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Meinung | Albert Hortmann-Scholten | am

Schweinehaltung: Es ist später als fünf vor zwölf!

Seit Wochen kostet jede Ablieferung von Ferkeln oder Schlachtschweinen die Sauenhalter oder Mäster bares Geld. Für sehr viele von ihnen stellt sich schon länger die Grundsatzfrage, weiter Eigenkapital zu verbrennen oder auszusteigen.

Der Druck wächst immer weiter

Jetzt kommt noch zusätzlicher Druck: Die explosionsartig ansteigenden Corona-Neuinfektionen betreffen auch die Schlacht- und Zerlegebetriebe. Arbeitskräfte fehlen, die Angst vor einem neuen Schweinestau wächst. Das gilt umso mehr, als es von Absatzseite auch keine positiven Signale gibt. Corona lässt den Warenabfluss stagnieren.

Werden die deutschen Erzeuger abgehängt?

Die hiesige Schweineproduktion befindet sich in einem dramatischen Strukturanpassungsprozess. Auch der vor- und nachgelagerte Bereich ist betroffen. Deutschland hat seine Marktführerschaft in der EU und auf dem Weltmarkt verloren. Die von hiesigen Erzeugern schon freigesetzten Marktanteile sind von EU-Wettbewerbern übernommen worden. In Spanien und Dänemark steigt die Produktion schneller, als sie bei uns zurückgeht. Gleichzeitig geht der Pro-Kopf-Verzehr an Schweinefleisch zurück. Laut Prognose wird er in Deutschland in diesem Jahr die 30-kg-Marke unterschreiten.

Corona verschärft das Problem

Corona hat in der Produktion Zusatzkosten verursacht durch höhere Hygiene- und Arbeitsschutzmaßnahmen. Diese können kaum an den Endverbraucher weitergegeben werden. Der geringere Mengenumsatz wird zu weiteren Fusionen und Kooperationen im Schlacht- und Futtermittelbereich führen. Diese Tatsachen und der Umstand, dass eine Haltungs- und Herkunftskennzeichnung eine gläserne Produktion erfordern, bedeuten verstärkt integrierte Systeme.

Eine vertragliche Bindung kann aber auch für mehr Abnahmesicherheit sorgen. Das hat die Corona-Krise gezeigt. Vordringliche Aufgabe der Branchenverbände ist es, dafür faire Vertragskonstruktionen zu entwickeln.

Fleisch aus höheren Haltungsstufen

Der Lebensmittelhandel will vermehrt Fleisch aus höheren Haltungsstufen an den Markt bringen. Ohne 5xD wird das ausländische Produzenten noch besser ins Spiel bringen. Hierzulande fehlen nach wie vor die baurechtlichen Voraussetzungen für einen Umbau, den viele Betriebe wollen.

5 vor 12: Umbau der Tierhaltung voranbringen

Die neue Bundesregierung will erst bis Ende 2022 ein Paket aus Haltungskennzeichnung, Finanzierung und geändertem Baurecht erarbeiten. Bei der Herkunftskennzeichnung will man sogar auf eine EU-Lösung warten, das kann lange dauern. Angesichts der desaströsen wirtschaftlichen Lage werden bis dahin sehr viele Betriebe ihre Hoftore längst geschlossen haben.

Es ist heute schon später als fünf vor zwölf. Der geforderte Umbau der Tierhaltung muss dringendst auf den Weg gebracht werden. Die Gesellschaft dabei mitzunehmen, ist die zweite Mammutaufgabe der Politik.

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