Wiederaufnahme-Schlachtung-Juli-2020-1-scaled-1

Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Norbert Lehmann | am

Stabile Notierung im Machtkampf am Schlachtschweinemarkt

Am Schweinemarkt spielt sich ein Machtkampf ab: Seit zwei Wochen unterlaufen die großen Schlachter die VEZG-Notierung.

Wer ist der Stärkere? Die Schweinehalter oder die großen Schlachtunternehmen? Seit zwei Wochen werden am deutschen Schweinemarkt wieder einmal Hauspreise gezahlt. Waren es zuerst nur Tönnies und Vion, die vertragsfreie Tiere deutlich unter der Notierung der Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) vergüteten, zahlen in der laufenden Schlachtwoche die drei Großen, das heißt Tönnies, Westfleisch und Vion, unisono nur 1,75 Euro/kg Schlachtgewicht. Das sind glatte 10 Cent weniger, als die VEZG-Notierung für die Woche bis zum 27. Juli vorsieht. Damit machen die drei Fleischriesen, die zusammen 58 Prozent aller Schweine in Deutschland schlachten, gemeinsam Front gegen die Erzeugernotierung.

ISN sieht billige Fleischpreise bei Aldi als Auslöser

Die Tönnies-Gruppe begründet den Hauspreis mit dem Wetter und den Sommerferien. Die Nachfrage nach Fleisch sei gering; der Absatz stocke, heißt es aus Rheda-Wiedenbrück. Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) hat noch eine andere Erklärung: Es sei auffällig, dass der Preisdruck der Schlachter besonders hoch sei, seit der Discounter Aldi Anfang Juli ankündigte, die Verbraucherpreise für Schweine- und für Rindfleisch deutlich zu senken, so die ISN. Tatsächlich sind seit dieser Ankündigung keine Schlachtschweine mehr über die Internet Schweinebörse abzusetzen gewesen, obwohl die Schlachtzahlen ausgesprochen niedrig sind. In der Woche vom 11. bis 17. Juli wurden in Deutschland nur 734.260 Schweine geschlachtet, 8,3 Prozent weniger als in der Vorjahreswoche. Seit Jahresbeginn liegen die Schlachtungen kumuliert um 6,9 Prozent unter der Vorjahreslinie; das heißt, es wurden fast 1,6 Millionen Schweine weniger verarbeitet als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Schweinehalter brauchen dringend höhere Preise

Dass ein so großer Preisdruck bei einem historisch niedrigen Angebot an Schlachtschweinen herrsche, sei durchaus außergewöhnlich, stellt die ISN fest. Angesichts der hohen Temperaturen ist kurzfristig auch nicht mit einem steigenden Angebot zu rechnen. Denn durch die Hitzewellen der vergangenen Tage wachsen die Schweine langsamer. Die ISN forderte die Schlachtkonzerne auf, den Preisdruck des Lebensmitteleinzelhandels nicht einfach an die Bauern weiterzugeben. Es sei dringend erforderlich, dem Handel Paroli zu bieten, damit die Schweinemäster und Ferkelerzeuger endlich aus der Verlustzone kämen.

Offenstall-Windhaus-B1_CDL.jpg

Wohin tendiert der Schweinemarkt?

Die Schweinehalter blicken nun mit Spannung auf die neue VEZG-Notierung am kommenden Mittwoch. Wird der Orientierungspreis dem Druck standhalten? Immerhin steht der Kurs von 1,85 Euro/kg bereits seit dem 22. Juni stabil. Zuletzt war die Spanne am unteren Ende sogar um 10 Cent höher ausgefallen als in der Vorwoche. Das ist ein Zeichen für feste Tendenzen im Markt. Die VEZG geht jedenfalls von weiterhin gleichbleibenden Preisen aus.

Digitale Ausgabe

Jetzt bestellen
digitalmagazin

✓ Artikel suchen und merken

✓ exklusiv: Video und Audio

✓ Familienzugang

✓ 1 Tag früher informiert

Digitale Ausgabe

✓ Artikel merken und teilen
✓ exklusiv: Video und Audio
✓ Familienzugang
✓ 1 Tag früher informiert
Produkte entdecken
 
Das könnte Sie auch interessieren

Inhalte der Ausgabe

  • Schweine im Offenstall mästen
  • Hitzestress bei Kälbern
  • Blattkrankheiten im Mais
  • Moorschutz durch Wiedervernässung

JETZT DAS WOCHENBLATT KENNENLERNEN – GEDRUCKT ODER DIGITAL!

Reinschnuppern: 12 Ausgaben ab 10€

Jetzt bestellen