Schweinehaltung in Niedersachsen

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Anne-Maria Revermann | am

Schweinehalter in Not: Wohin mit den Schweinen?

Schlachthöfe sind nicht mehr in der Lage, alle schlachtreifen Schweine abzunehmen. Landwirte wissen nicht wohin mit ihren Tieren.

Die Situation in der Schweinehaltung spitzt sich weiter zu - Mäster und Ferkelerzeuger befürchten gleichermaßen, in eine Notlage zu geraten. Schweinehalter wissen im Moment nicht, wohin mit ihren Tieren. Hinzu kommt eine ruinösen Preissituation.

Denn die Schlacht- und Zerlegekapazitäten sind weiterhin durch das Coronavirus und die Afrikanische Schweinepest (ASP) begrenzt. Sie lassen den "Schweinestau" weiter wachsen.

Die ISN fordert ein "schnelles, entschiedenes und abgestimmtes Maßnahmenbündel von Seiten der Behörden". Die Landesregierung Niedersachsen hingegen sieht die Kapazität der Schlachthöfe erschöpft.

 

 

Sondergenehmigungen für Schlachtungen müssen her

Die Schlachtgewichte der Schweine steigen jede Woche und es ist nicht absehbar, dass sich die Situation in den kommenden Wochen entschärfen könnte. "In der Folge werde es immer schwieriger, Ferkel zu vermarkten, da die Mäster immer weniger bereit oder in der Lage sind, neue Tiere einzustallen. Die Schlachtschweine können nur mit großer Verzögerung abgenommen werden und bleiben somit länger im Stall und wachsen weiter", gibt Franz-Josef Holzenkamp, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), zu bedenken.

„Dies kann nicht im Sinne des Tierschutzes sein, aber die Politik scheint das sich verschärfende Problem auf der Erzeuger- und Vermarkterstufe noch gar nicht zu kennen“, so Holzenkamp weiter.

Anträge auf Sondergenehmigungen für Schlachtungen an Feiertagen oder auf Arbeitszeitverlängerungen wurden vielfach abgelehnt.

Schweinehalter geraten in Notsituation

Dem schließt sich auch ISN-Geschäftsführer, Dr. Torsten Staack, an. Die aktuell Preissituation sei fatal. Wenn dann zusätzlich Ferkelerzeuger und Mäster vermehrt ihre Tiere nicht vermarkten können, würde sich die aktuelle Lage zu einer handfesten Notsituation entwickeln. Er fordert:

"Es muss alles getan werden, dass es nicht zum Infarkt der Lieferkette kommt (...). Wir müssen den Stau beseitigen. Dafür brauchen wir mehr Schlacht- und vor allem Zerlegekapazitäten – natürlich unter Einhaltung der Corona-Vorsichtsmaßnahmen (...). Um wirklich Marktentlastung zu bekommen, müssen alle Behörden auf Bundes-, Landes- und Kreisebene zusammenarbeiten – und vor allem auch über die einzelnen Fachbereiche und Abteilungen hinweg."

 

Es fehlen 50.000 Schlachtungen pro Woche

Die Situation für Schweinehalter sei aktuell noch weit schlimmer, als jene Corona-bedingte in diesem Sommer, als es zu Schlachthofschließungen kam. Denn der Stau an Schlachtschweinen, der sich aufgebaut hatte, sei bis heute nicht aufgelöst.

Im Gegenteil: Er staut sich immer weiter auf. Vor allem Zerlegekapazitäten seien nach wie vor an fast allen Schlachthöfen reduziert. Seit Wochen stagnieren daher die Schlachtzahlen bei maximal 850.000 bis 880.000 Schweinen pro Woche.

Es fehlen rund 50.000 Schlachtungen pro Woche, allein um den Überhang an Schweinen nicht noch größer werden zu lassen. Um den Stau aufzulösen, brauche es noch deutlich mehr.

Tönnies in Rheda-Wiedenbrück produziert derzeit beispielsweise nur zu rund 75 Prozent der sonst vorgesehenen Kapazität. Der Schlachthof Weidemark im emsländischen Sögel sogar nur zu 60 Prozent. In Sögel kommt hinzu, dass die Lage weiterhin ungewiss bleibt, da dort aktuell Corona-Infektionen bei Beschäftigten aufgetreten sind.

Schweinestau trifft auch Ferkelerzeuger hart

Der Stau am Schlachtschweinemarkt trifft auch Ferkelerzeuger extrem, weiß das Landvolk Niedersachsen. Landwirte können nicht so schnell umsteuern, so Vizepräsident des niedersächsischen Landvolks, Jörn Ehlers.

Die Zyklen von der Besamung der Sau bis zur Mast im Stall seien lang - "wir haben einen langen Bremsweg". Inzwischen reiche der Rückstau bis zu den Ferkelerzeugern, die auch ihre Tiere nicht mehr an die Mäster loswerden.

 

Weniger Ferkel ab 2021

Der Abbau der Sauenbestände werde sich ab dem Frühjahr 2021 in verringerten Ferkelzahlen niederschlagen; verringerte Ferkelimporte werden schon vorher für weniger Schweine ab Januar 2021 sorgen, sagt Dr. Frank Greshake vom Landesmarktverband Vieh- und Fleisch in NRW. Schweinelieferungen ab Mitte Januar 2021 würden daher auf eine bessere Marktsituation treffen.

Mit Material von DRV, ISN, LPD, dpa

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