Schweinemäster mit Tieren
Christiane Hüneke-Thielemann | am

Startup: Drei Schweinemäster und ein Hof in Handorf bei Lüneburg

Ein Startup mit Zukunft ist der Handorfer Hof in Handorf im Kreis Lüneburg. Drei Schweinehalter setzen auf regionale Vermarktung.

Marco Albers (26), Steuerfachangestellter mit Schwerpunkt Landwirtschaft und erneuerbare Energien und Nebenerwerbslandwirt, hat diese Woche nach Feierabend Futterdienst auf der Schweineweide vom "Handorfer Hof" in Handorf im Kreis Lüneburg.

In Gruppen leben dort Angler Sattel- und Duroc-Schweine, mit reichlich Platz und solide durchgewühltem Matsch, der vor einigen Wochen noch Wiese war.

Frisches Stroh, Kraftfutter und Grünkohlstängel

Frisches Stroh vor den Kälte isolierten Hütten ist verteilt, Kraftfutter und Grünkohlstängel auch. Dann teilt er noch ein paar ordentliche Schaufeln Eicheln aus. "Die gab’s dieses Jahr ja reichlich, und die sind auch ziemlich beliebt bei den Schweinen", sagt der 26-Jährige mit Blick auf die schmatzenden Tiere.

Außerdem auf dem Speiseplan: Frische Äpfel – Fallobst, das sie ebenso wie die Kohlabfälle von Bauern aus der Region bekommen.

Regionalität als roter Faden

Regionalität – dieser Anspruch zieht sich wie ein roter Faden durch die Handorfer Hof GbR der Brüder Tim und Malte Luhmann und Marco Albers. Alle drei kommen aus Handorf und bereichern seit zwei Jahren den regionalen Markt mit ihren vor Ort erzeugten Schweinefleischprodukten.

Und das mit steigender Tendenz: "2017 haben wir 24 Schweine gemästet, 2018 sind es schon 42", sagt Tim Luhmann (32), Agraringenieur mit Schwerpunkt Nutztierwissenschaften und im Hauptberuf Landwirtschaftlicher Berater bei der Landberatung.

Sein Bruder Malte (29) war ursprünglich im Lebensmitteleinzelhandel tätig, arbeitet mittlerweile aber als Vertriebsprofi komplett für den Handorfer Hof.

Artgerechte Haltung und Fütterung im Freiland

Angefangen hatte vor knapp drei Jahren alles mit einer Schnapslaune: Was tun mit der großen Wiese, die zu Tim Luhmanns gerade erworbenem Backsteinhof mitten in Handorf gehörte? Bei der Einweihungsparty kamen die Luhmann-Brüder, Kumpel Marco und noch ein paar andere Freunde auf die Idee, dort Schweine zu halten.

In artgerechter Haltung und Fütterung im Freiland. Sie entschieden sich für vier Tiere der bedrohten und alten Nutztierrasse Angler Sattelschwein. Die Rasse ist robust, widerstandsfähig und für ihr schmackhaftes Fleisch bekannt.

Wurzeln in der Landwirtschaft

Als die ersten "Gemeinschafts"-Schweine zu Wurst, Schinken und Fleisch verarbeitet und alle begeistert waren, fanden die drei Freunde: "Warum nicht auch mit der Region teilen, was uns gut schmeckt?"

Dass das Vorhaben nicht bei einer Schnapsidee blieb, sondern ein gut durchdachtes landwirtschaftliches Startup wurde, hat viel mit der Vita des Trios und ihren Berufen zu tun: Alle drei haben ihre Wurzeln in der Landwirtschaft.

Tierhaltung bei den Großeltern erlebt

Die Luhmann-Brüder erlebten die Tierhaltung bei den Großeltern, Marco Albers bewirtschaftet mit seinem Vater aktuell einen Nebenerwerbshof mit Galloway-Rindern und Ackerwirtschaft. Beim Handorfer Hof kümmert er sich im Wechsel mit Agraringenieur Tim um die Schweine und hat als Steuerfachmann die Finanzen des jungen Unternehmens im Blick.

Eigenarten und Fallstricke des Lebensmittelrechts

Vertriebs-Profi Malte Luhmann weiß nicht nur, wie man ein Produkt bewirbt und präsentiert, er kennt sich auch mit den Eigenarten und Fallstricken des Lebensmittelrechts aus. "Das ist echt wichtig, wenn man eine Direktvermarktung aufbaut, das gibt es so unendlich viel zu beachten", sagt er. Und sein Bruder Tim ergänzt: "Es gibt eigentlich viele Landwirte, die wirklich tolle Produkte haben, doch die Vorschriften und Anforderungen schrecken leider oft davon ab, in die Vermarktung zu gehen."

Thema der Woche

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