Maeuse-Weizen
Dr. Lutz Fischer, Leitung des FachbereichsSchädlingsbekämpfung, LAVES Oldenburg, Task-Force Veterinärwesen | am

Schadnager: Wenn die Prävention gescheitert ist

Mäuse und Ratten gehören zu den unliebsamen Gästen auf landwirtschaftlichen Betrieben. Mithilfe eines Anfang des Jahres zugelassenen Wirkstoffs und ein paar Tricks lässt sich das Problem aber effizient angehen.

"Neu" in der Schadnagerbekämpfung ist die Renaissance eines bekannten Wirkstoffs, dessen Anwendung und vielleicht die hier vorgestellte Idee der Auslegung mittels spezieller Köderboxen. Alt hingegen ist die Erkenntnis, dass Prävention einen starken Befall gar nicht erst aufkommen lässt. An dieser Stelle sei daher gesagt, dass bauliche Mängel, nicht korrekt gelagerte Futtermittel und/oder unsachgemäß entsorgte Abfälle in hohem Maße für die Zuwanderung von Schadnagern verantwortlich sind. Kombiniert mit dem Aufkommen von Unrat und damit Versteckplätzen steht der Etablierung von Schadnagern auf dem landwirtschaftlichen Betrieb nichts mehr im Wege.

Resistenzen vermeiden

Ist es nun soweit gekommen, sind die Mittel der Wahl vorrangig chemische Wirkstoffe, die die Blutgerinnung der Schadnager hemmen (sogenannte Antikoagulanzien). Allerdings bergen diese Stoffe das Risiko von Resistenzen und einer starken Umweltbelastung, beispielsweise ein erhöhtes Risiko durch Sekundärvergiftungen. Hier kommt Cholecalciferol ins Spiel. Der Wirkstoff ist nichts anderes als Vitamin D3 und führt bei einer Überdosierung zu einer Erhöhung des Kalziumgehalts im Blut (Hyperkalzämie). Letztendlich hat dies Herz- und Nierenversagen und damit den Tod zur Folge. Für Cholecalciferol sind bisher keine Resistenzen, Gefährdungen durch Rückstände und keine Sekundärvergiftungen bekannt und das macht den Wirkstoff gegenüber den Antikoagulanzien attraktiv.

on_Ratte.jpg

Gefahr von Primärvergiftungen

Die Gefahr von Primärvergiftungen ist durch die hohe Wirksamkeit bei Nicht-Zielarten erhöht und in diesen Fällen ist die Behandlung schwieriger und langwieriger als beispielsweise bei Antikoagulanzien. Ein Gegenmittel (Antidot), wie das Vitamin K im Fall von Antikoagulanzien, ist für Cholecalciferol nicht vorhanden. Die Anwendung von Cholecalciferol ist nur geschulten berufsmäßigen Verwenderinnen und Verwendern erlaubt. Neben Sachkundigen nach der Gefahrstoffverordnung (Anhang I Nr. 3, 4 GefStoffV) sind dies professionelle Schädlingsbekämpfer und auch Landwirte mit Sachkunde nach Pflanzenschutz-Sachkundeverordnung (PSKN). 

Die Befallsanalyse und die Beköderung überlässt man bestenfalls, aber zumindest anfänglich, dem professionellen Schädlingsbekämpfer. Wegen der besonderen Ausbringungsweise wird Cholecalciferol nur an Betriebe abgegeben, deren Techniker ein Seminar des Herstellers besucht haben.

Wo sollten Köder ausgelegt werden?

Ratten-Koederbox-Holz

Weiter bietet es sich an, den Ort der Köderauslegung so ruhig und geschützt wie möglich anzubieten. Zu diesem Zweck sind die sogenannten Rattenhotels beziehungsweise Großköderboxen aus Holz vielleicht ein perfekter Ausbringungsort. Diese bestehen aus bis zu 15 Kilogramm schweren Holzkisten, die mit Gersten(!)stroh ausgekleidet sind und zwei Zugänge aufweisen. 

Eine andere Möglichkeit ist, eine Kiste mit Material zu füllen, dass üblicherweise auf dem Betrieb zu finden ist. Diese Version wird ohne Boden geliefert und kann somit von unten begangen und auf Spaltböden oder Einstreu eingesetzt werden. Da sie nicht vollständig geschlossen ist, ist der Einsatz nur in abgetrennten, geschützten Arealen und nach Einweisung der Angestellten einsetzbar. In beiden Fällen sind die Kisten entsprechend der Risikominderungsmaßnahmen mit Warnhinweisen, Kontaktdaten und Informationen zum verwendeten Wirkstoff zu versehen. Die Kisten liefern mit dem eingebrachten Material einen trockenen, geschützten Bereich, der neben der Nistmöglichkeit auch das Futter (mit Wirkstoff) bietet.

Köderkisten aus Holz

Gegenüber diesen wohnlichen Holzkisten zeigen die Schadnager eine geringere Scheu als gegenüber den herkömmlichen Köderboxen aus Kunststoff. Hier finden die Schadnager dann auch gegebenenfalls genügend Zeit und Ruhe, den Wirkstoff in genügend großer Menge aufzunehmen. Wird der Köder dann innerhalb der ersten beiden Tage entsprechend nachgelegt, sodass die toxische Dosierung vor dem "Stop-Feeding-Effekt" erreicht wird, steht der vollständigen Tilgung nichts im Wege. Laut Hersteller verenden die Tiere nach Aufnahme der letalen Dosis bereits nach spätestens drei Tagen.

Den ganzen Artikel zum Thema Schadnager finden Sie in unserer aktuellen Ausgabe der LAND & FORST 38/21. 

Inhalte der Ausgabe

  • In fünf Schritten zum Ökolandbau - eine Praxisanleitung
  • Sonnenblumenanbau: Tierfutter, Insektenrettung und ein schöner Anblick
  • Wie war es auf der Maschinenvorführung in Hausstette?
  • Lampen aus Kürbissen - Ein Besuch in der Kalebassenmanufaktur

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen
Produkte entdecken

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel merken und teilen

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • In fünf Schritten zum Ökolandbau - eine Praxisanleitung
  • Sonnenblumenanbau: Tierfutter, Insektenrettung und ein schöner Anblick
  • Wie war es auf der Maschinenvorführung in Hausstette?
  • Lampen aus Kürbissen - Ein Besuch in der Kalebassenmanufaktur

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen