TierhaltungSeit rund fünf Jahren mästet Familie Krumkühler Rinder in einem Rundstall. Wir sprechen über den Stall und die Vermarktung.Bei dem Roundhouse von Familie Krumkühler handelt es sich um einen Tretmiststall für 130 Tiere.

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Laura Schneider | am

Rindermast im Rundstall

Offene Türen und der Blick in den Mastrinderstall gehören bei Ulrich Krumkühler im Kreis Gütersloh zum Betriebskonzept. Wir haben den Landwirt besucht und mit ihm über seinen besonderen Stall und die Vermarktung gesprochen.

Eine Besonderheit des Stalls ist der Behandlungsstand mit Waage, in den die Tiere über eine freie Fläche in der Stallmitte gelangen.

Das Erste, was ins Auge fällt, wenn man auf dem Hof Krumkühler in Versmold im Kreis Gütersloh ankommt, sind die großen Fachwerkgebäude mit aufwendigen Verzierungen und der alte Torbogen mit der Aufschrift 1722. Gleich danach sieht man die Angusrinder in ihrem außergewöhnlichen Stall.

Sie stehen in einem Roundhouse – einem runden Stall, der über dem außenliegenden Futtertrog offen ist, sodass man die Tiere schon vom Hof aus sehen kann.

Ulrich Krumkühler verfolgt das Motto „Transparenz vom Stall bis auf den Teller“ und wie könnte das besser gehen, als wenn der Kunde beim Einkaufen im Hofladen einen Blick in den Stall werfen kann?

Offene Ställe, frische Luft und Spaß an der Arbeit

Für Ulrich Krumkühler stand nach seiner Ausbildung fest, dass er sich auf Bullenmast spezialisieren wollte. „Die Ställe sind offen und man ist viel an der frischen Luft, deshalb haben mir die Bullen immer am meisten Spaß gemacht“, erzählt er.

Auslöser für die Idee mit dem Rundstall war ein Zeitschriftenartikel über das Stallsystem. Daraufhin flog der junge Landwirt mit seiner Familie nach England, besichtigte einige Ställe und war „auf den ersten Blick begeistert“, erinnert er sich.

So fiel die Entscheidung für den Stallbau. Der ursprüngliche Plan war, die bisherigen Tierplätze mit dem neuen Stall zu erweitern. Letztlich entschied sich die Familie aber, aus der Schweinehaltung auszusteigen, die Junghennenaufzuchtplätze zu reduzieren und die Bullenhaltung komplett aus den Altgebäuden in den neuen Stall zu verlagern.

Der eigentliche Grund dafür war das Genehmigungsverfahren, doch zurückblickend ist Krumkühler überzeugt, dass diese Entscheidung genau richtig war, weil Tierzahlen, Fläche und Arbeitskräfte heute gut zusammen und zu seiner Vermarktungsstrategie passen.

So sieht der Rundstall für die Rinder aus

Im Oktober 2017 war der neue Stall für 130 Tiere fertig. Er besteht aus sieben baugleichen Abteilen, kreisförmig angeordnet wie Tortenstücke. Durch Tore sind die einzelnen Buchten mit einer freien Fläche in der Mitte verbunden.

Von diesem Mittelrondell aus lassen sich die Tiere mit einer Treibhilfe in einen Behandlungsstand mit integrierter Waage treiben oder weiter zur Verladerampe. Eine halbe Bucht steht in Krumkühlers Stall bisher leer, damit er alle drei Tage zum Einstreuen mit dem Hoflader in das Mittelrondell fahren kann. Langfristig soll das möglicherweise eine automatische Einstreuanlage übernehmen.

Rundstall eigentlich als Tiefstreustall vorgesehen

Pro Bucht hält Krumkühler 16 Tiere. Möglich wären 18, aber seine Erfahrung zeigt, dass der Strohverbrauch mit 16 Tieren deutlich niedriger ist und zudem alle Tiere zeitgleich am Trog stehen können.

Eigentlich ist der Rundstall als Tiefstreustall vorgesehen, doch Krumkühler hat ihn mit sieben Prozent Bodengefälle nach außen als Tretmiststall bauen lassen, um Arbeitsspitzen durch das Ausmisten zu vermeiden.

„So schieben wir täglich morgens und abends vor dem Füttern den Mist weg. Das ist ein entspanntes Arbeiten“, erklärt er.

Unkompliziertes Handling der Rinder im Rondell

Im Hinblick auf das Handling der Tiere hat sich das Mittelrondell als großer Vorteil erwiesen: „Man kann viel allein machen. Die Tiere müssen nicht mühsam über den Trog aus der Bucht, sondern die Wände lassen sich komplett wegklappen und sie können einfach rausgehen. Man selbst steht hinter dem Treibpanel und kann die Tiere sicher treiben.“

Durch den Behandlungsstand lassen sich unkompliziert fehlende Ohrmarken ersetzen oder Klauen behandeln. Einmal im Monat wiegt Krumkühler die einzelnen Tiere und hat so ihre Entwicklung im Blick. Nach dem Wiegen wechseln die Tiere die Bucht, damit der Mist auch in den Buchten mit leichteren Tieren durchgetreten wird.

