierproduktion ist in der Vergangenheit immer mal wieder durch „Skandale“ erschüttert worden. Auch wenn man nicht direkt selbst betroffen ist, der Markt reagiert hierauf, auch dafür braucht es einen finanziellen Puffer.

  • Als Legehennenhalter muss man seine Eier „aktiv“ vermarkten, Verhandlungsgeschick sollte man mitbringen.

  • Konsequenteste Hygiene ist unverzichtbar im Legehennenstall.

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