Ferkel saugen an der Sau im Abferkelstall.
Meinung | Dr. Frank Greshake, Schweinevermarktung Rheinland | am

Sauenhalter: Extremer Abbau der Schweineproduktion droht

Sauenhaltern sind mit dem Kontostand, aber noch mehr mit der Geduld und den Nerven am Ende, sagt Dr. Frank Greshake.

Enttäuschung, teilweise Entsetzen und Resignation waren riesig, als die Marktführer Tönnies und VION am vorletzten Montag „1,15 €“ als Schweinepreis in die Diskussion brachten.

Auch Mittelständler aus Niedersachsen äußerten sich, dass ohne deutlichen Preisabschlag die Schlachtzahlen nicht zu halten seien.

Dr-Frank-Greshake

Gänzlich unerwartet kam das nicht, bröckelten doch auch die EU-Notierungen. Westfleisch, Manten oder Tummel äußerten sich nicht – man kämpfe zwar mit fallenden Verkaufspreisen, schätze aber die Situation der Lieferanten schon bei 1,27 € als dramatisch ein, hieß es.

WLV-Präsident Hubertus Beringmeier intervenierte mehrfach bei Tönnies und konnte schließlich eine Zusage für 1,19 € erreichen. Ob die bis Ende des Jahres bleibt, dazu gab es keine eindeutige Stellungnahme.

Schwieriger Schweinefleischmarkt

Natürlich ist der Markt schwierig: Die Läger sind noch gut bestückt mit den Asienartikeln, der Lockdown verhagelt das Geschäft mit Restaurants, Kantinen und Caterern, Dänemark ist wegen Corona für China gesperrt, usw. An der Ladentheke läuft es zwar wie gewohnt, aber das kompensiert nicht die ausfallenden Vermarktungswege.

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Preise auf Talfahrt

Und kaum lagen Preissenkungen in der Luft, gingen die Preise der Schlachtunternehmen auf Talfahrt. Die abnehmende Hand nutzte die Steilvorlage – wenn sie nicht zuvor schon zugelangt hatte. Und es kam, wie es fast immer kommt: Am ohnehin schwierigen Ferkelmarkt drohte Stillstand, es war zu den ohnehin schon niedrigen Verkaufspreisen nichts zu machen.

Situation der Schweinehalter verheerend

Insgesamt ist die Situation verheerend: Ein Schweinepreis von 1,27 € wurde schon zum Synonym für die gebeutelte Branche – war aber andererseits Fels in der Brandung des Marktes. Auch das gilt nun nicht mehr.

Sicher ist, dass die aktuellen Ferkel- und Schweinepreise kaum eine Chance haben, sich vor Ende Januar zu erholen, wenn das Corona-Theater bis dahin weitergeht. Speziell bei den Sauenhaltern ist man jetzt aber noch mehr mit der Geduld und den Nerven als mit dem Kontostand am Ende.

Extreme Abbau der deutschen Schweineproduktion

„Jetzt nicht mehr!“ – so hört man immer wieder. Die Schlachtsauenzahlen steigen jedenfalls deutlich an. Wenn in einigen Jahren jemand fragt, wann denn der extreme Abbau der deutschen Schweineproduktion eingesetzt habe, wird man um den November 2020 als Antwort nicht herumkommen!

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