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Seebojen als Hilfsmittel und Beschäftigungsmaterial

Krumkühler mästet ausschließlich Angusrinder. Seebojen sorgen dafür, dass sie den Mist in der gesamten Bucht wegtreten.Foto: Finn

Ein Problem war anfangs, dass die Türen sich nicht öffnen ließen, weil die Tiere das Stroh im hinteren Bereich der Bucht nicht ausreichend wegtraten. Um das zu ändern, hat Krumkühler dort Seebojen aufgehängt, die er alle drei Wochen für eine Woche herunterlässt.

So bleiben sie als Beschäftigungsmaterial attraktiv und die Rinder treten den Mist aus dem Liegebereich heraus. In einigen Buchten bietet Krumkühler zudem Bürsten an – gebrauchte Kehrmaschinenbürsten, die er drehbar aufhängt. Damit hat er bisher ebenfalls positive Erfahrungen gemacht: Die Tiere würden sie gut annehmen und seien etwas sauberer.

Witterungseinflüsse unproblematisch im Stall

Ulrich 
Krumkühler

Witterungseinflüsse machen sich in dem Stall bemerkbar, aber laut Krumkühler ohne negative Folgen. „Schnee oder Regen kommen auch mal hinein. Aber in der Regel gibt das keine Probleme – auch nicht mit nassem Futter, weil die Luft um den Stall herum zirkuliert und es nicht warm wird.“

Das Tränkesystem kommt ohne Heizung aus: Das drucklose System besteht aus einem Vorlaufbehälter mit Schwimmer und einer Zulaufleitung für vier Tränkebecken auf gleicher Höhe, sodass das Wasser ständig nachfließt, in Bewegung ist und frostfrei bleibt.

Krumkühlers bisherige Erfahrungen bestätigen, dass das funktioniert. Bei Minusgraden bilde sich höchstens eine dünne, leicht zu entfernende Eisschicht auf der Oberfläche. Obwohl die Tränken offen sind, würden die Bullen sie kaum verschmutzen und sie seien leicht zu reinigen. Durch senkrechte Stangen neben den Tränkebecken ist dabei der Fluchtweg gesichert.

Angusrinder mästen

Krumkühler mästet ausschließlich Angusrinder. Er ist immer auf der Suche nach Absetzern und kauft Bullen, Ochsen und Färsen mit einem Gewicht von 200 bis 350 kg zu. Für die Rasse spreche zum einen ihre Ruhe, zum anderen ihr unverwechselbares, zartes Fleisch mit einem hohen Anteil an intramuskulärem Fett.

Bullen und Färsen direkt nebeneinander zu halten, sei nicht ideal, aber machbar – auch, weil die Angusbullen ohnehin ruhiger seien. Alle Tiere bekommen dieselbe Ration aus Mais- und Grassilage, Roggen, Ackerbohne und Luzerne – zum Großteil aus eigenem Anbau, nur Mineralfutter wird zugekauft. Das Schlachtalter schwankt von zirka 24 Monaten bei den Bullen bis zu 30 bis 35 Monate bei Färsen und Ochsen.

 

Fleisch der Angusrinder im Hofladen vermarkten

Den Großteil des Rindfleischs vermarktet Krumkühler in seinem Hofladen. Beratung an der Kühltruhe ist für ihn ein Muss.

Den Großteil des Fleischs vermarktet Krumkühler im Hofladen. Fünf bis acht Tiere gehen im Monat zum Schlachten an einen Metzger rund eine Stunde vom Betrieb entfernt.

Dieser hat Krumkühler auch an die amerikanische Schnittführung und die verschiedenen Cuts herangeführt. „Ich hatte da anfangs keine Ahnung“, gibt er zu. „Ich habe mich rangetastet und reingelesen, selbst gebraten und gekocht und dann angefangen, die Kunden zu beraten.“

Der Betrieb heute ist eine runde Sache

In Zukunft möchte Krumkühler auch Grillseminare anzubieten. Die Räumlichkeiten dafür sind mit dem umgebauten früheren Bullenstall schon vorhanden. Für Gruppen bietet er bereits Betriebsbesichtigungen mit Burgeressen oder Steak-Tastings an.

Den Stall will er noch durch eine Weide oder einen Sandpaddock erweitern, um die einzelnen Gruppen tageweise nach draußen zu lassen. Die Betriebsgröße soll allerdings so bleiben: „Ich bekomme öfter zu hören, dass ich noch einen Stall bauen soll, aber das ist keine Option. Die Vermarktung wäre wahrscheinlich kein Problem, aber so wie es ist, ist das eine runde Sache: Wir haben genug Gülleausbringungsfläche, können unser Futter selbst erzeugen und sind komplett autark.“

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