Klauenpflege-Sau

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Ina Stellwag | am

Auch Sauen brauchen gesunde Klauen

Klauengesundheit ist in der Sauenhaltung ein vernachlässigtes Thema. Ina Stellwag hat das in ihrer Bachelorarbeit untersucht.

Die Klauengesundheit von Sauen spielt in den meisten Ställen und in der Ausbildung bisher kaum eine Rolle. Allerdings sind die Anforderungen an die Haltung der Sauen in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Durch die Einführung von Gruppenhaltung und Bewegungsbuchten wird es immer wichtiger, dass die Sauen sich gut, sicher und ohne Schmerzen bewegen können. Eine aktuelle Bachelorarbeit gibt einen Überblick über die bisherigen Studien zur Klauengesundheit von Schweinen.

Mögliche Folgen von Klauenkrankheiten

Einige Studien belegen, dass rund 95 Prozent der Sauen mindestens eine Klauenverletzung aufweisen. Die Spannbreite der Verletzungen geht dabei von einer leichten Ballenerosion oder überwachsenen Klauen bis hin zu Afterklauenabrissen, Klauenrehen und tiefen Hornspalten. Auch Infektionserkrankungen wie Panaritium spielen eine bedeutende Rolle. All diese Erkrankungen schränken die Sauen in ihren Funktionskreisen und im artgerechten Verhalten ein. 

Nicht jede Klauenverletzung führt zu einer Lahmheit, die bei der Tierkontrolle erkennbar ist. Aber Tiere mit Klauenverletzungen benötigen mehr Versuche zum Aufstehen, rutschen häufiger weg oder haben verkürzte Steh- und Fresszeiten. Außerdem kann es zu einer Verdrängung vom Fressplatz in der Gruppenhaltung oder einer unzureichenden Futteraufnahme bei langen Laufwegen in Abrufstationen kommen. Die Wasseraufnahme ist in vielen Fällen ebenfalls eingeschränkt.

Folgen für Ferkelleistung

Das alles hat Auswirkungen auf die Ferkelleistung. Mögliche Folgen von überlangen oder verletzten Klauen sind:

  • eine erhöhte Anzahl erdrückter Ferkel,
  • eine geringere Anzahl abgesetzter Ferkel
  • und ein verringertes Absetzgewicht
     

Neben den Verlusten in der Ferkelproduktion kommt es zu verfrühten Abgängen von teilweise hochtragenden Tieren. Die Folge ist ein Anstieg der Remontierungsrate.

Sau im Stall

Einflussfaktoren auf die Klauengesundheit

Die Einflussfaktoren auf die Klauengesundheit sind genauso zahlreich wie die daraus resultierenden Verletzungen. Eine entscheidende Rolle spielt die Bodengestaltung:

  • Böden sollten trittsicher, rutschfest und frei von Kanten oder Ausbrüchen sein.
  • Eine geringe Spaltenbreite verhindert, dass die Klauen weit einsinken und beugt Kronsaum- und Wandhornläsionen vor.
  • Verdreckte, feuchte Böden erleichtern Infektionserregern den Eintritt durch die aufgeweichte Haut und erhöhen das Risiko für eine Übertragung durch Kot und Urin.
  • Im Hinblick auf die Bodenbeschaffenheit stellten die Wissenschaftler in den untersuchten Studien keine Unterschiede zwischen Beton- und Kunststoffböden sowie planbefestigten und perforierten Böden fest.
  • Eine dicke Einstreu (Stroh oder Sägespäne) verbesserte die Klauengesundheit nachweislich.
  • Mit Gummi beschichtete Böden zeigten unterschiedliche Auswirkungen auf die Klauengesundheit. Auffällig ist jedoch, dass Gummimatten im Liegebereich Wandhornabschürfungen reduzierten, die durch Ruderbewegungen der Sau im Liegen entstehen.
  • Im Abferkelbereich wiesen Sauen auf Gusseisenrosten weniger Klauenverletzungen auf als Sauen auf Kunststoffböden.

TIPP: Schweinehalterinnen und -halter sollten regelmäßig den Zustand der Böden prüfen. Dabei ist sowohl auf Schäden oder Kanten zu achten als auch darauf, ob die Oberfläche zu rau oder zu glatt geworden ist. Bei zu rauen Böden ist der Hornabrieb zu stark und es entstehen Verletzungen im Sohlen- und Ballenbereich der Klaue. Bei zu glatten Böden kommt es dagegen zu einem deutlich geringeren Klauenabrieb, wodurch das Klauenhorn zu lang wächst und sogenannte „Stallklauen“ entstehen. Die Folgen des veränderten Klauenwinkels sind eine starke Mehrbelastung des Ballenbereichs und ein Fesseltiefstand, der eine Belastungsrehe zur Folge haben kann. Außerdem rutschen die Tiere öfter aus und weisen dadurch Hautverletzungen im hinteren Gesäugedrittel auf.

Die Ergebnisse von Studien aus der Umstellungsphase zur Gruppenhaltung im Wartestall zeigen eindeutig, dass in der Gruppenhaltung mehr Klauenverletzungen auftreten. Die Gründe hierfür sind naheliegend, da sich die Tiere deutlich mehr bewegen und der Klauenabrieb stärker ist. Außerdem kommt es bei Rangordnungskämpfen und Ausweichmanövern zu schnellen Richtungswechseln, wobei die Hinterklauen extrem stark belastet werden und eine deutlich höhere Reibung entsteht. Sauenhalter sollten auf eine regelmäßige Umgruppierung verzichten.

Sau-überlange-Klauen-Ballenläsion

Fütterung spielt wichtige Rolle

Die Fütterung spielt eine entscheidende Rolle für die Qualität des Klauenhornes. Die Hornhärte ist unter anderem von dem Vorhandensein der schwefelhaltigen Aminosäuren Cystin und Methionin abhängig. Auch das wasserlösliche Vitamin Biotin muss über Mineralfutter ergänzt werden, weil Schweine es nicht selbst synthetisieren können. Bei einem Mangel sinkt die Hornqualität und es treten verstärkt Risse an der Klaue auf. Aus der Gruppe der Spurenelemente haben Zink (Zn), Kupfer (Cu) und Mangan (Mn) den größten Einfluss auf die Klauengesundheit. Bei ihnen ist jedoch nicht nur die ausreichende Versorgung entscheidend, sondern auch die Bioverfügbarkeit.

Darüber hinaus lohnt sich auch ein Blick auf die Fütterungstechnik. Bei Rieselfütterungen und Abrufstationen kommt es häufig zu Futterneid, woraus Aggressionen und Stress in der Gruppe entstehen. Die Folge sind schnelle Bewegungen, die die Klauengesundheit beeinträchtigen.

Die Klauengesundheit der Herde überprüfen

Um sich einen Überblick über die Klauengesundheit der Herde zu verschaffen, empfiehlt sich eine regelmäßige Klauenbonitur. Das ist am besten im Abferkelstall an der liegenden Sau möglich, da die Tiere hier fixiert sind. Zur visuellen Bewertung gibt es verschiedene Einteilungen und Skalen, die häufig mit Beispielfotos versehen sind. Den hinteren Klauen sollten Sauenhalter besonders viel Aufmerksamkeit schenken, da hier die meisten Verletzungen auftreten. Wichtig ist es, Läsionen genau zu dokumentieren.

Neben der Klauenbonitur sollten Sauenhalter die Herde auch regelmäßig auf Lahmheiten kontrollieren. Durch eine rechtzeitige Klauenpflege können Sauenhalter Klauenverletzungen vorbeugen. Die einfachste Möglichkeit bietet dazu das Kürzen der Afterklauen. Als Hilfestellung für die Länge gilt, dass sie bis auf Höhe des Kronsaums eingekürzt werden sollten. Das Kürzen wirkt sich positiv auf das Gangbild der Sau aus.

Anders ist das beim senkrechten Kürzen der Klauenspitzen mit der Astschere auf eine Länge von 6,5 cm zwischen Kronsaum und Klauenspitze. Die Verschlechterung des Gangbildes lässt sich mit dem Verlust der natürlichen Klauenform begründen. Bei diesem Schnitt wird die Klaue weder in der Höhe noch in Form des Wandhornes angepasst, wodurch die Balance der Klaue gestört ist.

Sau-Stallklauen

Funktionelle Klauenpflege bringt größten Erfolg

Die funktionelle Klauenpflege brachte in den betrachteten Studien den größten Erfolg. Ziel des aus der Rinderhaltung abgeleiteten Modells ist eine gleichmäßige Lastverteilung mit vier Schnitten:

  • Die Klaue wird in mehreren Schritten möglichst nah an die Ideallänge von 5 cm gekürzt.
  • Anschließend wird sie abgeschliffen und das Wandhorn angeglichen.
  • Die Sohlenflächen werden parallel zum Klauenbein ausgerichtet und die Ballen entlastet.
  • Die Afterklauen werden gekürzt.

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