Bergung-Wildschwein
Christa Diekmann-Lenartz | am

Ein Schock: ASP ist in Deutschland - was nun?

Nur die größten Optimisten hatten vielleicht noch gehofft, dass die Afrikanische Schweinepest an Deutschlands Grenze haltmachen könnte. Nun ist klar, dass die Hoffnung vergeblich war. Die wichtigsten Infos und wie sich ASP auf den Schweinepreis auswirkt, lesen Sie hier.

Fachleute haben seit Monaten immer wieder betont, dass die Frage nicht lautet, ob die Afrikanische Schweinepest (ASP) nach Deutschland kommt, sondern nur, wann. Grund für diese Meinung war vor allem, dass es in Polen immer wieder Funde von ASP-infizierten Wildschweinekadavern sehr nah an der deutschen Grenze gegeben hat.

Vergangene Woche Mittwoch (9. September) war es dann soweit: Im brandenburgischen Landkreis Spree-Neiße, direkt an der polnischen Grenze, wurde bei einem Wildschweinkadaver ASP nachgewiesen. Mittlerweile ist bei fünf weiteren Wildschweinen das ASP-Virus nachgewiesen worden.

Sofortiger Export-Stopp

Noch ist laut Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) nicht bewiesen, dass das tote Wildschwein aus der polnischen Population jenseits der Grenze stammt, doch die Vermutung liegt nahe. Da der Kadaver schon älter war, besteht die Gefahr, dass das Virus sich schon länger in Deutschland bewegt.

Die vorhersehbaren und trotzdem gefürchteten Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Sie betreffen keineswegs nur den – überschaubaren – Kreis der Schweinehalter in den sofort eingerichteten Restriktionsgebieten um den Fundort: Deutschland ist Schweinefleisch-Exporteur, ein guter Teil geht in Drittländer außerhalb der EU.

Diese verlangen in der Regel ein Zertifikat der ASP-Freiheit. Als erstes Drittland stoppte Südkorea am Tag nach der offiziellen ASP-Bestätigung Schweinefleischlieferungen aus Deutschland. China und Japan folgten am Wochenende. Damit waren die Hoffnungen begraben, dass es kurzfristig zu Regionalisierungsabkommen vor allem mit China kommen könnte, sodass Schweinefleisch aus nicht betroffenen Regionen weiter exportiert werden könnte.

Notierungen um 20 Cent gesenkt

Auch auf die Schlachtschweinepreise gab es unmittelbare Auswirkungen. Die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften (VEZG) hatte am Freitag eine außerordentliche Preiskonferenz einberufen und die Notierung um 20 Cent auf 1,27 €/kg Schlachtgewicht gesenkt.

Dieser Preis soll bis Mittwoch (16. September) gelten. Auch die Ferkelpreisnotierung ging mit minus 12 € deutlich zurück. VEZG-Geschäftsführer Dr. Hortmann-Scholten (siehe auch Audio-Beitrag zu Beginn des Artikels) erläuterte die drastischen Maßnahmen:

„Wir benötigen einen funktionierenden Markt, das heißt, der Abfluss der Schlachttiere muss weiterhin gewährleistet sein. Das Preissignal geht mit einem Appell an die Schlachthöfe einher, die zugesagten Mengen auf der neuen Preisbasis auch aufzunehmen.“

Appell: Nur schlachtreife Schweine vermarkten

Schweinehalter sollten nur schlachtreife Schweine vermarkten und sich an die Mengenabsprachen mit ihren Vermarktungspartnern halten. Leichte Schweine müssten im Stall der Mäster bleiben, betonte Hortmann-Scholten, um die Vermarktungsmöglichkeit für schwere Tiere nicht zu behindern.

Er zeigte sich zuversichtlich, dass es zunächst keine weitere Talfahrt der Notierungen geben werde. Wenn deutsche Exporte gen Asien jetzt ausfallen, rechnet er damit, dass andere EU-Schweineländer wie Dänemark, Niederlande, Spanien oder Frankreich diese Lücken füllen. Deren Fleisch wurde bislang vielfach innerhalb der EU vermarktet, die frei werdende Nachfrage könnten deutsche Schlachthöfe bedienen.

Bevor ein Land den Status „ASP-frei“ zurückbekommt, muss der letzte ASP-Fund sechs Monate zurückliegen. In Tschechien, wo die ASP-Bekämpfung vorbildlich ablief, dauerte es bis dahin immerhin zwei Jahre.

Wie weit ist ein ASP-Impfstoff?

In den vergangenen Wochen gab es verschiedene Meldungen zu Fortschritten bei der Entwicklung eines ASP-Impfstoffes. Prof. Artur Summerfield von der Universität Bern schilderte jedoch kürzlich bei einer ASP-Online-Tagung, dass sich die Impfstoffentwicklung schwierig gestaltet.

Er begründete das unter anderem damit, dass das ASP-Virus in Aufbau und Wirkung deutlich komplexer sei als andere Viren. Es gebe eine Vielzahl vielversprechender Forschungsansätze zu Impfstoffen, aber die meisten befänden sich noch in experimentellen Studien. Eine chinesische Forschergruppe sei einen Schritt weiter mit einem Impfstoff in der klinischen Prüfung.

Einen praktischen Einsatz wird es laut FLI aber in absehbarer Zukunft nicht geben. Summerfield bestätigt das: „Bis ein geeigneter Impfstoff verfügbar ist, wird es noch fünf bis zehn Jahre dauern“, vermutet der Virologe.

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